Trump: Iran-Krieg "so gut wie beendet" - baldiges Ende des Konflikts möglich

Inmitten heftiger israelischer Angriffe auf den Iran hat US-Präsident Donald Trump überraschend ein baldiges Ende des Krieges ins Spiel gebracht.
"Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet. Sie haben keine Marine, keine Kommunikationssysteme, sie haben keine Luftwaffe", zitierte ihn der US-Sender CBS News nach einem Telefoninterview. Der Krieg verlaufe "weit vor dem Zeitplan". Das Hauptrisiko sei vorbei. Der US-Präsident legte sich aber nicht auf einen konkreten Zeitpunkt fest.
Die iranischen Revolutionsgarden reagierten scharf auf Trumps Äußerungen. "Wir sind diejenigen, die über das Ende des Krieges entscheiden", hieß es in einer von der Nachrichtenagentur Tasnim verbreiteten Mitteilung. "Die Bedingungen auf dem Schlachtfeld und das Ende des Krieges liegen in den Händen der Islamischen Republik."
Börsen nach Trump-Aussage zum Iran-Krieg im Plus
Die Börsen hingegen goutierten Trumps Aussagen. Japans Leitindex Nikkei 225 stand zum frühen Nachmittag (Ortszeit) bei einem Plus von etwa 2,5 Prozent. Südkoreas Leitindex Kospi erreichte parallel 4,7 Prozent über dem Vortagsschluss. In China kletterte der Hongkonger Index Hang Seng auf mehr als 1,7 Prozent, und der CSI-300-Index, der die wichtigsten Aktien in Festlandchina abbildet, überschritt knapp die Marke von 1,0 Prozent.
Auch auf dem Energiemarkt sorgte die Aussicht auf ein baldiges Kriegsende für Entspannung: Der Preis für Rohöl der Sorte Brent fiel zuletzt auf 92,83 US-Dollar pro Fass (159 Liter) - gut 27 Dollar weniger als noch in der Nacht zum Montag.
Seit Ende Februar greifen Israel und die USA immer wieder den Iran an. Nach dem Beginn der US-Offensive hatte Trump zuletzt noch gesagt, dass er von einer Kriegsdauer von vier bis fünf Wochen ausgehe. Ende vergangener Woche nannte Regierungssprecherin Karoline Leavitt dann einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen.
Israels Luftwaffe fliegt schwere Angriffe auf den Iran
Das israelische Militär teilte unterdessen mit, in zwei großen Angriffswellen militärische Ziele im Iran ins Visier genommen zu haben. In der Hauptstadt Teheran sei eine Kommandozentrale der Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden und in Isfahan eine Stätte zur Herstellung und Lagerung von Waffen getroffen worden, hieß es in einer Armeemitteilung.
Israel und die USA begründen den Krieg mit der Bedrohung durch Irans Raketen- und Atomprogramm. Irans Streitkräfte haben als Reaktion auf die Luftangriffe Ziele in mehreren Ländern der Region attackiert.
Trump warnt Iran vor Schließung der Straße von Hormus
Trump warnte den Iran davor, die weltweite Ölversorgung zu stören. Die für die Schifffahrt und die Energieversorgung wichtige Straße von Hormus zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel müsse offen bleiben, sagte der US-Präsident. Er denke darüber nach, sie zu "übernehmen". Was er damit meinte, blieb offen. Zuvor hatte er bereits angekündigt, die US-Marine könne durchfahrende Schiffe zur Not eskortieren.
Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Attacken auf den Iran und Teherans Gegenangriffen passieren kaum noch Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. In Friedenszeiten läuft täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels durch die Straße von Hormus. Der Iran weist Berichte über eine vollständige Sperrung der Straße von Hormus zurück.
Syrien meldet Beschuss durch Hisbollah
Die syrischen Streitkräfte meldeten einen Artillerieangriff der libanesischen Hisbollah-Miliz auf einen Militärstützpunkt nahe der Grenze. Die Geschosse seien unweit der Ortschaft Serghaya nordwestlich der Hauptstadt Damaskus niedergegangen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf die Militärführung. Die gestürzte Regierung von Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad war ein enger Verbündeter der proiranischen Hisbollah. Die neue Führung von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa bemüht sich, den Einfluss des Irans - einem weiteren wichtigen Verbündeten Assads - im Land zu unterbinden.
Massenkundgebungen für neuen Führer Chamenei im Iran
Im Iran haben laut staatlichen Medienberichten Hunderttausende Menschen an organisierten Solidaritätskundgebungen für den neuen Revolutionsführer Modschtaba Chamenei teilgenommen. In Teheran bekundeten Menschen demnach trotz der Gefahr von Raketenangriffe der USA und Israels dem obersten Führer ihre Treue. Aufnahmen des staatlichen Fernsehens zeigten Autokorsos sowie Menschen mit iranischen Fahnen. Laut Staatsmedien erklärten die Demonstrierenden, gemeinsam mit dem neuen Führer den Konflikt bis zum "endgültigen Sieg" fortsetzen zu wollen.
Iran: Neue Raketen auf Israel gefeuert - Sirenen heulen im Land
p> er Iran hat erneut Raketen auf Israel abgefeuert. In weiten Teilen des Landes heulten Warnsirenen, auch in der Küstenmetropole Tel Aviv. Nach Angaben des israelischen Senders N12 konnte ein Geschoss abgefangen werden. Der Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es gebe keine Berichte über Verletzte. Auch größere Schäden wurden nicht gemeldet.Die iranischen Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht, meldeten den Beginn der 34. Welle von Gegenangriffen auf US-Stellungen in der Region sowie auf Ziele in Israel. Dabei seien präzisionsgelenkte ballistische Raketen mit Gefechtsköpfen von über einer Tonne zum Einsatz gekommen, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung.
Bei der aktuellen Angriffswelle sei auch Streumunition zum Einsatz gekommen, meldete der iranische Rundfunk. Streumunition überzieht große Flächen unkontrolliert mit Sprengkörpern und ist besonders gefährlich für Zivilisten. Ihr Einsatz ist international weitgehend geächtet. Weder Iran noch Israel haben die Streumunitionskonvention unterschrieben, die ihre Verwendung untersagt.
Im Laufe des Tages gab es in Israel mehrfach Raketenalarm. Die Armee meldete wiederholt Raketenangriffe aus dem Iran. Sowohl im Norden des Landes an der Grenze zum Libanon sowie in anderen Gebieten des jüdischen Staates heulten die Sirenen. In jedem Fall war die Luftabwehr im Einsatz, um die Geschosse in der Luft abzufangen, wie die Armee auf Telegram mitteilte.
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MIAMI/TEHERAN (dpa-AFX)
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