28.02.2019 15:53

STS Group-Chef Becker: "Das führt 2019 zu einem erheblichen Ergebnissprung"

Interview exklusiv: STS Group-Chef Becker: "Das führt 2019 zu einem erheblichen Ergebnissprung" | Nachricht | finanzen.net
Andreas Becker, STS Group AG
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Welche Ergebnistreiber Andreas Becker ausgemacht hat, warum die neuen Emissionsstandards für Lkw das Geschäft beflügeln können und warum der anstehende Wechsel auf der CFO-Position keine Unruhe auslösen sollte, erklärt der Vorstandsvorsitzende der STS Group AG im Exklusivinterview mit Finanzen.net.
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Mit einem Umsatzwachstum von rund 29 % auf 401 Mio. Euro und einem Anstieg des bereinigten EBITDA um 67 % auf 23,7 Mio. Euro hat die STS Group AG ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2018 erfüllt. "Wir haben im Geschäftsjahr 2018 die Basis gelegt, um fortan operativ noch erfolgreicher arbeiten zu können", erklärt STS-Vorstandschef Andreas Becker im Gespräch mit Finanzen.net. Für das laufende Geschäftsjahr 2019 stellt die STS Group durch das Ausbleiben von Sondereffekten einen deutlichen Ergebnisanstieg sowohl auf unbereinigter EBITDA- als auch auf Nettobasis in Aussicht. Bis 2023 peilt Becker zudem die Umsatzmarke von 500 Mio. Euro sowie eine zweistellige EBITDA-Marge an.


Herr Becker, die STS Group hat vorläufige Zahlen für 2018, einen Ausblick für 2019 und eine Mittelfristprognose bekannt gegeben. Fangen wir mit einem Blick auf 2018 an: Wie zufrieden sind Sie mit dem operativen Abschneiden im abgelaufenen Geschäftsjahr?
Andreas Becker: Wir sind mit dem Geschäftsjahr 2018 zufrieden, konnten unsere Prognose erreichen und wichtige Projekte erfolgreich abschließen. Dazu gehören unser Börsengang und die Integration aller im Jahr 2017 akquirierten Gesellschaften. Das sind bedeutende Erfolge, die wir als STS Gruppe erreicht haben. Um die Ergebnisse in Perspektive zu setzen, muss man sie auch im Kontext des Umfelds betrachten. Dies erwies sich im Berichtszeitraum speziell für Automotive-Konzerne als besonders herausfordernd. Zudem sorgte in China der Handelsstreit mit den USA für ein Abflauen der Nachfrage.

Ergebnisseitig war das Geschäftsjahr 2018 durch hohe Sonderbelastungen geprägt. Könnten Sie diese bitte näher erläutern? In welcher Höhe erwarten Sie 2019 weitere Belastungen?
Das Geschäftsjahr 2018 war vor allem geprägt durch Integrationskosten der akquirierten Gesellschaften. Zum Beispiel mussten die ERP-Systeme integriert und eine neue Organisationsstruktur für die Gruppe als Ganzes geschaffen werden. Hinzu kommen Kosten für unseren Börsengang und die hierfür notwendige Umstellung der Rechnungslegung auf die International Financial Reporting Standards (IFRS). Insgesamt belaufen sich die Anpassungen im Geschäftsjahr 2018 auf 11,8 Mio. Euro. Dabei möchte ich ganz klar herausstreichen, dass alle Integrationsaktivitäten erfolgreich abgeschlossen werden konnten, so dass wir diesbezüglich für das bereits laufende Geschäftsjahr 2019 mit keinen Sonderbelastungen mehr rechnen. Zudem konnten wir dank der neuen Organisationsstruktur erste Synergien heben.

