27.07.2021 07:55

STEMMER IMAGING: "Das Schwungrad nimmt Fahrt auf"

Interview-Interview: STEMMER IMAGING: "Das Schwungrad nimmt Fahrt auf" | Nachricht | finanzen.net
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Arne Dehn, Vorstandsvorsitzender der STEMMER IMAGING AG, spricht im Interview über die aktuelle Prognoseerhöhung, strategische Wachstumstreiber sowie das Mittelfristziel 200 Millionen Euro.
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Nach einem erfolgreichen zweiten Quartal mit einem Rekord-Auftragseingang von 47,2 Mio. Euro hat die STEMMER IMAGING AG die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr deutlich angehoben. "Das zweite Quartal war über alle Regionen stark. Wir wachsen genau in den Bereichen am stärksten, die wir als strategisch wichtig ansehen: mit Endkunden, mit unseren Mehrwertdiensten und in den von uns fokussierten Wachstumsmärkten", erläutert CEO Arne Dehn im Exklusivinterview mit Finanzen.net. Mit einer EBITDA-Marge von über 10% konnte STEMMER IMAGING bereits sein Mittelfristziel übertreffen. Entsprechend positiv fällt der Ausblick von Konzernlenker Dehn aus: "Wir wollen das Jahr 2021 mit einer besseren Gesamtleistung als 2019 abschließen, um dann in 2022 erneut deutlich zu wachsen."

Herr Dehn, STEMMER IMAGING hat die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2021 deutlich angehoben. Inwiefern hat Sie der positive Geschäftsverlauf im zweiten Quartal positiv überrascht? Wo lief es besser als erwartet?
Arne Dehn: Wir sind optimistisch in das Jahr 2021 gegangen. Dass wir den Corona-Nachfrageeinbruch des vergangenen Jahres jedoch bereits im ersten Halbjahr 2021 hinter uns lassen können, hatten wir zwar gehofft, aufgrund der anhaltenden Pandemie-Restriktionen und zusätzlicher Einflüsse wie dem Brexit und der zunehmenden Knappheit an Vorprodukten und Materialien aber einen stärkeren Dämpfer eingeplant. Der nun zum vierten Mal in Folge steigende Quartalsumsatz und der Rekordwert im Auftragseingang sind aber weniger als Überraschung, sondern eher als Ergebnis unseres Fokus und der harten Arbeit der letzten Monate zu werten. Wir wachsen genau in den Bereichen am stärksten, die wir als strategisch wichtig ansehen, also mit Endkunden, mit unseren Mehrwertdiensten und in den von uns fokussierten Wachstumsmärkten.

War der positive Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr im Wesentlichen der guten Marktentwicklung geschuldet oder konnten Sie auch Marktanteile hinzugewinnen?
Die aktuellen Marktzahlen unseres Branchenverbands VDMA (Stand Ende Mai) sprechen von einem globalen Marktwachstum in der Bildverarbeitung von 12%, in Europa von 5%. Inklusive der noch nicht veröffentlichten Juni-Zahlen gehen wir hier von einem Anstieg aus. Unser Wachstum von knapp 24% im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum liegt weit darüber. Das liegt zum Großteil an unserem Fokus auf hochvolumigem Endkundengeschäft, was wir bereits zu einem Teil im Umsatz sehen, uns aber auch im Auftragsbestand perspektivisch im zweiten Halbjahr und darüber hinaus weiteres überdurchschnittliches Wachstum bescheren wird. Unsere Design-Erfolge insbesondere im Automobilbereich, aber auch die zunehmende Dynamik im Bereich Sport und Entertainment sind mehr als nur Einzelaufträge, vielmehr zeigen sie, dass wir uns erfolgreich in den Wachstumsmärkten positionieren konnten. Klar profitieren wir aber auch von der Erholung der Märkte, an der wir dank unserer breiten regionalen und anwendungsbezogenen Aufstellung stark partizipieren können.

Welchen Anteil hatten Ihre Auslandstöchter an dieser positiven Entwicklung?
Als international aufgestellte Unternehmensgruppe liegt unser Fokus darauf, in allen Märkten, in denen wir präsent sind, profitables Wachstum zu generieren. Das zweite Quartal war über alle Regionen stark. Die für uns wichtigen Märkte in Deutschland und England hatten zu Jahresbeginn noch etwas verhaltenere Auslieferungen, dafür aber einen sehr guten Auftragseingang, sodass wir hier insbesondere für das zweite Halbjahr sehr optimistisch sind. Das statistische Bundesamt spricht von vollen Auftragsbüchern auf Rekordniveau in der verarbeitenden Industrie in Deutschland. Das ist auch das, was wir sehen und sich in unseren Rekordauftragseingängen zeigt.

