24.10.2022 02:06

Geldanlage für Rentner: Mit Sicherheit zur Rendite im Ruhestand

Aktien im Alter: Geldanlage für Rentner: Mit Sicherheit zur Rendite im Ruhestand | Nachricht | finanzen.net
Aktien im Alter
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Dass die gesetzliche Rente bald nur noch für das Notwendigste ausreichen wird, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Aus diesem Grund sollte man sich auch im fortgeschrittenen Alter noch Gedanken über zweckmäßige Geldanlagen machen.
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Sind Aktien im hohen Alter eine schlechte Idee? Nicht zwangsläufig. Eine althergebrachte Faustregel sagt zwar, dass die Aktienquote mit steigendem Alter abnehmen sollte, empirisch betrachtet ergibt dies jedoch nur wenig Sinn. Denn Anleger, die im Laufe ihres Lebens die Aktienquote kontinuierlich erhöhen, erzielen auch im Ruhestand eine deutlich höhere Rendite als Investoren, die schon frühzeitig in volatilitäts- und renditearme Anleihen umschichten.

Erster Schritt: Bestandsaufnahme

Zuerst sollten investitionsfreudige Rentner aber eine Bestandsaufnahme durchführen, rät die Verbraucherzentrale. So sollte einerseits der eigene Bedarf ermittelt, andererseits aber auch die verfügbare Geldmenge festgelegt werden. Die Experten empfehlen, gedanklich vier Stapel anzulegen: Einlagen, Aktienverträge, Immobilienvermögen und Rohstoffinvestitionen. Damit erhalten Anleger einen Überblick darüber, in welchen Bereichen sie bereits stark aufgestellt sind und welche Vermögensklassen eventuell noch ein wenig Nachjustierung benötigen. Hier könne es sich auch lohnen, die jährlichen Kosten einzelner Positionen zu überprüfen und eventuell mit den Angeboten von anderen Anbietern zu vergleichen.

Steigende Zinsen machen Geldanlage wieder attraktiver

Viele angehende Rentner erachten das Verlustrisiko bei einem klassischen Aktien-, ETF- oder Aktienfonds-Investment als zu unkalkulierbar und fokussieren sich aus diesem Grund auf die scheinbar risikolosen Geldanlagen wie Tagesgeldkonten, Festgeldkonten, Sparbriefe oder Kapitallebensversicherungen. Diese gängigen Sparprodukte sind in Zeiten einer Nullzinsphase zwar eher Renditekiller als Renditebringer, seit die Europäische Zentralbank im Juli 2022 aber den Leitzins angehoben und damit die Zinswende eingeläutet hat, dürfte dies jedoch anders aussehen. Nach und nach bieten die Großbanken ihren Kunden wieder Tagesgeldzinsen. So kündigte etwa die deutsche Tochter der niederländischen ING-Bank Anfang Oktober 2022 an, Sparer wieder mehr belohnen zu wollen. "Wir werden als erste Großbank in Deutschland die Tagesgeldzinsen für alle zurückbringen", so Deutschland-Chef Nick Jue. Ab dem 6. Dezember 2022 will die Bank 0,3 Prozent auf Tagesgeld bezahlen. "Wir denken, dass die Zeit der Nullzinsen jetzt vorbei ist", so der Leiter. Und auch die Sparda-Bank Baden-Württemberg will für Festgeld mit einem Jahr Laufzeit nun Zinsen in Höhe von einem Prozent bezahlen.

Das Tagesgeldkonto bietet keinen Inflationsausgleich

Die steigenden Zinsen sind eine Reaktion auf die hohen Inflationsraten, die derzeit herrschen. Im September 2022 stieg der Preisdruck im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,0 Prozent, wie das Statische Bundesamt erklärte. Damit ist die Inflation in Deutschland weit vom EZB-Ziel entfernt, das bei zwei Prozent liegt. Um nun mit einer Investition einen realen Zuwachs oder zumindest einen Werterhalt zu erzielen, muss die Investitionsrendite mindestens auf Höhe der Teuerungsrate liegen - was derzeit eine Herausforderung darstellt. Denn auch wenn die Zinsen wieder steigen, bezahlen das altbewährte Sparbuch oder das Tages- und Festgeldkonto nicht einmal annähernd solche hohen Sätze und eignen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch nur bedingt als Geldanlage.

Höhere Lebenserwartung schafft neuen Anlagehorizont

Seit den 60er-Jahren hat sich die Lebenszeit der Ruheständler verdoppelt. Während die Menschen damals noch rund zehn Jahre ihr arbeitsfreies Lebens genießen konnten, sind es heute im Durchschnitt fast 20 Jahre, wie das Statistische Bundesamt informiert. Die längere Lebenserwartung erhöht damit auch den potenziellen Anlagehorizont des einzelnen Investors. Die Gewinnwahrscheinlichkeit bei der Aktienanlage steigt überproportional mit der Anlagedauer, denn es müssen selbstverständlich auch Verlustperioden einkalkuliert werden. Dementsprechend sollten sich angehende Rentner und Pensionäre nicht kategorisch vom Aktienmarkt abwenden.

