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20.10.2019 08:00
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Saxony Minerals & Exploration: Versorgungskritische Rohstoffe - Made in Germany

Interview: Saxony Minerals & Exploration: Versorgungskritische Rohstoffe - Made in Germany | Nachricht | finanzen.net
Interview
Die Saxony Minerals & Exploration - SME AG plant als eines der wenigen deutschen Rohstoffunternehmen die Emission ihrer ersten Unternehmensanleihe. Finanzen.net führte anlässlich dieses Vorhabens ein Interview mit Dr.-Ing. Klaus Grund, dem Vorstand der Gesellschaft.
Finanzen.net: Mit der aktuellen Anleiheemission tritt die Saxony Minerals & Exploration - SME AG am deutschen Kapitalmarkt erstmals in Erscheinung. Wären Sie so freundlich, Ihr Unternehmen in zwei oder drei Sätzen kurz vorzustellen?

Dr.-Ing. Klaus Grund: Wir sind ein Produzent versorgungskritischer Rohstoffe, wie aktuell schwerpunktmäßig Wolfram oder Fluorit, gegründet 2012 und verfügen über bestens erkundete Lagerstätten, die sich alle in Deutschland befinden. Derzeit liegt unser Fokus auf dem Ausbau unseres Bergwerks in Pöhla im Erzgebirge, wo wir über durch Gutachten nachgewiesene erhebliche abbaubare Reserven verfügen. Die Mittel aus der Unternehmensanleihe werden in die Skalierung dieses Bergwerks fließen.

In welchen Branchen werden die von der SME AG geförderten versorgungskritischen Rohstoffe besonders stark nachgefragt und wie stufen Sie deren Preisentwicklung für die kommenden Jahre ein?

In Pöhla fördern wir aktuell Roherz mit Wolfram und Fluorit. Wichtige Zielbranchen für Wolfram sind die Luft- und Raumfahrt-, High-Tech- und Automobilindustrie sowie der Bergbau. Fluorit, auch bekannt als Flussspat, ist Bestandteil vieler chemischer Prozesse und findet letztendlich Verwendung als Additiv für Konsumgüter, in der Glas- und Elektronikindustrie oder auch in Arzneimitteln. Für Wolfram sehen wir global einen sehr positiven Preisausblick, weil der stetig steigenden Nachfrage eine sehr hohe Angebotskonzentration gegenübersteht. Bei Fluorit gehen wir von einer sehr stabilen Preisentwicklung aus, vor allem weil das Anwendungsspektrum sehr breit ist.

Noch viel wichtiger ist aus unserer Sicht, dass Deutschland zu den größten Importeuren von Wolfram gehört. Über 80 % der weltweiten Wolfram-Produktion erfolgt in China, dann folgen Vietnam und Russland als wichtigste Produktionsländer. Die SME AG ist für diesen laut EU versorgungskritischen Rohstoff der einzige Produzent und Lieferant aus Deutschland.

Nach eigenen Angaben zählen Sie sich mit Blick auf die Kosten zukünftig weltweit zu den Top-25-Prozent der Welt. Wie schaffen Sie das in einem Land mit kostentreibenden Sozialstandards und Umweltvorschriften?

Richtig, wir produzieren nach höchsten Umwelt- und Sozialstandards. Und dass sich dies durch die gesamte Lieferkette hindurch nachweisen lässt, wird immer wichtiger und ist für unsere Kunden ein Wettbewerbsvorteil. Trotzdem verkaufen auch wir jede Tonne Wolfram zum genau gleichen Preis wie chinesische Anbieter. Dass wir kostenseitig sehr wettbewerbsfähig sind, liegt zum einen an unserer schlanken Unternehmensstruktur und zum anderen vor allem an der hohen Qualität unserer Lagerstätte im Erzgebirge. Denn im internationalen Vergleich ist der Anteil der nachgewiesenen Reserven am Gesamtvorkommen sehr hoch und verglichen mit anderen westlichen Wolfram-Lagerstätten verfügt Pöhla über einen deutlich höheren prozentualen Anteil ("Grade") von Wolfram im Erz. Das sind die Hauptgründe dafür, dass wir in Pöhla, aufsetzend auf der bereits vorhandenen Infrastruktur, so wettbewerbsfähig produzieren können.

