28.09.2020 21:03

Wo Peloton ein Jahr nach dem IPO steht - Fußballkooperation in Deutschland und ambitionierte Ziele

Krisen-Profiteur: Wo Peloton ein Jahr nach dem IPO steht - Fußballkooperation in Deutschland und ambitionierte Ziele | Nachricht | finanzen.net
Krisen-Profiteur
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Im vergangenen September wagte der Fitnessgeräte-Spezialist Peloton den Sprung aufs Börsenparkett. Wenige Monate später erschütterten die Auswirkungen des Coronavirus die Welt - für den Fitnesskonzern erwies sich dieser gesellschaftliche Einschnitt als Treiber. Ein Blick auf das vergangene Jahr und wo das Unternehmen nun steht.
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• Peloton feiert einjähriges Börsenjubiläum
• Stay-At-Home-Phase treibt Umsatz an
• Ambitionierte Ziele für die Zukunft


Peloton Interactive ist ein Anbieter von Fitnessgeräten - passende Abo-Verträge für Live-Fitnesskurse und eine Mediathek vermarktet der Konzern aus New York direkt dazu. Im Jahr 2012 wurde das Unternehmen mit dem Ziel, ein neues Fitness-Konzept zu entwickeln, gegründet. Wie Peloton auf der eigenen Webseite schreibt, war oberste Priorität, "ein faszinierendes Studioerlebnis für Indoor-Cycling zu schaffen, das jederzeit und bequem von zu Hause aus verfügbar ist." Das ist scheinbar gelungen und kam gut an, sodass es am 27. September 2019 an die Börse ging.

Das Peloton-IPO - Blick auf den Chart

Kurz gesagt: Der Börsengang enttäuschte. Die Erstnotiz belief sich auf 27 US-Dollar, lag damit rund sieben Prozent unterhalb des Ausgabepreises von 29 US-Dollar. Bis zum Börsenschluss an diesem 27. September letzten Jahres ging es noch weiter runter und die Peloton-Aktie beendete ihren ersten Handelstag im Minus bei 25,76 US-Dollar. Immerhin belief sich der Emissionserlös auf 1,16 Milliarden US-Dollar - Peloton war damit der achte Konzern, der die Milliardenmarke beim Börsengang übertraf.

Zunächst bewegte sich das Papier seitwärts, konnte im Winter sogar etwas zulegen und pendelte um 30 US-Dollar. Der Ausverkauf an den Aktienmärkten im März hinterließ dann auch bei der Peloton-Aktie Spuren: bis auf 17,70 US-Dollar ging es runter. Doch mit diesem Kurseinbruch holte der Kurs offenbar nur Anlauf für eine monatelange Aufwärtsbewegung. Denn vor dem Hintergrund einer allgemeinen Erholung aber auch dem Stand als Nutznießer der Stay-at-Home-Mentalität wirkten die Anteilsscheine attraktiv - ein neues Allzeithoch erreichte die Aktie am 24. September bei 100,44 US-Dollar. Derzeit pendelt der Aktienkurs in einer engen Range um dieses Niveau.

Corona-Pandemie beschert Peloton schwarze Zahlen

Mit Ablauf des Juni 2020 endete das vierte Geschäftsquartal von Peloton. Dabei kann der Indoor-Cycling-Experten auf eine erfreuliche Geschäftsentwicklung zurückblicken. Während im Vorjahr noch ein Minus in Höhe von 47,4 Millionen US-Dollar in den Büchern stand, konnte in diesem Jahr im 4. Quartal ein Gewinn von 89,1 Millionen US-Dollar verzeichnet werden. Der Umsatz belief sich dabei auf 152 Millionen US-Dollar.

Aufgrund der Maßnahmen, welche die Verbreitung des Virus eindämmen sollten, mussten auch Fitnessstudios schließen. Das kam Peloton zugute - die Nachfrage nach den Heimtrainern und den dazugehörigen Online-Kursen schoss innerhalb kürzester Zeit nach oben. Letztere brachten sogar ein Fünftel der Erlöse ein. Innerhalb eines Jahres kletterten die Abo-Zahlen um 113 Prozent auf 1,1 Millionen User nach oben. Aufgrund der verstärkten Nachfrage war es dem Fitnesskonzern sogar möglich, die Werbeaktivitäten deutlich zu reduzieren.

