01.12.2022 11:36

Fed-Chef Powell deutet langsamere Straffung der Zinspolitik an: Im Dezember Erhöhung um 50 Basispunkte geplant

Lang erwartete Rede: Fed-Chef Powell deutet langsamere Straffung der Zinspolitik an: Im Dezember Erhöhung um 50 Basispunkte geplant | Nachricht | finanzen.net
Lang erwartete Rede
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Fed-Chef Jerome Powell hat angedeutet, dass die Zentralbank bei ihrer nächsten Sitzung im Dezember die Zinsen um 50 Basispunkte erhöhen wird.
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Sie würde damit die beispiellose Serie von vier Zinserhöhungen um 75 Basispunkte zur Bekämpfung der hohen Inflation beenden. Powell sagte in einer Rede, dass sich der überhitzte Arbeitsmarkt noch weiter abkühlen müsse, damit die Fed zuversichtlich sei, dass die Inflation dauerhaft in Richtung ihres Ziels von 2 Prozent sinken wird.

Da die Fed die Zinssätze schnell erhöht habe und es Zeit brauche, bis sich diese Schritte auf die Wirtschaft auswirkten, wäre es sinnvoll, wenn die Notenbanker die Zinserhöhungen verlangsamen würden, erklärte er in seinem für die Brookings Institution vorbereiteten Redetext. "Der Zeitpunkt für eine Verlangsamung der Zinserhöhungen könnte schon bei der Dezember-Sitzung kommen", sagte er.

Powell ging auf Anzeichen für Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung ein, darunter eine Verlangsamung in zinssensiblen Wirtschaftsbereichen wie dem Wohnungsbau und Verbesserungen in den Lieferketten. Er sagte jedoch, dass die Rückgänge bei den Warenpreisen und Mieten, die in den letzten 18 Monaten erheblich zur Inflation beigetragen haben, möglicherweise nicht ausreichten, wenn die Unternehmen ihre Neueinstellungen nicht verlangsamten.

"Der Arbeitsmarkt zeigt nur zaghafte Anzeichen für ein neues Gleichgewicht, und das Lohnwachstum bleibt deutlich über dem Niveau, das mit einer Inflation von 2 Prozent vereinbar wäre", sagte Powell. "Trotz einiger vielversprechender Entwicklungen haben wir noch einen langen Weg vor uns, um die Preisstabilität wiederherzustellen."

Powell: Fed macht langsamer, aber dafür mehr

Powell wiederholte frühere Aussagen, dass die US-Notenbanker die Zinssätze Anfang nächsten Jahres wahrscheinlich auf ein etwas höheres Niveau anheben werden, als sie in den im September veröffentlichten Projektionen erwartet hatten, in denen die meisten Währungshüter einen Anstieg ihres Leitzinses auf 4,50 bis 5,00 Prozent sahen. "Es besteht kein Zweifel, dass wir erhebliche Fortschritte gemacht haben", sagte er. "Wir haben aber noch viel vor uns."

Powells Äußerungen signalisierten weniger Vertrauen in die Prognosen, die wiederholt auf eine baldige und rasche Abschwächung des Preisdrucks hindeuteten, da sich die Inflation im Laufe dieses Jahres größtenteils "hartnäckig seitwärts bewegt" habe.

Powell nimmt Arbeitsmarkt in den Blick

Ein Teil seiner Ausführungen konzentrierte sich auf die Frage, warum der Anteil der Amerikaner, die Arbeit suchen, unter dem Niveau vor der Pandemie liegt. Die Analyse hat wichtige Auswirkungen auf die Festlegung der Zinssätze, denn wenn der Lohndruck in den kommenden Jahren stärker bleibt, könnte dies zu einer Periode größerer Volatilität bei Löhnen, Inflation und Zinssätzen führen.

Powell sagte, dass der größte Teil des Defizits auf ältere Bürger zurückzuführen sei, die vorzeitig in den Ruhestand gingen, als die Pandemie die USA im März 2020 traf, sowie auf ein langsameres Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, was auf eine geringere legale Einwanderung und einen Anstieg der Todesfälle während der Pandemie zurückzuführen sein könnte.

Maßnahmen zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung lägen nicht in der Hand der Fed und könnten nicht schnell genug greifen, um die derzeitige Inflation zu bekämpfen, sagte Powell. Das Ergebnis ist, dass die Fed-Politik versuchen wird, die Inflation und das Lohnwachstum zu bremsen, indem sie die Nachfrage nach Arbeitskräften reduziert, ein Thema, das Powell vorsichtig ansprach. "Auf kurze Sicht wird eine Mäßigung des Wachstums der Arbeitsnachfrage erforderlich sein, um das Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt wiederherzustellen", sagte Powell.

Von Nick Timiraos

WASHINGTON (Dow Jones)

Bildquellen: Alex Wong/Getty Images, fstockfoto / Shutterstock.com
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