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HHLA-Aktie gewinnt 49 Prozent: Stadt Hamburg gewinnt Reederei MSC als Investor für Hafenbetreiber HHLA - Kühne prüft Gegenangebot

13.09.23 17:58 Uhr

HHLA-Aktie gewinnt 49 Prozent: Stadt Hamburg gewinnt Reederei MSC als Investor für Hafenbetreiber HHLA - Kühne prüft Gegenangebot | finanzen.net

Die Stadt Hamburg holt die Reederei MSC bei ihrer börsennotierten Hafengesellschaft ins Boot.

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Wie die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) mitteilte, hat die Mediterranean Shipping Company (MSC) mit Sitz in der Schweiz angekündigt, der HHLA ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. In einer Vereinbarung mit der Freien und Hansestadt Hamburg wurde zudem festgelegt, dass die Stadt letztlich 50,1 Prozent an dem Unternehmen halten wird, MSC werde auf 49,9 Prozent kommen.

MSC bietet 16,75 Euro je HHLA-Aktie (Schlusskurs Dienstag 11,54 Euro). Die HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH, eine Tochtergesellschaft der Stadt Hamburg, wird die von ihr gehaltenen Aktien nach Vollzug des Übernahmeangebots über eine Sachkapitalerhöhung auf die Bieterin übertragen und im Gegenzug Aktien der Bieterin kaufen. Sollte die Bieterin nach Vollzug des Übernahmeangebots weniger als 100 Prozent halten, soll sichergestellt werden, dass die Stadt Hamburg indirekt 50,1 Prozent der Aktien hält.

Kühne prüft Gegenangebot für Hamburger Hafengesellschaft

Der Milliardär Klaus-Michael Kühne kritisiert den am Morgen angekündigten Einstieg der Reederei MSC beim Hamburger Hafenbetreiber HHLA und erwägt ein Gegenangebot. "Ersten Zugriff auf eine Minderheitsbeteiligung an der HHLA hätte man natürlich einem echten Hamburger Unternehmen wie Hapag-Lloyd einräumen müssen", sagte Kühne der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er könne Hapag-Lloyd, an der er über seine Holding mit 30 Prozent beteiligt ist, "nur dringend raten, selbst und sofort ein Übernahmeangebot für 49,9 Prozent der HHLA-Aktien abzugeben. Wenn Hapag-Lloyd es nicht tun würde, erwägt meine Kühne Holding AG, es kurzfristig zu tun."

Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und der Hamburger Senat hatten am Morgen angekündigt, dass die in der Schweiz ansässige Reederei MSC mit 49,9 Prozent bei der Hafengesellschaft einsteigen wird. Die Stadt Hamburg will ihre Beteiligung auf 50,1 Prozent von jetzt knapp 69 Prozent reduzieren. Der Hafenbetreiber soll künftig als Gemeinschaftsunternehmen geführt werden.

Kühne erklärte, die geplante Lösung sei ein Affront vor allem gegenüber Hapag-Lloyd als größtem Nutzer und damit größtem Reederei-Kunden des Hamburger Hafens. Der Plan sei zudem halbherzig, weil die unternehmerische Führung der HHLA weiterhin bei der Stadt Hamburg liege. "Hafenwirtschaft = Staatswirtschaft", so Kühne. Der Milliardär hatte der Stadt Hamburg kürzlich selbst angeboten, bei HHLA einzusteigen.

Hapag-Lloyd reagiert zurückhaltend auf MSC-Einstieg bei der HHLA

Die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd hat zurückhaltend auf die Ankündigung zum Einstieg der Reederei MSC beim Hamburger Hafenlogistiker HHLA reagiert. Hapag-Lloyd nehme die Ankündigung der HHLA zur Abgabe eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots durch die MSC-Gruppe zur Kenntnis, sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Wir gehen davon aus, dass dies unsere Zusammenarbeit mit der HHLA nicht beeinträchtigen wird." MSC ist die größte Containerreederei der Welt, Hapag-Lloyd rangiert auf Platz fünf.

