29.06.2015 13:39

Datenschutz ist nicht gleich Datensicherheit

Vermögensverwalter-Kolumne: Datenschutz ist nicht gleich Datensicherheit | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne
Folgen
Die häufigste Sorge aufgrund von Datenmissbrauch sind finanzielle Schäden, ermittelte die GfK im Jahr 2013.
Werbung
von Christine Mühlberger, Datenschutzbeauftragte der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG (kurz: MPF AG) in Wuppertal

Eine mögliche Aufweichung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) durch EU-Recht entfacht die Diskussion regelmäßig neu. Wir können dem Datenschutz gerecht werden, wenn wir ihn als respektvollen und wertschätzenden Umgang mit den individuellen Eigenarten eines Jeden verstehen.

Automatisierte Datenverarbeitung bringt viele Erleichterungen, aber auch Gefahren für die Privatsphäre jedes Einzelnen. Mit dem "Volkszählungsurteil" stärkte das Bundesverfassungsgericht schon 1983 das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Der Kundendatenschutz befindet sich daher in einem dauernden Spannungsverhältnis von wirtschaftlichen Interessen, Bankgeheimnis, Auskunftspflichten, Kundenrechten und betrieblicher Organisationsstruktur. Das BDSG schließt hier als Auffanggesetz bestehende Lücken. Nicht mehr neu sind Forderungen, Datenschutzverletzungen gleichzeitig als Verstoß gegen den Wettbewerb zu behandeln. Unternehmen könnten sich von Mitbewerbern durch Datenschutzkonformität positiv abgrenzen und ihre transparente Datenschutzorganisation zu einem Wettbewerbsvorteil machen.

Das BDSG verpflichtet Unternehmen, dem betrieblichen Datenschutz einen organisatorischen Rahmen zu geben. Er ist ein Baustein der Compliance und der Mindestanforderungen an das Risikomanagement. Im Vergleich zur Datensicherheit ist er jedoch unbestimmter. Formulierungen wie "berechtigte" oder "schutzwürdige Interessen" lassen viel Raum für eigene Überlegungen. Das BDSG hat zum Ziel, den Einzelnen vor Beeinträchtigungen seines Persönlichkeitsrechtes schützen. Es regelt zunächst die Zulässigkeit, Erforderlichkeit und Zweckbindung der Datenverarbeitung. Es verbietet die Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung mit Erlaubnisvorbehalt durch vorrangige Rechtsvorschriften, die ggf. zur Herausgabe von personenbezogenen Daten zwingen. Das erklärt, warum Deutschland kein Steuerparadies ist.

Wir dürfen personenbezogene Daten erheben, verarbeiten und verwenden, wenn sie zur Vertragserfüllung nötig sind. Wollen wir mehr, brauchen wir eine schriftliche und erkennbar auf freiem Willen basierende Einwilligung. Zweckbindung, Datensparsamkeit und Einwilligung sind wesentliche Punkte beim Umgang mit personenbezogenen Daten. Hier gibt es einen Konflikt zwischen BDSG und dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG): Es macht eine Ausnahme, wenn ein Unternehmen Daten seiner Kunden bereits zu anderen Zwecken unmittelbar bei ihnen erhoben hat.

Das bezieht sich auch auf E-Mail-Werbung. Aus Sicht des BDSG ist Kundenbindungsmanagement jedoch "heikel". Wir können nicht davon ausgehen, dass Nachrichten, die über das Vertragsverhältnis hinausgehen, erwünscht sind. Aber das BDSG ist subsidiär: Könnten wir nicht auf eine explizite Einwilligung unserer Kunden verzichten? Und Beschwerden mit einem Verweis auf § 7 UWG begegnen? Was würden Sie sich als Betroffene wünschen?

Fundamental für soziale Beziehungen ist doch der Respekt vor dem nicht geäußerten Geheimnis des Anderen: Was nicht verborgen wird, darf gewusst werden, und: was nicht offenbart wird, darf nicht gewusst werden. (G. Simmel). Wir haben es als Datennutzer in der Hand, umsichtig zu handeln und Unbefugten den Zugang zu den uns anvertrauten personenbezogenen Daten zu erschweren. Wir sollten das schützen wollen, was uns als Sozialwesen und Wirtschaftsfaktor ausmacht: neben unserem materiellen Besitz, unsere Privatsphäre und unsere persönliche Integrität.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

DAX schließt nach Rekord leichter -- US-Börsen schließen rot -- VW will bei E-Autos in China aufholen -- GameStop-CEO tritt zurück -- Schwerer Tesla-Unfall -- Coca-Cola, BMW, EVOTEC, RWE im Fokus

BaFin zeigt wohl Deutsche Bank-Aufsichtsrat wegen Wirecard-Handel an. Neues iPad-Modell bei Apple-Event erwartet. Eli Lilly Notfallzulassung entzogen. Harley-Davidson kündigt rechtliche Schritte gegen EU-Zölle an. CureVac reicht Schnell-Prüfverfahren für Impfstoff in der Schweiz ein. JPMorgan bestätigt Finanzierung der Super League. EU übt Option für 100 Millionen Impfstoffdosen von Pfizer/BioNTech aus.

Top-Rankings

iPad-Index 2020
Das kostet das iPad in verschiedenen Ländern
Die Länder mit den meisten Aktionären
Hier handeln die Menschen am liebsten
In diesen Sportarten verdient man richtig viel Geld
Mit diesen Sportarten kann man reich werden

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

DAX 30: Die Gewinner und Verlierer in Q1 2021
Welche Aktie macht das Rennen?
Die besten Wall Street Filme
Diese Streifen präsentieren die Welt des großen Geldes
Die Gehälter der Top-Politiker
Das verdienen die wichtigsten Staats- und Regierungschefs
World Happiness Report 2021
In diesen Ländern sind die Menschen am glücklichsten
Top 10: Die zehn teuersten Unternehmen in Deutschland
Das sind die zehn teuersten Unternehmen Deutschlands
mehr Top Rankings

Umfrage

Die STIKO hält Impfangebote für alle bis zum Ende des Sommers nach wie vor für realistisch. Würden Sie dieses - gleichgültig welcher Impfstoff - annehmen?

Online Brokerage über finanzen.net

finanzen.net Brokerage
Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade aus der Informationswelt von finanzen.net!

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln