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05.11.2018 14:00
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DFV: Der erste Insurtech-IPO Europas

Interview: DFV: Der erste Insurtech-IPO Europas | Nachricht | finanzen.net
Interview
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Der digitale Versicherer DFV Deutsche Familienversicherung wagt in den kommenden Tagen den Gang an die Börse. Finanzen.net führte anlässlich dieses Vorhabens ein Interview mit Dr. Stefan M. Knoll, dem Gründer und CEO des Unternehmens.
Finanzen.net: Sie bezeichnen sich selbst als erster digitaler Versicherer Deutschlands. Was sind für Sie die wichtigsten Besonderheiten bzw. Unterschiede im Vergleich zur "analogen" Konkurrenz?
Dr. Stefan M. Knoll:
Die Unterschiede sind enorm. Daher bitte ich Sie um Verständnis, wenn ich hierzu etwas weiter aushole. Denn die DFV arbeitet seit dem Jahr 2014 auf einer firmeneigene IT-Plattform, einem hochmodernen Event- und Java-basierten Bestandsführungssystem. Diese Plattform erlaubt es dem Insurtech schon heute den gesamten Geschäftsbetrieb mit einem Bestand von über 420.000 aktiven Policen mit nur 109 MitarbeiterInnen zu bewältigen. Wir haben dadurch die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktentwicklung über den Vertrieb, den Vertragsabschluss und die Verwaltung bis zur Schadensfallabwicklung komplett digitalisieren können. Während der Abschluss einer Versicherungspolice bisher ein vergleichsweise aufwändiger Prozess ist, kann ein Kunde bei uns innerhalb von Minuten Verträge abschließen, verändern oder kündigen. Dabei hat er die Wahl, ob er das wie gewohnt über die klassischen Kommunikationswege wie etwa das Telefon macht, oder ob er schnellere und effektivere Optionen nutzt, wie zum Beispiel unseren Service, den wir über Amazon Echo anbieten. All dies ist einmalig in der deutschen Assekuranz.


Welche Versicherungsleistungen haben Sie grundsätzlich im Angebot und welche Sparte leistet bei der DFV Deutsche Familienversicherung den größten Umsatz- bzw. Ergebnisbeitrag?
Wir sind vor allem auf Krankenzusatzversicherungen spezialisiert. Hier bieten wir Zahnzusatzversicherungen, stationäre und ambulante Krankenzusatzversicherungen und Pflegezusatzversicherungen an. Zusätzlich haben wir auch Krankentagegeld- und Auslandskrankenversicherungen im Portfolio. Im Bereich der Sachversicherungen vertreiben wir Hausrat, Haftpflicht, Rechtschutz- und Unfallversicherungen. Unser Kerngeschäft sind jedoch die Krankenzusatzversicherungen, welche ca. 80 % des Premiumvolumens ausmachen.


Viele Fintechs bewegen sich noch in der Verlustzone. Wie sehen die fundamentalen Kennzahlen Ihres InsurTech-Unternehmens aus?
Die DFV ist eine Erfolgsgeschichte und hat sich mit über 420.000 aktiven Policen am Markt etabliert. Mit dem Ansatz, Kunden nur einfach verständliche Versicherungspolicen zu verkaufen, die diese in kürzester Zeit unkompliziert abschließen können, bieten wir die neue Art von digitaler Versicherung an. Seit 2015 ist die DFV durchgehend profitabel. Das Jahr 2017 beendeten wir mit einem EBIT von 1,4 Mio. Euro. Die Solvency-II-Quote lag im Jahr 2017 bei 214%. Zu unserem Produktportfolio gehören Krankenzusatzversicherungen wie Ambulante-, Stationäre-, Zahn- und Pflegezusatzversicherungen, sowie Sachversicherungen Hausrat-, Haftpflicht, Rechtschutz- und Unfallversicherungen. Der Vertrieb findet mehrheitlich digital beziehungsweise online statt. 80% der Kunden generiert die Gesellschaft über die direkten Vertriebswege Online (Google, Bing, Affiliate) und DRTV-Werbung (Direct-Response-Television). 20% der Neukunden erreicht die Gesellschaft über die Vertriebswege "Kooperationen" (u.a. mit gesetzlichen Krankenkassen) und "Makler".

… und welche geschäftlichen Perspektiven können Sie potenziellen Aktionären für die kommenden Jahre in Aussicht stellen?
Im Bereich der Krankenzusatzversicherungen wollen wir zum Marktführer in Deutschland aufsteigen. Des Weiteren planen wir im Jahr 2020 den Eintritt in mindestens einen weiteren europäischen Markt. Zusätzlich planen wir unser Produktangebot zu erweitern, um so größere und andere Kundengruppen ansprechen zu können.