Sie sprechen von einem "weiterhin herausfordernden Marktumfeld". Welche Märkte bereiten Ihnen besonders Kopfzerbrechen und wie begegnen Sie diesen Herausforderungen?
Grundsätzlich ist es so, dass der gesamte Automotive Markt unter Druck geraten ist, speziell der Pkw-Bereich. Dennoch sind wir optimistisch gestimmt und sehen in den Herausforderungen vor allem Chancen. Insbesondere sehen wir uns geografisch und produktseitig breit aufgestellt und stehen grundsätzlich im Rang eines Tier-1-Systemlieferanten.

Sie peilen für das Geschäftsjahr 2019 stabile Erlöse und einen deutlichen Ergebnisanstieg sowohl auf EBITDA- als auch Nettobasis an. Wie sehen Sie sich für diese Planung aufgestellt?
Auf Basis des soliden Wachstums im Jahr 2018 und der erfolgreichen und schneller als erwartet abgeschlossenen Integration der 2017 akquirierten Unternehmen sehen wir eine gute Ausgangsbasis für das Geschäftsjahr 2019. Aufgrund der starken Marktposition erwarten wir trotz des angespannten Marktumfeldes ein Umsatzvolumen auf dem Niveau des Vorjahres. Insbesondere durch die wegfallenden Sonderbelastungen im Rahmen des Börsengangs und Integrationskosten für die bereits akquirierten Gesellschaften wird es 2019 voraussichtlich mindestens zu einer einhundertprozentigen Steigerung des berichteten EBITDAs kommen. Damit erwarten wir einen erheblichen Ergebnissprung. Zusätzlich arbeiten wir natürlich weiterhin an unseren Strukturkosten und Effizienzsteigerungen innerhalb der gesamten Gruppe. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.

Sie stehen kurz vor der Einweihung eines weiteren Werkes in China. Müssen Sie im aktuellen Marktumfeld nicht befürchten, unter Überkapazitäten im asiatischen Markt zu leiden?
Wir sind für unsere Aktivitäten im chinesischen Markt optimistisch gestimmt. Zwar ging die Nachfrage im Nutzfahrzeugbereich speziell für unseren Kernmarkt den Fernverkehr im Jahr 2018 leicht zurück und wir erwarten auch für 2019 eine leichte Reduktion, dennoch konnten wir trotz des rückläufigen Gesamtmarktes unsere Marktanteile im Jahr 2018 ausbauen. Und auch im Jahr 2019 werden wir weiterwachsen. Wenn man den chinesischen Markt betrachtet, sollte man eins nicht vergessen: China ist der größte Nutzfahrzeugmarkt der Welt. Die Perspektive für nachhaltiges Wachstum stimmt, die strengeren Emissionsstandards werden die Nachfrage nach unseren Komponenten eher beflügeln. Dies und die Eröffnung unseres dritten Werks sind gute Voraussetzungen, um unseren Marktanteil weiter auszubauen und insgesamt profitieren zu können. Vor allem unsere technische Expertise und die Qualität "Made by STS" wissen unsere Kunden sehr zu schätzen. Zusätzlich stellt die örtliche Nähe zu unseren Kunden für uns einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den vielen lokalen Anbietern im chinesischen Markt dar.

Als hilfreich könnten sich die Emissionsstandards für Lkw der EU erweisen. Bis zum Jahr 2025 soll der Ausstoß an Kohlendioxid um 15 % und bis 2030 um 30 % sinken. Welche Chancen ergeben sich aus den strengen Regulierungen für STS?
Wie erwähnt, nicht nur in Europa, sondern auch in China können uns die neuen Emissionsstandards zugutekommen. Mit unseren Leichtbaukomponenten leisten wir bereits einen erheblichen Beitrag zur Gewichtsreduktion des Fahrzeugs und damit auch zum Sparen von Kraftstoff. Durch unsere Komponenten lässt sich eine Gewichtsreduzierung von bis zu 30 % im Vergleich zu gleichwertigen Metallteilen erreichen.