Für das abgelaufenen Geschäftsjahr blieb unterm Strich jedoch ein Verlust in Höhe von 71,6 Millionen US-Dollar stehen, gegenüber einem Umsatz von 1,46 Milliarden. Das Minus konnte immerhin merklich geschmälert werden: im Vorjahr belief sich die Zahl auf 245,7 Millionen.

Nach dieser positiven Entwicklung hat sich Peloton ehrgeizige Ziele gesteckt und arbeitet intensiv an der Erschließung weiterer Märkte.

Peloton will weiter wachsen - Kooperationen mit adidas und DFB

Für das mit Juli angelaufene Geschäftsjahr prognostiziert Peloton nun einen Umsatz von 3,5 bis 3,65 Milliarden US-Dollar. Auch viel mehr Kunden will Peloton erreichen. Bis Mitte 2021 sollen es 2,1 Millionen werden. Dafür expandiert der Heimtrainer-Anbieter unter anderem nach Großbritannien und nach Deutschland, zukünftig sollen noch mehr Regionen erschlossen werden. Hierzulande wurden bereits Werbekampagnen gestartet und Peloton konnte sich hochkarätige Kooperationen sichern: Partner sind nun DAX-Konzern adidas und der Deutsche Fußball Verbund.

Mitte September teilte adidas mit, eine Zusammenarbeit mit Peloton vereinbart zu haben. "Wir werden Kleidung für Peloton entwickeln," erklärte der Konzern-Chef Kasper Rorsted gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Bald können Peloton-Indoor-Biker also auch passende Sportkleidung auf ihren Heimtrainern tragen. Doch welche Produkte genau auf den Markt kommen sollen, ist nach aktuellen Stand noch nicht bekannt.

Mit dem DFB hat Peloton einen weiteren starken Partner aus der deutsche Sportszene an der Seite. Wie der Deutsche Fußball Bund mitteilte, ist die neue Kooperation auf zwei Jahre angesetzt. Ziel sei, dass Männer-, Frauen, und U 21-Nationalmannschaften von Fitnessinnovationen profitierten. So soll das "Peloton-Bike" in Zukunft seinen Einsatz "im Rahmen der Belastungssteuerung und des Fitnesstrainings" finden, heißt es seitens des DFBs. Für die Nationalspieler/innen bestehe außerdem die Möglichkeit, sich virtuell untereinander zu vergleichen.

Peloton platziert sich in Fußballnation Deutschland

Doch nicht nur die Gerätenutzung ist Bestandteil der Zusammenarbeit: Die DFB-Akademie und Peloton wollen auch an "fußballspezifischen Technologiethemen und weiteren innovativen Trainingsansätzen" arbeiten. Oliver Bierhoff, Direktor der Nationalmannschaft und der Akademie, wird in der Mitteilung folgendermaßen wiedergegeben: "Wir freuen uns sehr und sind stolz, mit Peloton ein internationales, dynamisch wachsendes Unternehmen als Partner für unsere DFB-Akademie gewonnen zu haben."

Da gerade Fußball eines der deutschen Sportthemen ist, hat sich Peloton einen wichtigen Markteinstieg gesichert. Interessant dürfte hier werden, welche auf die Sportart angepassten Innovationen durch die Kooperation entwickelt werden. So oder so dürfte Peloton durch die beiden etablierten deutschen Marken hierzulande ein Start mit ausreichend Aufmerksamkeit gelingen.

