04.05.2021 01:02

Den Wassermangel bekämpfen: Wie Anleger daran mitverdienen

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Wasser-Investments: Das nasse Element wird immer rarer. Mit innovativen Technologien versuchen Unternehmen, den Mangel zu beheben. Investoren können daran mitverdienen.
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von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Die Pandemie hat Taiwan so gut wie kein anderes Land der Erde gemeistert. Dafür steckt der Inselstaat in anderen Schwierigkeiten. Erstmals seit mehr als 50 Jahren ist im Vorjahr kein Taifun über das Land hinweggezogen. Diese Wirbelstürme füllen mit ihrem Regen normalerweise die Wasserreservoirs der Insel.

Die Folge ist, dass viele Wasserspeicher des Landes nur noch zu 15 Prozent gefüllt sind. Das hat die Regierung dazu veranlasst, Rationierungsmaßnahmen vorzubereiten sowie Bürger und Unternehmen aufzufordern, massiv Wasser zu sparen. Schon 2015 wurde wegen einer schweren Dürre die Wasserversorgung von Wohnungen stark limitiert und den Industriefirmen Beschränkungen auferlegt.

Wassermangel bedroht Chipexport

Das hat globale Auswirkungen. Denn Taiwan ist einer der größten Chip-Exporteure mit rund zehn Prozent Weltmarktanteil. Für die Herstellung eines Chips werden etwa 100 Liter Wasser benötigt. Wegen der hohen Chip-Nachfrage aus der Auto- und Unterhaltungsindustrie und angesichts der Trockenheit lassen sich einige Unternehmen das Wasser bereits mit Lkw anliefern. "Eine länger anhaltende Dürre könnte Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben", fürchtet Paul Buchwitz, Manager des DWS Invest Global Equities Fonds. Dann wäre der aktuelle Mangel an Chips in der Autobranche nur ein Vorgeschmack. Zumal Südkorea, das 15 Prozent der globalen Chips herstellt, seit einigen Jahren immer öfter unter Trockenheit leidet.

Hinzu kommt, dass bei neuen Antriebsformen wie Elektroautos oder mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen mehr Chips benötigt werden als in konventionellen Autos. Für einen Liter synthetischen Kraftstoffs, der aus grünem Wasserstoff hergestellt wird, also aus erneuerbaren Energien, müssen bis zu 70 Liter Wasser eingesetzt werden.

Die Beispiele zeigen, dass durch die Zukunftstechnologien noch erheblich mehr Wasser für die industrielle Nutzung gebraucht wird als bisher. Schon bisher war die Industrie in den entwickelten Ländern Verbraucher Nummer 1 vor Landwirtschaft und Haushalten. Weltweit benötigt jedoch die Agrarwirtschaft den Großteil der Flüssigkeit, vor allem für die Nahrungsmittelproduktion. Daher erwarten die Vereinten Nationen (UN), dass bis 2030 der Wasserbedarf den Nutzwasserbestand um 40 Prozent übersteigt.

Neben Trockenheit sind dafür auch das hohe Bevölkerungswachstum, die Klimaveränderungen und die zunehmende Verschmutzung der Gewässer verantwortlich. Extreme Wetterereignisse führen verstärkt zu Dürren, die die Wasserknappheit verschlimmern, oder zu Überschwemmungen, bei denen das Nass verunreinigt wird. Schon jetzt werden etwa vier Fünftel der globalen Abwasser nicht geklärt, vor allem in den Entwicklungsländern, was Krankheiten und Epidemien auslösen kann.

Schadhafte Infrastruktur in den USA

Die UN hat das Ziel, bis 2030 die Grundversorgung aller Menschen mit sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu erreichen. Die Kosten dafür werden auf 114 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auch bei den Pariser Klimazielen spielt sauberes Wasser sowie Abwasser eine bedeutende Rolle.

Investitionen in den Wasserschutz rücken auch bei der neuen US-Regierung mehr in den Fokus als unter Vorgänger Donald Trump. In den USA gibt es viele Regionen mit schlechter Wasserinfrastruktur. "Die Wasserleitungsnetze sind oft schadhaft und müssen repariert werden, weil durch Lecks Millionen Liter Wasser versickern", beschreibt Justin Winter, Portfoliomanager bei Impax Asset Management, die Probleme.

