Obama versus Romney: Bob Dole zur Schlacht des Geldes
Morgen wird der nächste US-Präsident gewählt. Mehr denn je entscheidet die Größe der Kriegskasse über Sieg oder Niederlage. Wer wird der mächtigste Mann der Welt? €uro am Sonntag sprach mit dem Republikaner und langjährigen Senator Bob Dole.
Daniela Meyer, Euro am Sonntag
€uro am Sonntag: Sie haben 1996 im Präsidentschaftswahlkampf gegen Bill Clinton verloren. Woran hat es gelegen?
Bob Dole: Den Amerikanern ging es gut, sie waren zufrieden. Und wenn die Wirtschaftslage gut ist, hat man als Herausforderer kaum eine Chance, einen amtierenden Präsidenten abzulösen.
Derzeit sind die Amerikaner alles andere als glücklich.
Das stimmt, den USA geht es wirklich schlecht. Wir schulden den Chinesen Milliarden. Über acht Prozent der Menschen in den Vereinigten Staaten sind arbeitslos. Wir haben ein beträchtliches Problem mit illegaler Einwanderung. Wie es aussieht, hat Mitt Romney daher sehr gute Chancen.
Kennen Sie Romney persönlich?
Ich unterstütze seinen Wahlkampf. Vor einigen Wochen haben wir hier bei mir ein langes Gespräch geführt. Mir gefallen seine Ideen wirklich gut.
Ach ja, welche denn?
Republikaner haben schon immer daran geglaubt, dass die wichtigsten Wahlkampfthemen Steuern und Ausgaben sind. Und genau die spricht Romney an. Er wird die Steuern senken und die Wirtschaft in Schwung bringen.
Von den geplanten Steuersenkungen profitieren aber nur Reiche.
Auch ein kleiner Unternehmer, der vielleicht eine Million Dollar hat, wird besteuert wie ein Reicher. Aber er ist nicht unbedingt reich, denn das Geld steckt in seiner Firma. Er muss seine Angestellten bezahlen. Wenn er weniger Steuern zahlen muss, wird er mehr investieren und sein Unternehmen ausbauen. Und davon profitieren dann alle.
Glauben Sie, diese Idee kommt bei den Wählern an?
Ich hoffe, dass Romney den Wählern noch eindringlicher erklärt, wie er mehr Jobs schaffen und die Wirtschaft ankurbeln wird. Wofür Obama steht, wissen die Leute bereits. Romney und seine Ansichten müssen sie erst noch kennenlernen.
Als Gouverneur von Massachusetts war er sehr liberal. Jetzt zeigt er sich mit seinem Vize Paul Ryan als konservativer Hardliner. Ist das sein wahres Gesicht?
Ryan als Vize zu wählen war eine notwendige Entscheidung. Unser Land wird immer konservativer. Ich selbst stehe eher in der Mitte. Aber jetzt ist wichtig, dass wieder ein Republikaner im Weißen Haus sitzt.
Ist Romney wirklich das Beste, was die Republikaner zu bieten haben, oder eher der Einäugige unter den Blinden?
Romney hat im Gegensatz zu Obama große Erfahrung als Politiker und als Unternehmer. Das macht ihn in der Krise zur perfekten Besetzung. Natürlich kenne ich auch seine Gegner aus den republikanischen Vorwahlen, wie etwa Newt Gingrich. Sagen wir, es fiel mir leicht, mich für Romney zu entscheiden.
Wir Europäer glauben, dass in den USA jeder eine zweite Chance bekommt — selbst gescheiterte Präsidentschaftskandidaten. Stimmt das?
Romney ist bereits 2008 angetreten und in den Vorwahlen gegen John McCain gescheitert. Ihm wurde damals von der Partei gesagt, er werde noch eine Chance bekommen. So machen wir es bei den Republikanern schon lange. Ich habe 1988 bei den Vorwahlen gegen George Bush senior verloren und 1996 gegen Clinton eine zweite Chance bekommen.
Trotz Ihres Kampfgeists und Ihres Erfolgs als Senator haben Sie es aber letztlich nicht geschafft. Die Niederlage Ihres Lebens?
Es stimmt, diese Niederlage werde ich nie ganz vergessen können. Es gab Zeiten — ein paar Jahre lang ging das so —, da habe ich mich nachts im Bett hin- und hergewälzt, bevor ich wieder einschlafen konnte. Ich bin die ganze Kampagne immer wieder durchgegangen: Was habe ich falsch gemacht? Hatte ich den richtigen Vize? Ich hatte ständig das Gefühl, meinen Kopf einziehen zu müssen, denn ich hatte so viele Menschen enttäuscht. Die Wähler, die Leute, die für mich gearbeitet und gespendet hatten. Es hat lange gedauert, bis ich nicht mehr jeden Tag daran gedacht habe.
Und heute, denken Sie nach all den Jahren noch daran?
Nein, das kratzt mich überhaupt nicht mehr. Ich schlafe jede Nacht wie ein Baby. Und alle zwei Stunden wache ich auf und weine.
Heutzutage scheitern viele Kandidaten bereits, weil ihnen
das Geld ausgeht.
Geld ist ein immer wichtigerer Faktor im Rennen um das Präsidentenamt. Für denjenigen, der nicht flüssig genug ist, um im Fernsehen für sich zu werben, wird es schwer, bei den Wählern die notwendigen Stimmen zu holen.
Dieser Wahlkampf wird der teuerste der US-Geschichte. Ist das Weiße Haus „on sale“?
Als ich angetreten bin, waren die Summen viel kleiner. Bis vor Kurzem wusste ich nicht mal von den neuen Super-Pacs — so weit bin ich schon von der Politik entfernt. Ich war entsetzt, als ich gehört habe, dass sie 100 oder 150 Millionen Dollar an Spendengeldern sammeln können. Das ist zu viel, das ist gefährlich. Wenn wir dieses Problem nicht angehen, gerät es außer Kontrolle, dann steht die Demokratie zum Ausverkauf.