MSC und die Stadt Hamburg hatten zuvor eine strategische Partnerschaft angekündigt, bei der die Stadt künftig 50,1 Prozent und MSC 49,9 Prozent an der HHLA halten sollen. Bislang hält die Stadt rund 69 Prozent an der HHLA, etwa zehn Prozent entfallen nach Angaben der HHLA auf Privatanleger, 21 Prozent auf institutionelle Investoren. Hapag-Lloyd wiederum hält 25,1 Prozent am HHLA-Containerterminal Hamburg-Altenwerder.

Habeck hat vorerst keine Bedenken beim Hamburger Hafen-Deal

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat gegen die Einstiegspläne der Schweizer Grossreederei MSC beim Hamburger Hafen vorerst keine Bedenken. Die Schweiz sei in eine europäische Wirtschaftsordnung anders eingebunden als China, sagte der Grünen-Politiker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire und Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Mittwoch.

Dort müsse nicht per se geprüft werden, ob Investitionen gegen die Sicherheit und Ordnung verstoßen. "Sie können aber prüfen lassen, um ganz sicher zu gehen", sagte Habeck. Ob diese Karte letztlich gezogen werde, sei noch offen.

Die weltweit größte Containerreederei MSC will beim Hamburger Hafenlogistiker HHLA einsteigen. Der in Genf ansässige Konzern und die Hansestadt hätten einen verbindlichen Vorvertrag zur Gründung einer strategischen Partnerschaft unterzeichnet, teilten der Senat und das Unternehmen mit. Derzeit hält die Stadt Hamburg rund 69 Prozent an der börsennotierten HHLA. Diese soll künftig in einem Joint Venture geführt werden, wobei die Stadt 50,1 Prozent und MSC 49,9 Prozent der Anteile halten.

Folgen des MSC-Einstiegs bei der HHLA für Bremerhaven noch unklar

Der Einstieg der Reederei MSC beim Hamburger Hafenlogistiker HHLA sorgt in Bremen und Bremerhaven für Unsicherheit. "In der Folge der Beteiligung an der HHLA kann es zu Ladungsverlagerungen im deutschen und europäischen Containerumschlag kommen. Ob dies Auswirkungen auf die Ladungsvolumina in Bremerhaven haben wird, kann noch nicht abschließend bewertet werden", teilte das Bremer Ressort für Wirtschaft, Häfen und Transformation am Mittwoch mit.

Die weltweit größte Containerreederei MSC mit Sitz in Genf und die Stadt Hamburg unterzeichneten nach eigenen Angaben einen verbindlichen Vorvertrag zur Gründung einer strategischen Partnerschaft. Derzeit hält Hamburg rund 69 Prozent an der börsennotierten HHLA. Diese soll künftig in einem Joint Venture geführt werden, wobei die Stadt 50,1 Prozent und MSC 49,9 Prozent der Anteile halten.

In Bremerhaven ist MSC in einem Joint Venture mit Eurogate am MSC Gate Bremerhaven beteiligt. Diese 50-prozentige Beteiligung solle bestehen bleiben, versicherte MSC-Chef Soren Toft. Allerdings werde man sich künftig stärker auf Hamburg konzentrieren. Der Betreibervertrag für das MSC Garte in Bremerhaven wurde erst kürzlich bis zum Jahr 2048 verlängert. "Vor diesem Hintergrund gehen wir deutlich davon aus, dass es nicht zu einer Reduktion von MSC Geschäft am Standort Bremerhaven kommen wird", betonte das Bremer Ressort für Wirtschaft, Häfen und Transformation.

Das Bremer Hafenlogistik-Unternehmen BLG Logistics Group zeigte sich überrascht. "Wir werden uns das sehr genau ansehen und analysieren", sagte der Vorstandsvorsitzende Frank Dreeke. Die BLG-Tochtergesellschaft Eurogate und HHLA hatten vor der Corona-Pandemie Gespräche über eine Zusammenlegung ihrer norddeutschen Containerterminals in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven geführt. "Für die bremischen Häfen erwarte ich keine negativen Auswirkungen."

