Krieg in Nahost

Eskalation im Nahen Osten: Einbruch des Seehandels in der Straße von Hormus - Erneut Explosionen in Teheran

09.03.26 15:41 Uhr

Nahost-Eskalation:  Seehandel in der Straße von Hormus geht deutlich zurück - Teheran erneut von Explosionen erschüttert | finanzen.net

Der Krieg gegen den Iran führt zu einem drastischen Einbruch des Seehandels in der Straße von Hormus.

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Aktuelle Daten von Dun & Bradstreet zeigen, dass zwischen dem 1. und 3. März die Importbuchungen für Containertransporte um 59 Prozent einbrachen, während die Stornierungen geradezu explosionsartig um 364 Prozent anstiegen. Über den gesamten Drei-Tage-Zeitraum hinweg überstiegen die stornierten Importvolumina die neu gebuchten um 265 Prozent. Diese Störungen betreffen vielfältige Warengruppen wie Maschinen, Lebensmittel und Metalle branchenübergreifend. Hauptleidtragende sind der Großhandel sowie Transportdienstleister, wobei rund 80 Prozent der betroffenen Firmen kleine oder Kleinstunternehmen sind. Die rasante Entwicklung zwingt die Akteure zu kurzfristigen Umleitungen und Anpassungen ihrer Logistikrouten. Experten sehen dieses gekippte Verhältnis von Buchungen zu Stornierungen als zentralen Frühindikator für drohende Lieferkettenrisiken. Die Situation verdeutlicht eindringlich, wie schnell und fundamental globale Handelsströme durch geopolitische Krisen aus dem Gleichgewicht geraten können.

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Trump: Entscheidung über Kriegsende fällt in Absprache mit Netanjahu

US-Präsident Donald Trump hat erklärt, er werde jede Entscheidung darüber, wann der Krieg mit dem Iran beendet werden soll, letztendlich in Absprache mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu treffen. "Ich denke, es ist gegenseitig - ein bisschen", sagte Trump der Times of Israel in einem Telefoninterview, wie die Zeitung berichtete. "Wir haben darüber gesprochen. Ich werde zum richtigen Zeitpunkt eine Entscheidung treffen, aber alles wird berücksichtigt werden", wurde Trump zitiert. Auf die Frage, ob Israel die Angriffe auf den Iran fortsetzen könnte, selbst wenn die USA damit aufhören, antwortete Trump: "Ich glaube nicht, dass das notwendig sein wird."

Iran: USA und Israel sollten sich aus Straße von Hormus zurückziehen

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Der iranische Botschafter in China hat den USA und Israel vorgeworfen, für die Unsicherheit in der Straße von Hormus verantwortlich zu sein. Er forderte die beiden Regierungen auf, sich aus der Region zurückzuziehen. "Wenn die Welt die Sicherheit des Energietransports gewährleisten will, müssen zunächst einmal die USA und Israel diese Region verlassen", sagte der iranische Gesandte Abdolreza Rahmani Fazli zur staatlichen Nachrichtenagentur China News Service in Peking. Fazli verurteilte Washington für die seiner Meinung nach unberechtigten Angriffe auf den Iran und sagte, die USA könnten die Sicherheit der Energietransportwege in der Meerenge nur gewährleisten, indem sie sich aus dem Gebiet zurückziehen, anstatt ihre militärische Präsenz zu verstärken.

Deutschland bezieht nur wenig Öl aus der Golfregion

Deutschland importiert nur einen verhältnismäßig geringen Teil seines Rohöls aus der Golfregion. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) stammten im Jahr 2025 lediglich 6,1 Prozent der gesamten deutschen Importe aus nahöstlichen Staaten. Zwar ist dies ein leichter Anstieg gegenüber 2020 (4,4 Prozent), die direkte Abhängigkeit bleibt jedoch gering. Der mit Abstand wichtigste regionale Lieferant für die Bundesrepublik ist der Irak mit einem Anteil von 4,2 Prozent an den Gesamtimporten, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten (1,1 Prozent) und Saudi-Arabien (0,8 Prozent). Insbesondere Saudi-Arabien hat für den deutschen Markt in den vergangenen Jahrzehnten massiv an Bedeutung verloren. Staaten wie der Iran, Oman, Katar oder Kuwait lieferten 2025 gar kein Rohöl an Deutschland. Zum Vergleich: Die Europäische Union als Ganzes ist mit einem Importanteil von 13 Prozent deutlich stärker vom Nahen Osten abhängig.

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Irakische Ölproduktion sinkt auf unter ein Drittel des normalen Niveaus

Die Ölproduktion des Irak ist nach Angaben irakischer Beamter auf weniger als ein Drittel des Niveaus gesunken, das vor der US-Operation gegen den Iran produziert wurde. Die Produktion liegt nun bei rund 1,3 Millionen Barrel pro Tag, ein Rückgang gegenüber der normalen Produktion von etwa 4,3 Millionen Barrel täglich. Anfang dieser Woche begann der Irak, die Ölförderung um mehr als die Hälfte zu drosseln, nachdem nach der Schließung der Straße von Hormus Bedenken hinsichtlich der Lagerkapazitäten aufgekommen waren.

