Vermögensverwalter-Kolumne

AI eats Software

16.02.26 09:05 Uhr

AI eats Software | finanzen.net

Die Aktienmärkte bleiben in Rekordlaune. Die Indizes halten ihre hohen Niveaus. Hinter den Kulissen tobt jedoch eine Branchenrotation: Zurückgebliebene Langweiler aus dem Konsum- und Industrie-Bereich kommen plötzlich ins Laufen. IT-Werte werden im Zuge der Quartalsberichterstattung zum Teil heftig abgestraft, wenn die Börsianer ein Haar in der Zahlensuppe vermuten. Vor allem immer größere Investitionen für Künstliche Intelligenz (KI) werden mittlerweile kritisch gesehen.

Besonders ist jedoch die Software-Branche unter die Räder gekommen, weil Bedenken aufkamen, inwieweit KI zukünftig Arbeitsplätze oder Produkte ersetzt. Bei einfachen Programmiertätigkeiten passiert das schon heute durch automatisierte Applikationen. Die neue Sorge ist, daß KI längerfristig nicht nur die Margen drückt, sondern ganze Geschäftsbereiche in Frage stellt. Und weil jeder Trend an der Börse einen plakativen Namen braucht, hat man sich nun auf "Artificial Intelligence (AI) eats Software" eingeschossen.

Wer­bung

Die Folge sind erhebliche Verluste in der Marktkapitalisierung von Softwareunternehmen. Selbst solide Firmen mit Quasi-Monopolstellung und engen Verflechtungen in der IT-Welt wie Microsoft, SAP, Oracle haben seit ihren Hochs im letzten Jahr 30 bis 50 Prozent verloren, ohne dass sich an der Wachstumsstory der Unternehmen etwas geändert hätte. Die Bewertungen waren vorher vielleicht etwas hoch, sind nun aber mindestens auf das langfristige Durchschnittsniveau zurückgefallen. Auch dafür haben Börsianer einen Namen: "Mean Reversion" - der Rücklauf zum langfristigen Durchschnitt.

Vielleicht wurden diese Bedenken aber auch nur vorgeschoben, um einen Grund zu haben, mal auf den Verkaufsknopf zu drücken. Bisher sind alle KI-Errungenschaften eher nettes Beiwerk, aber noch weit davon entfernt, komplexere Strukturen komplett zu ersetzen. Die Börse lebt von Stories, damit Geld immer wieder neu verteilt wird und provisionsträchtige Transaktionen produziert werden. Für den Langfristinvestor ergeben sich dadurch neue Einstiegschancen, denn wirklich billig werden die Klassiker im IT-Sektor nie.

von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München

Diesen und weitere Vermögensverwalter mit Ihren Meinungen und Online-Anlagestrategien finden Sie auf https://www.v-check.de/

Wer­bung


Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.