Da sich das Geschäftsmodell der SME AG noch in der Pilotphase befindet und daher in den vergangenen beiden Jahre Verluste anfielen, müssen potenzielle Anleiheinvestoren eine gehörige Portion Mut und Zuversicht mitbringen. Warum sollten sie angesichts der aktuellen Konjunkturunsicherheiten dennoch "zugreifen"?

Darf ich da ein klein wenig widersprechen? Mut und Zuversicht brauchten insbesondere die Eigenkapitalgeber in den vergangenen Jahren. Jetzt liegen alle Bausteine für ein erfolgreiches Bergbauunternehmen vor: bestens erkundete Reserven, eine bereits vorhandene Infrastruktur, die nach heutigen Preisen Investitionen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich entspricht, eine funktionierende Pilot-Aufbereitungsanlage und ein bereits erfolgter Abbau - so dass wir jetzt vor allem in die Skalierung investieren müssen. Das hohe Commitment der Eigenkapitalgeber zeigt sich auch darin, dass sie - zusammen mit neuen Investoren - jetzt nochmals die Eigenkapitalbasis in Form einer Bar-Kapitalerhöhung gestärkt haben, damit wir die anstehenden Investitionen in einem guten Mix aus Fremd- und Eigenmitteln umsetzen können. Die Skalierungsphase haben wir sehr konservativ geplant. Finanzanalysten der Bank haben uns bestätigt, dass wir auch bei einer Worst-Case-Verzögerung von über 1 Jahr über genug Liquiditätspuffer verfügen, um unsere Anleihe mit einem attraktiven Zins von 7,75 % p.a. bedienen und am Laufzeitende aus dem generierten Cashflow zurückführen können.

Die neue Unternehmensanleihe kann voraussichtlich bis zum 29. Oktober gezeichnet werden. Mit welchen Konditionen ist das Wertpapier ausgestattet?

Richtig, interessierte Privatanleger können über ihre Depotbanken zeichnen, weil es uns sehr wichtig ist, auch Privatanleger über das Zeichnungstool "DirectPlace" der Deutschen Börse AG einzubinden. Institutionelle Anleger gehen über die uns begleitende BankM, die als Global Coordinator und Bookrunner fungiert. Die Unternehmensanleihe verfügt auch über mehrere Investorenschutzklauseln, wie ein Sonderkündigungsrecht der Anleihegläubiger bei Kontrollwechsel oder einer Nichteinhaltung der Ausschüttungsbeschränkung, solange kein positiver Bilanzgewinn (inkl. Verlustvorträge) vorliegt. Ebenso gibt es Kündigungsrechte für die Anleihegläubiger, wenn das Verhältnis von eingezahlten Eigenmitteln zu Netto-Gesamtmitteln unter 25 % sinkt oder das Verhältnis von Vermögen zu Verschuldung unter 300 % liegen sollte.

Wofür sollen die 30 Millionen Euro konkret verwendet werden?

Die Mittel aus der Anleihe fließen im Wesentlichen in den Ausbau des Bergwerks in Pöhla im Erzgebirge und dienen anteilig als Liquiditätsreserve. Wir werden 20 Mio. Euro investieren, um die Kapazität im Bergwerk auf jährlich 400.000 Tonnen zu erhöhen. Für die ersten beiden Jahre hinterlegen wir die Zinszahlungen bei einem Treuhänder, weil hierfür der generierte Cashflow aufgrund der Investitionsphase noch nicht ausreicht. Die weiteren Mittel dienen als Liquiditätspuffer, sollte es wider Erwarten doch zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Wir wollen hier auf der sicheren Seite sein.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr.-Ing. Grund.

Zur Person:

Dr.-Ing. Klaus Grund ist seit 2016 Vorstand der SME AG. Der promovierte Bergbau-Ingenieur war bereits bei der SDAG Wismut in leitender Funktion tätig. Das gesamte Vorstands- und Aufsichtsrats-Team der SME AG zeichnet sich dadurch aus, dass es nachweislich große Erfahrung in der Identifikation und Umsetzung strategischer Opportunitäten im Bergbaubereich und umfassende Kenntnis der geomechanischen Strukturen hat. Zusätzlich verfügen die Mitglieder über Erfahrung in der Bergbaupolitik und ein sehr gutes politisches Netzwerk.


Bildquellen: SME

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