Um Engpässen entgegenzuwirken, ist neben der Begrenzung der Erderwärmung vor allem technologisches Know-how in den Bereichen Wassergewinnung und -speicherung, der Wasserinfrastruktur und -effizienz vonnöten. Beispiele dafür sind Lecksuche in Leitungen, moderne Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft, die den Wasserverbrauch stark senken können, sowie innovative Anlagen zur Meerwasserentsalzung. "Ganz neue Möglichkeiten schafft auch die Digitalisierung. Damit kann der Einsatz von Wasser künftig viel effizienter erfolgen", sagt Winter. Der Markt für Investitionen wird bis 2050 global auf über 500 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Firmen, die in dem Sektor tätig sind, können in den nächsten Jahren prächtig verdienen. So erzielen auf Wasser spezialisierte Private-Equity-Firmen in Australien, wo die Wasserwirtschaft vollständig privatisiert ist, Gewinnmargen von 20 bis 25 Prozent.

Schon seit mehr als zehn Jahren laufen die Aktien von Unternehmen, die in der Wasserversorgung, -reinigung, -speicherung und -infrastruktur sowie der effizienteren Nutzung der Flüssigkeit tätig sind, besser als der Aktienmarktdurchschnitt. Die Bluechips der Wasserbranche sind zudem weniger volatil als der Gesamtmarkt.

Zahlreiche kleine innovative Firmen

Jedoch sind in dem Sektor auch mittlere und kleinere Firmen vertreten, die innovative Lösungsansätze mithilfe von technologischem Know-how offerieren. Die Aktien dieser Hightech-Unternehmen schwanken stärker, haben aber auch höhere Kurschancen.

Seit dem Crash im Vorjahr haben sich globale Wasseraktien im Schnitt zwar besser geschlagen als der Weltaktienindex MSCI World, hinkten anderen nachhaltigen Sektoren aber hinterher: Solar, Wind oder Wasserstoff sind gerade en vogue. Daher eignen sich Aktien dieses Sektors vor allem als Depotergänzung für langfristig orientierte Anleger, die auf stetige Kurserträge abzielen.

Es ist ratsam, das Investment breit über zahlreiche Firmen der Branche zu streuen. Neben großen Wasserversorgern sollten auch kleinere Techfirmen mit viel Potenzial, aber auch Risiko vertreten sein. Mit ETFs und Zertifikaten (siehe Investor-Info) decken Investoren das Segment gut ab. Wer einen langen Anlagehorizont hat, dürfte mit Wasseraktien viel Freude haben und seinen Renditedurst stillen. Denn eines ist sicher - Wasser bleibt lebensnotwendig und ein wichtiges Zukunftsthema.


INVESTOR-INFO

Wasserverbrauch

Zunahme durch Fortschritt

Von 1980 bis 2000 kletterte der globale Wasserverbrauch in der Industrie nur wenig. Seitdem geht es damit kräftig nach oben. Das hat vor allem zwei Ursachen: zum einen der Aufstieg von asiatischen Ländern wie China und Indien zu Industriestaaten und zum zweiten die Entwicklung von Innovationen wie etwa Smartphones oder künstliche Intelligenz, deren Produktion viel Flüssigkeit erfordert.

Vontobel Aqua Zertifikat

Ganze Wertschöpfungskette

Das Papier enthält global 42 Firmen aus den Sektoren Wasserentnahme, -speicherung und -infrastruktur sowie effiziente Wassernutzung wie Veolia (Frankreich) oder Advanced Drainage Systems (USA). Der Schwerpunkt liegt in Nordamerika. Die Zusammensetzung wird ständig geprüft. Titel werden nach Kriterien wie Liquidität, Sektorzugehörigkeit oder Renditechancen ausgetauscht. Seit Auflage Mitte 2019 stieg das Zertifikat um 49 Prozent.

L & G Clean Water ETF

Weltweit breit aufgestellt

Der ETF des britischen Vermögensverwalters bildet den Solactive Clean Water Index ab und enthält 66 Firmen, die weltweit im Wassergeschäft technische, digitale oder Versorgerdienstleistungen bereitstellen. Ein Titel darf maximal 15 Prozent Anteil haben, halbjährlich erfolgt die Gleichgewichtung. Vorrangig wird in den USA vor Europa und Asien investiert. Top-Positionen sind die Infrastrukturfirma Atkore und Advanced Drainage Systems (beide USA). Keine Währungssicherung.









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Bildquellen: Istockphoto
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Was sind ETFs?

Exchange Traded Funds sind an der Börse gehandelte Investmentfonds. ETFs haben keine Laufzeitbegrenzung und können daher wie Aktien permanent zum aktuellen Börsenpreis gehandelt werden. Beim Kauf eines Fondsanteils wird der Anleger zum Anteilseigner der im Fonds enthaltenen Bestandteile. Zugleich beteiligt sich der Investor damit auch an der Entwicklung der im Fonds befindlichen Papiere.
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