Iran ernennt Sohn von Khamenei zum neuen Obersten Führer

Nach der Ernennung von Modschtaba Chamenei zum neuen obersten Führer im Iran geht der Krieg zwischen der Islamischen Republik und Israel mit unverminderter Härte weiter. Mit Spannung wurde auf den ersten öffentlichen Auftritt des Sohns von Ajatollah Ali Chamenei gewartet, der zu Beginn des Iran-Kriegs bei einem Bombenangriff getötet wurde. Israel und auch US-Präsident Donald Trump haben dem 56-jährigen neuen Staatschef bereits gedroht, auch er sei seines Lebens nicht sicher. Aus dem Kreml in Moskau kamen dagegen Glückwünsche.

Modschtaba Chamenei wurde durch den sogenannten Expertenrat ernannt, einem Gremium aus 88 Geistlichen. Wo Chamenei politisch genau steht, ist weitgehend unklar. Er soll beste Verbindungen zu den Revolutionsgarden haben und dürfte den konfrontativen Kurs seines getöteten Vaters fortsetzen, der über Jahrzehnte gegen Israel und die USA gehetzt und jede Opposition im Land unterdrückt hat. Wann und wie sich Modschtaba Chamenei angesichts der Drohungen gegen ihn öffentlich äußern will, war unklar.

Wieder Raketeneinschläge in Israel

Mehr als eine Woche nach Kriegsbeginn gingen die Angriffe im Iran wie auch Teherans Gegenschläge weiter. Bei einem neuen iranischen Raketenangriff auf Israel wurde mindestens ein Mensch auf einer Baustelle getötet. Nach Angaben eines Krankenhauses wurden zwei weitere Menschen schwer verletzt, einer davon schwebte in Lebensgefahr. Zunächst war von zwei Toten die Rede gewesen. Es habe auch an anderen Orten im Großraum Tel Aviv Einschläge gegeben, hieß es.

Israel warf dem Iran vor, bei seinen Angriffen erneut Streumunition eingesetzt zu haben, dessen Einsatz international weitgehend geächtet ist. Streumunition überzieht große Flächen unkontrolliert mit Sprengkörpern und ist besonders für Zivilisten gefährlich.

Die iranische Hauptstadt Teheran wurde ebenfalls erneut Ziel einer Angriffswelle. Über der Metropole waren nach Angaben von Augenzeugen Kampfjets zu hören. Explosionen erschütterten die Stadt, wie Bewohner berichteten. In der Großstadt Karadsch, einem Vorort im Westen von Teheran, wurde Augenzeugen zufolge ein Regierungsquartier mit Polizeistationen, Justizgebäuden und Teilen der Stadtverwaltung bombardiert.

Angriffswelle gegen iranische Führung

Die israelische Armee teilte mit, sie habe eine großangelegte Angriffswelle gegen Infrastruktur der iranischen Führung in den Städten Teheran und Isfahan sowie im Süden des Landes begonnen. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht. Infolge der israelisch-amerikanischen Angriffe im Iran haben die Behörden seit Kriegsbeginn mindestens 1.200 Tote gemeldet.

Das israelische Militär setzte zudem seine Angriffe auf die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon fort. Seit dem Morgen waren Augenzeugenberichten zufolge mindestens 11 Angriffe in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut zu hören.

Neue Angriffe auch in Golfstaaten

Ebenso gingen die iranischen Angriffe in den Golfstaaten weiter. Katars Verteidigungsministerium teilte mit, die Luftabwehr habe mehrere Raketen abgefangen. Die Vereinigten Arabischen Emirate teilten mit, ihre Luftabwehr habe zwölf weitere Raketen abgefangen, drei seien zudem im Wasser niedergegangen. Die Emirate sind bisher besonders stark unter Beschuss. Dort wurden bisher vier Menschen bei Angriffen getötet, mehr als 110 wurden verletzt.

Vonseiten der iranischen Revolutionsgarden hieß es, es laufe bereits die 31. Welle an Raketen gegen Ziele in Israel und gegen US-Stellungen in der Region.

Rakete über Türkei abgefangen

Nach Angaben der Türkei wurde erneut eine aus dem Iran abgefeuertes Rakete von einem Nato-Abwehrsystem im türkischen Luftraum abgefangen. Einige Trümmer seien auf freies Gelände in Gaziantep im Süden nahe der Grenze zu Syrien gefallen, teilte das Verteidigungsministerium auf X mit.

Das Welternährungsprogramm (WFP) warnte unterdessen vor weitreichenden Folgen der Eskalation im Iran-Krieg für die Ernährungssicherheit in der Region und darüber hinaus. Infolge des Konflikts steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise könnten den Hunger unter besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen weiter verschärfen, teilte die UN-Organisation in einem jüngsten Bericht mit.

Ölpreis geht durch die Decke

Die Ölpreise setzten ihren Höhenflug wegen der sich verschärfenden Lage im Nahen Osten fort. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Nordsee-Sorte Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar.

Führende westliche Industriestaaten (G7) wollten einem Zeitungsbericht zufolge im Verlauf dieses Tages über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Ziel der Dringlichkeitssitzung sei es, den durch den Krieg im Nahen Osten ausgelösten rasanten Ölpreisanstieg abzufedern, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf G7-Vertreter.

Die globalen Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten stark beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus kam durch den Krieg faktisch zum Erliegen. Die Angst vor einer längeren Sperrung der Schifffahrtsstraße bleibt ein bestimmendes Thema.

Dow Jones Newswires / dpa-AFX

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