Sie haben die strategische Positionierung auf Mehrwertdienstleistungen angesprochen. Was haben Sie konkret umgesetzt und wie steht STEMMER IMAGING im Wettbewerbsvergleich da?
Dass wir eine hohe Technologiekompetenz in der Bildverarbeitung haben, wissen unsere Kunden. Wir können aber sehr viel mehr. Unsere Umsetzungskompetenz - wir sprechen immer gerne von Mehrwertdienstleistungen - haben wir sehr kontinuierlich ausgebaut und unsere Erfolge in unseren Geschäftszahlen zeigen das sehr anschaulich. So braucht das für uns strategisch wichtige Wachstumsgeschäft mit Endkunden sehr viel umfassendere Angebote als das reine Komponentengeschäft. Dabei geht es im Wesentlichen darum, dem Kunden kompetent seine ‚Time-to-Market‘ zu verkürzen. Wir unterstützen ihn dabei schon in der Konzeptionsphase, in der intelligenten Zusammenstellung und Fertigung von funktionalen Bildverarbeitungsmodulen und ganz wichtig auch sehr engen Betreuung in der Auslieferungs- und Implementierungsphase. Dieses Leistungsangebot können wir sehr wirtschaftlich für unsere Kunden anbieten und profitieren von standardisierten und mit zunehmendem Anteil auch von automatisierten Prozessen. Das sehen Sie deutlich im Anstieg in unserer Brutto-, aber auch Netto-Ertragsmarge.

Sie sprechen die Margenverbesserung an. Mitverantwortlich für den Anstieg der EBITDA-Marge von 5,6% im Vorjahresquartal auf nun 12,8% in Q2 2021 war Ihr Kostenmanagement. An welchen Stellschrauben haben Sie gedreht und wie nachhaltig sind diese Einsparungen?
Zunächst sollten wir hier festhalten, dass wir unsere Ergebnismarge seit dem Q4 2019 jedes Quartal kontinuierlich gesteigert haben. Wir haben nun zum ersten Mal eine unbereinigte Halbjahresmarge von über 10% ausweisen können und damit unsere als Mittelfristziel herausgegebene EBITDA-Zielmarge übertroffen. Diese Entwicklung ist das Resultat vieler Stellschrauben. Unsere Strategie fokussiert überdurchschnittliches Topline-Wachstum und wir organisieren unser Leistungsangebot mit überdurchschnittlichen Margen auf der Basis von optimierten Prozessen und unserer Organisation. Auch hier gilt es kontinuierlich auf Themen wie Standardisierung, Automatisierung und Digitalisierung von Abläufen und der Weiterbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu setzen. Das Schwungrad, das uns jetzt treibt, nimmt Fahrt auf und wir achten penibel darauf, dass sich keine Unwuchten entwickeln.

Im zweiten Quartal 2021 haben Sie einen Rekordwert im Auftragseingang in Höhe von 47,2 Mio. Euro erzielt. Welche Erwartungen haben Sie an das laufende Quartal?
Unsere quartalsweisen Steigerungen wollen wir natürlich fortsetzen. Das sollte auch möglich sein. Aber wir müssen berücksichtigen, dass das OEM-Geschäft, das ca. 40% unseres Geschäfts ausmacht, wahrscheinlich schon einen überdurchschnittlichen Anteil des Jahresbedarfs geordert hat und wir daher in den 47,2 Mio. Euro teilweise einen Vorzieheffekt sehen müssen. Das hängt sehr stark mit den globalen Lieferengpässen zusammen. Gleichzeitig haben wir noch viele Projektentscheidungen in der Pipeline. Viele unserer Kunden sind mittlerweile sehr stark auf die Umsetzung von Projekten, die wir zusammen in den vergangenen Monaten erarbeitet haben, fokussiert. Klassische Research-Projekte stehen derzeit eher im Hintergrund. Daher erwarten wir eben auch eher großvolumige Auftragseingänge und nicht wie im vergangenen Jahr eher überschaubare Bestellungen zu Prototypen.

Die neue Prognose 2021 sieht einen Umsatz zwischen 123 und 131 Mio. Euro und ein EBITDA zwischen 12,2 und 15,4 Mio. vor. Wie abhängig sind Sie dabei vom Jahresendgeschäft?
Unsere Prognose ist gut abgewogen und spekuliert nicht auf zusätzliche Sondereffekte. Wir müssen gleichzeitig davon ausgehen, dass die vierten oder fünften Pandemiewellen unser Geschäft nicht negativ beeinflussen. Auch bei der globalen Liefersituation gehen wir nicht von einer wesentlichen Verbesserung aus, aber auch nicht von einer Verschlechterung. Die Nachfrage nach Komponenten ist weiterhin hoch, aber die Nachfrage in Asien ist im zweiten Halbjahr oft geringer und daher sehen wir eher eine leichte Entspannung. STEMMER IMAGING wird dieses Jahr an seine Wachstumsperformance anschließen und wir wollen das Jahr mit einer besseren Gesamtleistung als 2019 abschließen, um dann in 2022 erneut deutlich zu wachsen. Schließlich haben wir unser Mittelfrist-Umsatzziel von 200 Mio. Euro ausgegeben, an dem wir auch festhalten.

Herr Dehn, vielen Dank für das Gespräch.

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das aktuelle Interview dient ausschließlich zu Informationszwecken. Die Meinungen und Aussagen der Interviewpartner spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wider, sondern ausschließlich diejenige des Interviewpartners. Das Interview ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Für Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird keinerlei Haftung übernommen.











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Bildquellen: Stemmer Imaging

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