Die Aktienquote muss mit dem Risikoprofil übereinstimmen

Wie ein perfektes Depot im Alter aussehen kann, ist eine individuelle Frage, die jeder Investor für sich selbst beantworten muss. Wem es schlaflose Nächte bereitet, wenn die Kurse einmal auf Tauchstation gehen und das Vermögen schwindet, sollte seine Aktienquote jedoch nicht allzu hoch ansetzen. Wer hingegen an der Renditeschraube drehen möchte, kann auch noch im fortgeschrittenen Alter ein Drittel seines Vermögens in Aktien investieren. Wie hoch die Aktienquote im Einzelfall ausfallen darf, hängt dabei immer von der individuellen Risikoneigung des Anlegers ab. "Bei allen Wünschen, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, bleibt eins am Wichtigsten: Sie müssen sich mit der Anlage wohlfühlen", rät die Verbraucherzentrale.

Faustformel für risikoaverse Investoren

Sehr konservative Anleger können ihre Anlageentscheidung natürlich auch nach der Faustformel "Aktienquote = 100 minus Lebensalter" gestalten. Das bedeutet, dass ein 65-jähriger Rentner höchstens noch 35 Prozent seines Vermögens in Aktien anlegen sollte. Bei einem beispielsweise 78-Jährigen wären es nach der Formel nur noch 22 Prozent. Diese Strategie sorgt zwar für eine relativ hohe Sicherheit im Depot, die jedoch zu Lasten der Rendite geht. "Der Weisheit letzter Schluss ist die Formel nicht", bemängelt auch Martin Weber, Professor für Bankbetriebslehre, gegenüber "FOCUS Online". "Ein Grund dafür ist, dass sie weder die Höhe des Vermögens noch die Art der Aktienanlage noch die persönliche Zielsetzung des Entscheidungsträgers berücksichtigt."

Fonds statt Einzelaktien

Ruheständler, denen die Auswahl von Einzelaktien zu mühselig und kompliziert erscheint, können problemlos in einen kostengünstigen und gut diversifizierten ETF, also einen börsengehandelten Indexfonds, investieren. Wer doch lieber auf Riester- und Lebensversicherungsprodukte setzen möchte, kann aber auch hier den Aktienanteil erhöhen.

Ein ETF für die ganze Welt

Bei einer Investition in einen ETF müssen Anleger darauf achten, dass der Fonds über viele Regionen und Branchen hinweg diversifiziert ist. Mit einem ETF auf den MSCI World und einem auf den MSCI Emerging Markets lässt sich so bereits eine breite Streuung erreichen. Anleger, die das globale Aktienuniversum in nur einem ETF abbilden möchten und einen Fokus auf dividendenstarke Unternehmen haben, können zum Beispiel auch einen ETF auf den FTSE All-World High Dividend Yield Index kaufen. Dieser ausschüttende ETF investiert in rund 1.300 Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen aus Industrie- und Schwellenländern. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von weiteren Fonds, die ein möglichst breites Investitionsfeld anbieten.

Die Investments müssen ausreichend diversifiziert werden

Damit die Volatilität des Portfolios der Risikoneigung eines Ruheständlers gerecht werden kann, sollte das Depot neben Aktien vor allem auch festverzinsliche Wertpapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen enthalten. Ein global diversifiziertes Portfolio aus Aktien und Anleihen minimiert nämlich das Gesamtrisiko des Anlegers, da die nicht miteinander korrelierenden Asset-Klassen dazu beitragen, die Volatilität des Gesamtportfolios auf ein Minimum zu reduzieren.

Wie bei Aktien empfiehlt sich auch bei Anleihen eine gute Risikodiversifikation. Investoren, die über ETFs in Anleihen investieren möchten, sollten ihr Kapital jedoch in mehrere verschiedene Fonds investieren, um eine maximale Diversifikation zu erzielen. Bei ETFs auf Staats- und Unternehmensanleihen sollten jedoch gerade Pensionäre darauf achten, dass die Bonitätsnoten der Rentenpapiere mit dem persönlichen Risikoprofil übereinstimmen. Wie überall in der Finanzwelt gilt auch bei Anleihen: mehr Rendite, mehr Risiko.

Mietertrag statt Zins und Dividende

Neben festverzinslichen Wertpapieren und Aktien können für Senioren auch Immobilen interessant sein. Für den Kauf einer Immobilie muss jedoch eine weitaus größere Summe an Kapital zur Verfügung gestellt werden als bei einer Investition in Unternehmensbeteiligungen. Allerdings bietet eine vermietete Immobile eine gute Chance für regelmäßige Kapitalerträge. Ob man sich im hohen Alter jedoch noch mit möglicherweise schwierigen Mietern herumärgern möchte, muss man für sich selbst abwägen.

Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Yuri Arcurs / Shutterstock.com, Monkey Business Images / Shutterstock.com

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