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09.06.2019 16:53
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Das waren die größten Übernahmen der DAX-Konzerne in den vergangenen 15 Jahren

Mega-Deals: Das waren die größten Übernahmen der DAX-Konzerne in den vergangenen 15 Jahren | Nachricht | finanzen.net
Mega-Deals
Durch Firmenakquisitionen erhoffen sich große Konzerne Synergieeffekte, Wettbewerbsvorteile und den Zugang zu neuen Märkten bzw. neuen Kunden. Für diese strategischen Übernahmen greifen auch deutsche Unternehmen öfter mal tief in die Tasche.
Mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto stemmte der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer die größte Akquisition, die ein deutsches Unternehmen jemals im Ausland getätigt hat. Mit einem Kaufpreis von rund 63 Milliarden US-Dollar zahlte der Aspirin-Konzern zwar einen gewaltigen Aufschlag auf den damaligen Börsenwert des ehemaligen US-Konkurrenten, bewerkstelligte damit aber die spektakulärste Übernahme der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Bayer ist nun günstiger als Monsanto

Mit einer gegenwärtigen Marktkapitalisierung von rund 50 Milliarden Euro ist Bayer zusammen mit Monsanto nun jedoch weniger Wert als der im Jahr 2016 gezahlte Kaufpreis für das ganze US-Unternehmen. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass eine Unternehmenskauf nicht nur strategische Wettbewerbsvorteile bringt, sondern auch erhebliche Risiken birgt. So leidet nun das deutsche Traditionsunternehmen unter den zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, welche im Wesentlichen nur das akquirierte US-Unternehmen betreffen.

Der weiße Ritter im Übernahmepoker

Im Gegensatz zu dem Monsanto-Deal erwies sich die Übernahme der Berliner Schering AG als wahres Kinderspiel für Bayer. Als im März 2006 der ebenfalls deutsche Pharmakonzern Merck KGaA den Versuch unternahmen, die Schering AG zu schlucken, beteiligten sich auch die Leverkusener am Übernahmepoker. Mit einem Preis, welcher knapp 40 Prozent über dem feindlichen Übernahmeangebot der Merck KGaA lag, gelang es Bayer schließlich jedoch die Schering AG komplett zu übernehmen. Mit einem Kaufpreis in Höhe von 17 Milliarden Euro war diese Akquisitionen im Gegensatz zu Monsanto jedoch ein echtes Schnäppchen.

Infineon-Aktie: Cypress-Deal stößt auf Unverständnis

Nicht nur das Management von Bayer sorgte zuletzt für Aufregung unter seinen Aktionären, auch der bayrische Halbleiterproduzent Infineon sorgte nun für Furore. Denn die ehemalige Siemens-Tochtergesellschaft gab kürzlich bekannt, dass sie den US-Konkurrenten Cypress Semiconductor übernehmen möchte.

"Es ist ein stolzer Preis, da ist kein Zweifel"

Aus strategischer Sicht stellt die Firma aus dem Silicon Valley eine wunderbare Ergänzung für das Halbleitergeschäft von Infineon da, jedoch erachten die Anteilseigner des größten deutschen Chipherstellers den Kaufpreis als zu teuer. Denn mit insgesamt neun Milliarden US-Dollar oder 23,85 US-Dollar je Aktie bietet Infineon den Aktionären von Cypress einen Kaufpreis an, welcher über 45 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 30 Handelstage lag.

"Es ist ein stolzer Preis, da ist kein Zweifel", räumt unterdessen auch der Infineon-CEO Reinhard Ploss ein. Dennoch glaubt der Manager, im Gegensatz zu vielen Analysten und Aktionären, dass sich dieser Schritt langfristig auszahlen wird. "Die geplante Übernahme von Cypress ist ein großer und richtungsweisender Schritt bei der strategischen Weiterentwicklung von Infineon", so Ploss zu seiner Verteidigung weiter. Nach der Verkündung dieses Übernahmeangebots stürzten die Infineon-Papiere auf ein Mehrjahrestief und notieren nun über 40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Der Goodwill kommt Firmenkäufern oft teuer zu stehen

Dass die Meinungen zum Kaufpreis bei Firmenübernahmen zwischen dem Management und den Aktionären oft divergent sind, liegt daran, dass die Firmenkäufer häufig einen Betrag bezahlen, welcher die zukünftigen Ertragserwartungen berücksichtigt und weit über den Wert der materiellen und immateriellen Vermögensgegenstände hinausgeht. Dieser sogenannte Goodwill setzt sich dementsprechend aus dem Kaufpreis und dem aktuellen Substanzwert des Unternehmens zusammen. Ist das Management eines Konzerns bereit, einen hohen Goodwill zu bezahlen, kann man davon ausgehen, dass die kalkulierten Synergieeffekte durch die Übernahme diesen Preis rechtfertigen.

