OTS: Atradius Kreditversicherung / In der Bauindustrie macht sich ...

28.01.26 10:02 Uhr

In der Bauindustrie macht sich Ernüchterung breit

Köln (ots) -

- Sondervermögen kommt nicht in der Branche an

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- Atradius: Erhöhtes Insolvenzgeschehen zu verzeichnen

- Fachkräftemangel, Bürokratie und Preissteigerungen belasten

Das milliardenschwere Sondervermögen der Bundesregierung ist bislang nicht in

der Bauwirtschaft angekommen. Zwischen Januar und Oktober 2025 lag die Zahl der

Insolvenzen im Baugewerbe mit 3.174 um 9,3 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

"Im Bau macht sich durch die Bank hinweg Ernüchterung breit", sagt Frank

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Liebold, Country Manager Deutschland beim internationalen Kreditversicherer

Atradius. In diesem Jahr könnte sich die Situation jedoch leicht entspannen und

verbessern.

Nach einer relativ ruhigen Phase in den Jahren 2020 und 2021 geriet die

Baubranche in den vergangenen Jahren erheblich unter Druck. "Auch wenn es so

scheint, als sei der Höhepunkt der Krise erreicht, sehen für die letzten fünf

Jahren nahezu eine Verdoppelung der Nichtzahlungsmeldungen", sagt Frank Liebold

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und ergänzt: "Die Zahlungsmoral ist aktuell angespannt und wir verzeichnen ein

erhöhtes Insolvenzgeschehen." Problematisch sind aus seiner Sicht nach wie vor

die komplexen Genehmigungsprozesse und bürokratischen Hürden, die nach wie vor

für Verzögerungen sorgen, die gestiegenen Preise für Baumaterialien sowie der

anhaltende Fachkräftemangel.

Am herausforderndsten scheint die Lage nach wie vor im Wohnungsbau zu sein. Das

Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr wurde bislang Jahr für Jahr verfehlt. So

dürften im vergangenen Jahr nur rund 220.000 Wohnungen fertiggestellt worden

sein. "Bedarf und Realität laufen in diesem Bereich weit auseinander", so Frank

Liebold weiter. Denn: Nach aktuellen Schätzungen werden in Deutschland bis zum

Jahr 2027/28 rund 800.000 weitere Wohnungen benötigt. Immerhin: Nach Angaben des

Hauptverbands der deutschen Bauindustrie wurden von Januar bis November 2025

insgesamt 215.500 Wohnungen (Neu- und Umbau in Wohn- und Nichtwohngebäuden)

genehmigt - ein Plus von 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das

ist nach Ansicht mancher Top-Manager der Branche allerdings nur ein geringer

Trost. So sagte etwa Peter Hübner, Vorstand von Strabag: "2025 ist ein

verschenktes Jahr, definitiv!"

Nicht minder herausfordernd ist die Situation bei Gewerbeimmobilien. Seit der

Corona-Pandemie habe sich der Bedarf nach Büroflächen reduziert. "Den

Home-Office-Geist bekommt man nicht mehr in die Flasche zurück", sagt Frank

Liebold.

Hoffnung ruht auf Erholung in diesem Jahr

Es ist davon auszugehen, dass die durch das Sondervermögen geschaffenen

finanziellen Spielräume erst nach und nach wirksam werden. Bislang spiegelten

sich die Impulse weder in den Auftragsbüchern des Baugewerbes noch in aktuellen

Branchenumfragen wider. Hinzu kommt, dass bestehende Auftragsüberhänge erst

abgearbeitet werden müssen, bevor neue Maßnahmen greifen. Für das Jahr 2026

rechnen die Experten von Oxford Economics mit einem moderaten Anstieg der

Bauleistung um 1,4 %, wobei die Wachstumskurve mittelfristig steiler verlaufen

dürfte.

Wohnungsbau stabilisiert, Tiefbau profitiert

Nach einem deutlichen Minus von 4,3 Prozent im Jahr 2025 wird im Wohnungsbau für

dieses Jahr laut Oxford Economics ein leichtes Plus von 1,1 Prozent erwartet.

Positiv zu werten ist wie erwähnt der Anstieg der Baugenehmigungen im Jahr 2025

von 11,3 Prozent. Zusammen mit den Auswirkungen der geldpolitischen Lockerungen

deutet dies darauf hin, dass die Talsohle bei den Investitionen erreicht ist.

"Damit scheint der Weg für eine Stabilisierung in diesem Jahr geebnet und ein

robusteres Wachstum künftig möglich", erklärt Frank Liebold.

Laut Oxford Economics werden sowohl der Tiefbau als auch der Nichtwohnungsbau

durch das Konjunkturpaket gestützt. Der Arbeitskräftemangel bleibt jedoch ein

erhebliches Hindernis für die Fähigkeit des Sektors, seine Auftragsbestände

abzuarbeiten, und das Problem dürfte sich noch verschärfen, wenn die

zusätzlichen, durch das Konjunkturpaket finanzierten Aufträge in die Pipeline

kommen. Die Nichtwohnungsbauaktivitäten werden 2026 voraussichtlich um 2,4

Prozent zunehmen, während der Tiefbau um 1,2 Prozent wachsen wird. Letzterer

dürfte durch den hohen Sanierungsbedarf der deutschen Infrastruktur langfristig

am stärksten zulegen. So müssen nach Schätzungen etwa 4.000 Brücken kurz- und

mittelfristig saniert werden. Frank Liebold: "Für eine Industrienation wie

Deutschland ist eine intakte Infrastruktur überlebenswichtig. Hier muss dringend

investiert werden." Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass sich

dieser Sektor des Baugewerbes gut entwickeln werde.

Fachkräftemangel und Bürokratie als Bremsklötze

Trotz dieser vergleichsweisen positiven Aussichten gilt es aus Sicht von

Atradius weiterhin, dass bestehende Hürden beseitigt werden. Eine

Herausforderung ist sicherlich der anhaltende Fachkräftemangel. "Das

Sondervermögen schafft zwar das nötige finanzielle Fundament, doch der eklatante

Fachkräftemangel wirkt wie ein Flaschenhals. Ohne zusätzliche Kapazitäten wird

es schwierig, die dringend benötigten Infrastrukturprojekte und

Wohnungsbauvorhaben in der Geschwindigkeit umzusetzen, die der Markt jetzt

fordert", sagt Frank Liebold. Nicht minder problematisch sei die überbordende

Bürokratie. So muss man bei einem Tiefbauprojekt vor dem ersten Spatenstich mit

15 bis 25 Genehmigungen und Fachnachweisen rechnen. Für ein Straßenbauprojekt

kann die Zahl der erforderlichen Genehmigungsschritte und Gutachten oft bei über

30 liegen. "Wir sehen zwar das Licht am Ende des Tunnels, aber der Weg dorthin

bleibt steinig", kommentiert Frank Liebold.

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Atradius Kreditversicherung

Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y

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