24.11.2022 10:36

Alles halb so schlimm

Christian Scheid-Kolumne: Alles halb so schlimm | Nachricht | finanzen.net
Christian Scheid
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Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne bleibt trotz der geplanten Gewinnabschöpfung voraussichtlich rentabel. Für das Ansehen der Branche könnten sich die Pläne sogar als Gewinn erweisen.
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Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung der Unternehmensberatung Aurora Energy Research. Die Autoren gehen davon aus, dass die Kappungsgrenze für frei finanzierte Anlagen bei 138 Euro pro Megawattstunde (MWh) eingezogen wird. Mehreinnahmen der Betreiber würden zu 90 Prozent abgeschöpft. Damit würden die Betreiber der Anlagen kurzfristig zwar erhebliche Einnahmen verlieren, angesichts der zeitlichen Befristung seien die Auswirkungen dieser Obergrenze auf die Wirtschaftlichkeit aber "überschaubar" und die meisten Anlagen blieben profitabel. Die Einbußen beliefen sich auf 32 bis 55 Prozent der Einnahmen, wobei subventionierte Anlagen wegen der schärferen Obergrenzen wesentlich stärker betroffen seien als nicht subventionierte und Photovoltaik mehr als Windkraft. "Auf die langfristige Wirtschaftlichkeit der Anlagen, ob subventioniert oder nicht, hat das kaum Auswirkungen", sagt Lars Jerrentrup, einer der Autoren der Studie. Für die Atom- und Braunkohlekraftwerke hätte die Gewinnabschöpfung ebenfalls nur moderate Folgen: "Viele dieser Kraftwerke können überhaupt nur deshalb mehr Einnahmen generieren, weil ihre Laufzeiten politisch gewollt verlängert wurden." Die Zusatzgewinne der Betreiber würden durch die Abschöpfung lediglich begrenzt.

Angesichts dessen könnte die RWE-Aktie wieder verstärkt in den Fokus der Anleger rücken. Schon in den vergangenen Tagen haben die Papiere des Stromproduzenten, der zunehmend auf die Energiequellen Wind und Sonne setzt, wieder nach oben gedreht. Die Regelungen bezüglich der britischen Übergewinnsteuern für Produzenten Erneuerbarer Energie seien für RWE günstiger als von ihm erwartet ausgefallen, so Analyst Mark Freshney von der Credit Suisse in einer Studie. Der Experte erhöhte seine Schätzungen für das operative Ergebnis in den Jahren 2023 und 2024. Zudem wurde das Kursziel von 47 auf 49 Euro angehoben und die Einstufung auf "Outperform" belassen. Auf aktueller Kurs¬basis errechnet sich daraus ein Potenzial von fast 19 Prozent. Genau so viel ist mit einem Bonus Cap von BNP Paribas möglich. Und dazu muss die Aktie noch nicht einmal steigen. Es genügt schon, wenn der Titel bis zum Ende der Laufzeit im Dezember 2023 niemals auf oder unter 32 Euro fällt. So tief notierte die Aktie zuletzt vor einem Jahr. Daraus errechnet sich ein Risikopuffer von 22,5 Prozent (ISIN DE000PE5QPZ6).

Christian Scheid ist seit rund 18 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist tätig, davon seit circa zehn Jahren als freier Autor. Aktuell schreibt er für mehrere deutschsprachige Fachmagazine und -zeitungen in den Bereichen Aktien und Derivate, darunter Börse Online, Capital, Euro am Sonntag und Zertifikate // Austria. Per 1. Juli 2014 kehrte er zum ZertifikateJournal zurück, wo er bis Ende 2009 schon einmal tätig war und die damalige Österreich-Ausgabe des ZJ verantwortete.


Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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