Wie darf man sich die normalerweise kostenintensive Beratung bei einem rein digitalen Versicherer vorstellen?
Wir ermöglichen unseren Kunden eine Produktberatung über digitale Sprachassistenten. Als erste Versicherung weltweit bietet die DFV darüber hinaus durch ihren eigenen Alexa-Skill nicht nur die Beratung, sondern auch den Versicherungsabschluss an. Für weitere Produktberatung steht ebenfalls ein KI-basierter ChatBot auf der Website der DFV zur Verfügung. Das passiert alles komplett digital und kostenneutral, ermöglicht durch unsere einfach verständlichen und mehrfach durch Stiftung Warentest ausgezeichneten Versicherungsprodukte.

Auf welche technologischen Features oder Raffinessen sind Sie hinsichtlich Ihres digitalen Dienstleistungsangebots besonders stolz?
Der gesamte Policierungsvorgang erfolgt vollautomatisch und innerhalb von durchschnittlich sechs Minuten. Danach erhält der Kunde Zugang zum DFV-Kundenportal, zur DFV-Kunden-App und der DFV-Kunden-Wallet. Über diese digitalen Kundenservices kann der Kunde seine Verträge verwalten und die Leistungs- und Schadenmeldung veranlassen. Kommt es zum Ernstfall einer Schaden- oder Leistungsmeldung arbeiten wir mit KI. Bei eingereichten Arztrechnungen ermittelt künstliche Intelligenz, um welche Inhalte es sich handelt und ordnet die Rechnung einem Vertrag zu. Sie prüft, ob die ärztliche Leistung über den abgeschlossenen Vertrag abgedeckt ist. Die Auszahlung an den Kunden erfolgt dank künstlicher Intelligenz und digitaler Wertschöpfung schnell, unkompliziert und vollautomatisch. Dank dieser KI-basierten, digitalen Befähigung liegt unser Rekord bei der Regulierung einer Zahnarztrechnung bei 45 Sekunden. Das ist wahre digitale Wertschöpfung und Skalierbarkeit.

Anleger können voraussichtlich bis zum 9. November Aktien Ihres Unternehmens zeichnen. Wie sehen die Konditionen des Börsengangs aus und wofür soll das frische Kapital konkret verwendet werden?
Der angestrebte Bruttoemissionserlös von rund 70 Millionen Euro soll vor allem für Investitionen in weiteres Wachstum, den Markteintritt in das europäische Ausland und neue Produkte verwendet werden. Konkret bedeutet das, dass wir vor allem in drei Bereiche investieren wollen: Vertrieb bzw. Neukundengewinnung, die weitere Spezifizierung von künstlicher Intelligenz innerhalb unseres IT-Systems und die weitere Digitalisierung unserer Prozesse sowie, wie bereits angesprochen, die Erweiterung unseres Produktportfolios.
Die Aktien (WKN A2NBVD) werden im Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse (Prime Standard) platziert. Anleger können DFV-Aktien noch bis zum 9. November 2018 zeichnen. Die Zeichnungsfrist endet an diesem Tag um 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit für Privatanleger und um 13 Uhr für institutionelle Investoren. Die Preisspanne liegt bei 17 bis 23 Euro je Aktie. Das Angebot umfasst 3.500.000 Aktien aus einer Kapitalerhöhung und einer Mehrzuteilungsoption, bestehend aus 525.000 Aktien aus dem Bestand zweier Hauptaktionäre ("Greenshoe-Option"). Der endgültige Angebotspreis und das Platzierungsvolumen werden im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens ermittelt und voraussichtlich am 9. November 2018 festgelegt. Bei vollständiger Platzierung der angebotenen Aktien inklusive Mehrzuteilung wird der Streubesitz nach dem Börsengang voraussichtlich bei rund 32 Prozent liegen. Alle Hauptaktionäre mit Gründer und CEO Dr. Stefan M. Knoll bleiben auch nach dem Börsengang Mehrheitsaktionäre. Für die Gesellschaft sowie deren bestehende Hauptaktionäre gilt eine Lock-up-Periode von zwölf Monaten. Die Erstnotierung an der Frankfurter Wertpapierbörse ist für den 14. November 2018 geplant.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Stefan M. Knoll.

Zur Person:
Dr. Stefan M. Knoll hat die Deutsche Familienversicherung mit eigenem Geld gegründet und innerhalb der letzten 11 Jahre von einem Versicherungs-Start-up zu einem volldigitaln Versicherungsunternehmen geformt. Der bevorstehende IPO ermöglicht dem Insurtech aus Frankfurt am Main ganz neue Wachstumsmöglichkeiten.


Bildquellen: DFV
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