Mittelfristig haben Sie sich auf Sicht von vier Jahren die Umsatzmarke von 500 Mio. Euro als Ziel gesetzt. Ist dies rein organisch zu erreichen? In welchen Märkten sehen Sie die größten Wachstumschancen?
Die Zielerreichung fußt auf organischem Wachstum, zusätzlich sehen wir weiteres Potenzial durch gezieltes anorganisches Wachstum. In den USA und China wollen wir unsere Marktanteile vor allem durch organisches Wachstum ausweiten. Das Wachstum steht aber nicht über allem, gleichzeitig wollen wir die EBITDA-Marge bis 2023 auf über 10 % steigern.

Mit einer zweistelligen EBITDA-Rendite würden Sie ins obere Drittel Ihrer Peer Group vorstoßen. Was haben Sie als die wichtigsten Ergebnistreiber identifiziert?
Wir erwarten positive Skaleneffekte auf Basis des geplanten Umsatzwachstums. Zusätzlich wollen wir unseren Produktmix margenstärker aufstellen und die Strukturkosten im europäischen Markt optimieren. Konkret handelt es sich dabei um eine stärkeren Ausbau der Standorte in Osteuropa. So sind wir in der Lage, unsere Kunden vor Ort sowie in den Nordics, also im Großraum Skandinavien, effizienter betreuen zu können. Zusätzlich versprechen wir uns positive Effekte durch unsere weiter Expansion im chinesischen Markt. Eine EBITDA-Marge von über 10 % ist unter diesen Voraussetzungen mittelfristig durchaus realistisch.

Ihr Vorstandskollege Stephan Vrublovsky wird seinen im April auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Ab dem 1. April wird der bisherige Mutares-Aufsichtsrat Dr. Ulrich Hauck die Position des CFO übernehmen. Befürchten Sie intern wie extern zusätzliche Unruhe durch diesen überraschenden Wechsel auf der Position des Finanzvorstandes?
Nein, dazu besteht auch überhaupt kein Grund. Herr Vrublovsky verlässt die STS Group auf eigenen Wunsch und im besten Einvernehmen. Wir können seine Gründe gut nachvollziehen, seinen Vertrag nicht mehr verlängern zu wollen. In den sechs Jahren, die er für die STS Group gearbeitet hat, hat er maßgeblich zum Erfolg beigetragen; von der Restrukturierung bis zum Börsengang. Nun gewinnen wir in Dr. Ulrich Hauck einen renommierten Experten im Bereich der Automobilzulieferer für die Position des CFO, der über große Erfahrung verfügt und in der Branche ein anerkannter Fachmann ist. Gemeinsam mit ihm werden wir die Entwicklung der STS Group aktiv gestalten und die Internationalisierung konsequent vorantreiben.

Natürlich müssen wir auch einen Blick auf den Aktienkurs werfen. Erstzeichner sitzen aktuell auf einem Kursverlust von 60 %. Können Sie Ihren Aktionären Hoffnung auf eine Trendwende machen?
Automobilhersteller und -zulieferer hatten es in den zurückliegenden Monaten börsenseitig nicht leicht und die STS Group wurde dabei wie einige andere Vertreter auch zu Unrecht in Sippenhaft genommen. Wir erachten die aktuelle Notiz deutlich unterhalb des fairen Wertes und haben dies u. a. auch durch Aktienkäufe von Organmitgliedern, sogenannten Directors´ Dealings, zum Ausdruck gebracht. Mit der Veröffentlichung unseres Geschäftsberichts 2018, der Prognose für 2019 sowie den mittelfristigen Ausblick bis ins Jahr 2023 wollen wir unseren Aktionären und potenziellen Investoren eine verlässliche Perspektive unseres Unternehmens aufzeigen. Wir sehen uns in einer guten Marktposition und solide aufgestellt, um nachhaltig wachsen zu können. Unser maßgebliches Ziel ist es, unsere Position als führender Systemlieferant konsequent auszubauen. Und wir sind überzeugt davon, in einem freundlicheren Umfeld die Früchte dieser Arbeit ernten zu können.

Herr Becker, vielen Dank für das Interview.

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Bildquellen: STS Group AG

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