Pharmabranche im Akquisitionsfieber

Auch wenn der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern im Jahr 2006 kein Glück mit der Übernahme der Schering AG hatte, gelang im Jahr 2014 doch die Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich. Die Merck KGaA kostete diese Akquisition rund 16 Milliarden US-Dollar. Im selben Jahr übernahm auch Bayer das Geschäft mit Gesundheitsprodukten und rezeptfreien Medikamenten vom US-Pharmariesen Merck & Co. Die Leverkusener ließen sich dieses lukrative Marktsegment damals insgesamt rund 14 Milliarden US-Dollar kosten.

E.ON auf Einkaufstour

Große Übernahmen ereigneten sich in der deutschen Wirtschaftsgeschichte jedoch nicht nur in der Pharmabranche, sondern auch in der Energiewirtschaft. So vergrößerte sich der Essener Energiekonzern E.ON in der Vergangenheit schon des öfteren durch gezielte Akquisitionen. So kaufte E.ON im Jahr 2008 für insgesamt 13,3 Milliarden US-Dollar mehrere Beteiligungen von der spanischen Endesa und der italienischen Enel auf.

Am 11. März 2018 wurde dann bekannt, dass sich E.ON auch die Mehrheit an der RWE-Ökostromtochter innogy sichern wollte. Mit einem Übernahmepreis von 40 Euro je Aktie bot E.ON RWE einen Kaufpreis, welcher rund 30 Prozent über dem letzten, von Übernahmespekulationen unbeeinflussten, Aktienkurs lag. "Wir bieten den innogy-Aktionären eine attraktive Prämie und damit die Chance, an der Wertschöpfung der Transaktion zu partizipieren. Die Transaktion wird die Profitabilität E.ONs stärken und das Potenzial für künftiges Wachstum erheblich steigern", so der Finanzvorstand von E.ON in Bezug auf den hohen Goodwill. E.ON lässt sich die Ökostromsparte von RWE insgesamt knapp 25 Milliarden Euro kosten.

Linde vs. Air Liquide

Zum vorzeitigen Weltmarktführer im Bereich der Industriegase stieg im Jahr 2006 auch die damalige Linde AG auf. Der Gasespezialist übernahm den britischen Konkurrenten BOC für über 15 Milliarden US-Dollar. Durch die Fusion zwischen der deutschen Linde AG und der US-amerikanischen Praxair im Jahr 2018, ist die nun in Dublin beheimatete Firma Linde PLC wieder Weltmarktführer und konnte so den französischen Erzfeind Air Liquide ein weiteres Mal übertrumpfen.

Durch Übernahme zum Marktführer

Auch die bis dahin größte Übernahme in der Bauindustrie vollzog sich in Deutschland. Im Jahr 2007 kaufte der Baustoffkonzern HeidelbergCement den britischen Zuschlagsstoffproduzenten Hanson. Durch die Übernahme wurde der Heidelberger Konzern die weltweite Nummer eins bei den Zuschlagstoffen, Nummer zwei bei Zement und Nummer drei bei Transportbeton.

Nummer eins um jeden Preis?

Der Blick in die Wirtschaftshistorie zeigt, dass die deutschen Konzerne durch ihre Übernahmen im In- und Ausland häufig versuchen, die weltweite Marktführerschaft in ihrem Segment zu erreichen. Um eine derartig lukrative Stellung einzunehmen, sehen jedoch viele Führungskräfte über die Interessen der eigenen Aktionäre und der Einschätzungen von Experten hinweg, was im Nachgang sehr problematische und sogar existenzbedrohende Folgen haben kann.

Pierre Bonnet / finanzen.net

Bildquellen: Creativa / Shutterstock.com, Dragon Images / Shutterstock
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Nachrichten zu Infineon AG

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Von einer guten Stimmung für die Halbleiterbranche haben am Montag auch die Aktien von Infineon profitiert.
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18.07.19

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08.07.2019Infineon buyDeutsche Bank AG
03.07.2019Infineon buyUBS AG
28.06.2019Infineon kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
20.06.2019Infineon OutperformBernstein Research
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