Die Bremer CDU-Fraktion befürchtet den Verlust weiterer Marktanteile besonders im Geschäft des internationalen Container-Umschlags. Das Land Bremen müsse eine Strategie vorlegen, wie die Infrastruktur für den Container-Umschlag an der Weser möglichst zügig modernisiert und wann die Außenweser vertieft werden soll.

So reagiert die HHLA-Aktie

Der geplante Einstieg von MSC bei HHLA und die vage Aussicht auf einen Bieterkampf um eine Beteiligung am Hafenbetreiber hat am Mittwoch bei dessen Aktien für ein Kursfeuerwerk gesorgt. Der Kurs sprang via XETRA schlussendlich um 49,05 Prozent auf 17,20 Euro nach oben angesichts der Einstiegspläne der Reederei MSC, die den Aktionären 16,75 Euro bieten will. In der Folge wurde dann nach einem Medienbericht über ein Gegengebot des Logistik-Unternehmers Klaus-Michael Kühne spekuliert.

Die HHLA-Aktien setzten damit ihren guten Lauf der vergangenen Tage fort, die bereits von Fantasie hinsichtlich des Einstiegs neuer Investoren getragen war. Ungefähr 70 Prozent haben sie binnen sechs Tagen gewonnen. Ende August stand die Aktie mit 10 Euro noch nahe ihrem Rekordtief, das mit 9,68 Euro bislang vom März 2020 zu Zeiten des Corona-Crashs stammt.

Vor einer Woche hatte Kühne, der Mehrheitseigentümer des Logistikkonzerns Kühne + Nagel International ist, bereits seine Bereitschaft zu einer größeren Beteiligung an der Hafengesellschaft signalisiert und damit für einen ersten Kurssprung gesorgt. In der Folge hatten sich die Bremer Hafenlogistik-Unternehmen BLG Logistics Group und Eurogate weiterhin offen für eine Kooperation gezeigt und nun wurde bekannt, dass es einen verbindlichen Vorvertrag zwischen der Hansestadt Hamburg und MSC gibt. Dies teilten der Senat und das Unternehmen am Mittwoch mit.

Derzeit hält Hamburg rund 69 Prozent an der börsennotierten HHLA. Diese soll künftig in einem Joint Venture geführt werden, wobei die Stadt 50,1 Prozent und MSC 49,9 Prozent der Anteile halten. Um dies zu ermöglichen, wird MSC für alle derzeit frei gehandelten Aktien ein Übernahmeangebot zum Preis von 16,75 Euro je Aktie machen. Diesen Kurs übertraf die Aktie an diesem Mittwoch mit ihrem Kurssprung über die 17-Euro-Marke. So hoch stand die Aktie letztmals im März 2022.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete inzwischen aber, dass auch Kühne noch im Rennen sein könnte um die Beteiligung. Der Unternehmer erwäge ein Gegengebot für die HHLA-Beteiligung, hieß es. Vor einer Woche hatte er die Führung des Hafenbetreibers im "Hamburger Abendblatt" scharf kritisiert und eine größere Beteiligung ins Spiel gebracht. Senatssprecher Marcel Schweitzer kommentierte damals, "dass der Senat nicht beabsichtigt, die Mehrheit der HHLA an Investoren zur Verfolgung privater Geschäftsinteressen zu verkaufen."

Der Aktienkurs der HHLA hatte nach dem Börsengang 2007 bei bis zu 68 Euro gelegen. Zuerst hinterließ damals die Finanzkrise ihre Spuren, als der Kurs Anfang 2009 schon einmal auf dem aktuellen Niveau bei 17 Euro stand. Anfang 2020 zu Zeiten der Pandemie folgte dann ein weiterer Kurseinbruch und zuletzt ging es seit Anfang 2022 für die Aktien stetig aber umfangreich bergab. Vor der Pandemie hatten Eurogate und HHLA schon einmal über eine Zusammenlegung ihrer norddeutschen Containerterminals gesprochen, die Gespräche während der Pandemie aber abgebrochen.

DJG/mgo/kla

FRANKFURT (Dow Jones)/HAMBURG (dpa-AFX)

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Bildquellen: HHLA

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