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24.01.2022 09:14

Schwacher Start ins Aktienjahr 2022

Vermögensverwalter-Kolumne: Schwacher Start ins Aktienjahr 2022 | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne
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Generell gilt der Januar für die Aktienmärkte als saisonal begünstigt. Diesmal tauchen die Aktienmärkte gleich zu Jahresbeginn in negatives Territorium ein. Für den, der sich darauf flexibel einstellt, ist das kein Grund, das Börsenjahr 2022 abzuschreiben. Im Gegenteil.
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Mit dem Blick voraus in ein neues Jahr sind die Investoren gewillt, sich neu zu positionieren. Da der Erfolg vieler Anlage-Manager typischerweise am Jahresende ermittelt wird, steht für die ausgewählten Aktienpositionen am Jahresanfang ein langer Zeitraum zur Verfügung, um die erwartete Rendite zu erzielen. Darüber hinaus werden um die Jahreswende herum viele Anleihen fällig. Deren frei gewordene Liquidität muss investiert werden. Für dividendenorientierte Anleger am deutschen Aktienmarkt kommt zudem die Überlegung in Betracht, dass das erste Halbjahr als Dividendensaison gilt.

Und es gibt noch ein weiteres statistisches Phänomen des Aktienmarkts in diesem Zusammenhang: In den meisten Jahren zeigen Aktienmärkte im ersten Halbjahr eine bessere Performance als im zweiten. Auch dies ist natürlich ein Anreiz, sich gleich zu Anfang eines Kalenderjahres mit Aktienanlagen zu positionieren. Statistisch betrachtet ist der Januar ein guter Monat für Aktien. Daran gemessen ist es nicht übertrieben, mit Blick auf den Jahresanfang von einem Fehlstart der Aktienmärkte zu sprechen. Die großen Aktienindizes in den USA und Europa notierten nach einer Woche sämtlich im Minus. Was ist geschehen?

Die Geldpolitik sollte als einer der wesentlichen Faktoren für den Aktienmarkt nicht unterschätzt werden. Und doch geschieht dies immer wieder, da man irrtümlicherweise allein das Konjunkturgeschehen in den Blick nimmt. Eine restriktive Geldpolitik wird im allgemeinen eingeleitet, um die Geldwertstabilität zu sichern oder um eine Überhitzung der Konjunktur zu vermeiden, die wiederum eine mögliche Ursache für unerwünschte inflationäre Entwicklungen darstellt. In der aktuellen Lage ist die Ankündigung der US-Notenbank einer schärferen geldpolitischen Gangart nicht überraschend. Bereits im vergangenen Jahr wurde verbal auf diese Wahrscheinlichkeit hingewiesen, und die FED hat tatsächlich bereits im Herbst 2021 damit begonnen, dem Markt pro Monat weniger Liquidität zuzuführen, als dies seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 Monat für Monat der Fall war. Die letzten Verlautbarungen der FED lassen nun erkennen, dass man überrascht ist über die Hartnäckigkeit der inflationären Entwicklung - und man greift demgemäß zu schärferen Maßnahmen.

Nun sind die Amerikaner nicht für eine irrationale Angst vor Inflation bekannt. Eine Überreaktion, wie sie vielleicht einer deutschen Institution zuzutrauen wäre, kann als eher unwahrscheinlich gelten. Die letzten Zahlen hinsichtlich Inflation und Arbeitslosenquote ließen der Notenbank vermutlich keine andere Wahl, als schärfere Maßnahmen anzukündigen. Immerhin lag die Inflation der Verbraucherpreise im Dezember 2021 bei 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Arbeitslosigkeit liegt mittlerweile unter vier Prozent, was der Definition von Vollbeschäftigung entspricht. Gerade mit Blick auf diese Zahl hatte der Notenbankpräsident in der Vergangenheit immer wieder die ultra-lockere Geldpolitik gerechtfertigt, während er die bereits höheren Inflationszahlen als vorübergehend einstufte. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt führt mittlerweile zu nennenswert steigenden Löhnen, so dass die Aussicht auf eine Lohn-Preis-Spirale nicht von der Hand zu weisen ist.

Geldpolitik hat regelmäßig einen politischen Hintergrund im weiteren Sinne des Begriffs. Die laxe Geldpolitik in Europa und in den USA kann auch in Zusammenhang gebracht werden mit den erheblich gewachsenen Staatsschulden. Je niedriger die Zinsen, desto günstiger der Schuldendienst. Gleichzeitig ist eine gewisse Toleranz gegenüber höheren Inflationszahlen verständlich, wenn man die Perspektive des Schuldners einnimmt. Nun haben höhere Inflationsniveaus bekanntermaßen negative soziale Auswirkungen, indem sie den Lebensstandard der einkommensschwachen Bevölkerung mindern. Wir erinnern uns an die Maßnahmen der Biden-Administrations angesichts kräftig erhöhter Benzinpreise im vergangenen Jahr. Biden zapfte damals die strategischen Ölreserven der USA an, um das Angebot künstlich zu erhöhen. Dieses Vorgehen hat zwar keine spürbaren Auswirkungen auf den Benzinpreis gezeitigt, zeigt aber deutlich, welchen politischen Stellenwert das Thema der sozialen Absicherung für einkommensschwache Bevölkerungskreise genießt.

Somit ist klar, wieso die Inflationsbekämpfung aus politischen Gründen in den USA an Bedeutung gewonnen hat. Zwar sind niedrige Zinsniveaus angenehm für den Schuldner Staat. Vordringlich möchte man jedoch negative gesellschaftliche Rückkopplungen vermeiden, die eine sich verselbständigende Inflationsentwicklung entfalten könnte. Auch vor diesem Hintergrund ist die angekündigte Wende in der Geldpolitik der FED zu beurteilen.

Demzufolge hat die FED ihre noch bis vor kurzem in Aussicht gestellten drei Zinserhöhungen auf prospektiv vier erhöht. Sie hat darüber hinaus die Überlegung einer sogenannten Notenbankbilanzkürzung ins Spiel gebracht. Diese bedeutet nichts anderes als eine Liquiditätsverknappung für die Kapitalmärkte über Anleihegeschäfte. Ähnliches erlebten wir zuletzt im Oktober 2018 - und damals reagierten die Aktienmärkte recht unfreundlich. Damit sind wir bei dem eigentlichen Grund für die aktuelle Marktschwäche, nämlich die Befürchtung einer Verknappung der zur Verfügung gestellten Liquidität im Laufe des Jahres 2022. Die Märkte preisen diesen Vorgang aktuell ein.

Von Karl-Heinrich Mengel, Vorstandsmitglied und Chief Investment Officer der Capitell AG

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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