"Ein Cardio-Erlebnis, das dich nicht mehr loslässt" - so bewirbt Peloton sein Konzept nun auf seiner deutschen Seite. Doch das hat seinen Preis: Die Kosten für das Bike belaufen sich hierzulande auf 2.145 Euro (Stand September 2020). Für die Peloton-Mitgliedschaft, die den Zugriff auf die Kurse in den Mediatheken ermöglicht, müssen Kunden 55 Euro monatlich bezahlen. Es werden aber auch verschiedene Sets mit dem neuen Bike+ angeboten, die weitere Sportutensilien und das Abo für eine monatliche Rate beinhalten. Das markeneigenen Laufband ist bisher nur in den USA und in Kanada erhältlich. Und besonders hier sieht der Peloton-Konzernchef noch viel mehr Potenzial.

100 Millionen Peloton-Abonnenten - ist das möglich?

Der Fitnesskonzern hat scheinbar noch viel Größeres vor. In einem Gespräch mit dem US-Sender CNBC gab Peloton-CEO John Foley die in Zukunft avisierte Kundenzahl preis: "100 Millionen Abonnenten, das halten wir für ein vernünftiges Ziel." Einerseits könnte natürlich die bereits angerollte Expansion dieses Ziel verwirklichen. Um aber auch in anderen Ländern Sportgeräte und -programm unter die Kunden bringen zu können, wolle Peloton weitere Trainer einstellen und Kurse in anderen Sprachen ermöglichen. Doch andererseits liegt viel Hoffnung auf dem Heimatmarkt.

Denn dort, in den USA, will Peloton CNBC zufolge deutlich wachsen. Laut Foley gebe es allein in den USA 35 Millionen Haushalte, die über ein Laufband verfügten, dieses aber wegen des fehlenden Spaßfaktors nicht nutzten. Er glaubt deshalb, dass das konzerneigene Konzept in den kommenden Jahren Millionen US-Haushalte anziehen könnte. Hoffnung liege aktuell auf dem jüngst auf den Markt gebrachten Bike+, das über einen drehbaren Bildschirm verfügt, mit der Apple Watch verbunden werden kann und Trainings für den Boden umfasst. Doch das war noch nicht alles: Im Gespräch mit CNBC verriet der CEO: "Bitte vertrauen Sie mir, wenn ich sage, dass wir viel mehr Innovationen haben ... viel mehr coole Sachen." Ein Teil der Zukunftsstrategie ist auch die digitale Weiterentwicklung, dazu zählt die Zusammenarbeit mit großen Technologiefirmen. Aktuell sind das beispielsweise Roku, Amazon und Apple, wo die Fitness-Inhalte abgespielt werden können.

Parallel dazu sei ein Ziel, die High-Tech-Fahrräder und Laufbänder einem größeren Kundenstamm zugänglich zu machen, indem auch erschwinglichere Preisversionen erhältlich sind. Aktuell ist das in Form des Erstproduktes und der neuen Bike+-Version möglich. Für die Zukunft erwäge das Unternehmen außerdem, die Indoor-Bikes zu vermieten und gebrauchte Produkte zu verkaufen.

Peloton blickt auf starkes erstes Börsenjahr

Anfängliche Skepsis zum Zeitpunkt des IPOs verflog schnell, die Aktie ist gefragt und die Bilanz im vierten Quartal war erfreulich. Das junge Börsenunternehmen Peloton hat sein erstes Börsenjahr erfolgreich abgeschlossen. Dass gerade die Pandemie dem Fitnessanbieter solch eine fulminante Entwicklung ermöglichte, hat zwar einen morbiden Beigeschmack, allerdings ist das im Corona-Umfeld nichts ungewöhnliches gewesen. Wichtig dürfte vor diesem Hintergrund aber auch sein, ob Peloton die durch die Stay-at-Home-Mentalität gewonnenen Kunden halten und darüber hinaus erweitern kann, wenn die Pandemie vollständig überstanden ist. Zu erwähnen ist auch, dass Pelotons Fitness-Programme jüngst Konkurrenz erhalten haben: Apple gab auf seiner Keynote sein eigenes Fitnessangebot Fitness+ bekannt. Der New Yorker Konzern wird sich also noch einiges einfallen lassen müssen, um seine Position zu halten und weiter zu stärken.

Theresa Holz / Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Peloton

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