Unternehmensabspaltungen

Starke Verzögerungen: Das bedeuten Spin-offs für Anleger

26.05.24 16:35 Uhr

Geduld ist gefragt: So bewältigen Anleger Verzögerungen bei Spin-offs | finanzen.net

Verzögerungen bei Unternehmensabspaltungen können Anleger vor Herausforderungen und ihre Geduld auf die Probe stellen. Aus diesen Gründen verzögern sich Spin-offs häufig und darum lohnt es sich für Aktionäre womöglich dennoch zu warten.

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• Abspaltungen von Unternehmensteilen aus Effizienzgründen
• Handel der Spin-off-Aktien verzögert sich häufig
• Warten lohnt sich aber meist für Aktionäre



Spin-off: Kerngeschäft und Wachstumschancen im Blick

Ein Spin-off beschreibt eine Geschäftstrennung, bei der ein Unternehmen einen Teil seiner Geschäftstätigkeit oder eine Abteilung als eigenständiges Unternehmen ausgliedert. Die Abspaltung fungiert anschließend als neue, rechtlich eigenständige Firma. Zu solchen Ausgliederungen kommt es häufig, etwa wenn Geschäftsbereiche nicht zum Kerngeschäft zählen. Außerdem steigen dadurch die Markt- und Wachstumschancen für den abgespaltenen Bereich und die Unternehmen können frisches Kapital einsammeln. Die Aktionäre des ursprünglichen Unternehmens erhalten im Rahmen des Spin-offs entweder Anteile des neuen, separierten Unternehmens - häufig auch gratis - oder haben das Recht, diese zu erwerben, bevor sie anderen Marktteilnehmern angeboten werden. Aktionäre haben somit keine finanziellen Nachteile durch die Abspaltung.

Geduld der Anleger ist gefragt

Dennoch reagieren Anleger nicht immer sonderlich erfreut, sobald das Thema Spin-off ins Spiel kommt, denn der Prozess kann sich ziemlich in die Länge ziehen. Häufig dauert es sehr lange, bis Aktien insbesondere von US-Spin-offs im deutschen Depot auftauchen und noch länger, bis sie auch gehandelt werden können. Negativ wird auch die Tatsache bewertet, dass Aktionäre ihre Anteile gegebenenfalls sogar an US-Börsen verkaufen müssen, sofern ein Konzern gar kein Listing in Deutschland anstrebt, wie die WirtschaftsWoche erinnert.

Grundsätzlich gilt, dass Aktionäre Anteile am ursprünglichen Konzern zum Zeitpunkt der Abspaltung halten müssen, um in diesem Rahmen überhaupt neue Aktien bekommen zu können. Der Transfer läuft dann eigentlich automatisch und "steuerneutral" ab, wie Aktienexperte Christian Röhl gegenüber der WirtschaftsWoche erklärt. Dennoch ist die Geduld der Anleger gefragt, denn wie schnell die Aktien letztendlich wirklich im Depot verfügbar sind, hängt neben den jeweiligen Brokern von weiteren Faktoren ab. Häufig haben die Depotbanken selbst auf viele Prozesse auch gar keinen Einfluss, vielmehr liege die Verantwortung dann bei der jeweiligen Aktiengesellschaft. Als einen der Hauptgründe für Verzögerungen hat die WirtschaftsWoche Probleme bei den Verwahrstellen ausgemacht. "Verspätete Buchungen der Verwahrstellen führen zu Verzögerungen bei der Einbuchung der Wertpapiere", wird eine Sprecherin der Deutschen Bank zitiert. Verzögerungen der Prozesse werden demnach also insbesondere durch Zwischenhändler verursacht. Wie die WirtschaftsWoche dazu außerdem erklärt, gehen Banken bei Spin-offs häufig nicht in Vorleistung - eine Einbuchung ist somit erst möglich, sobald sie die Anteile selbst von der Lagerstelle erhalten haben. Sobald die Aktie dann im Depot ist, ist sie trotzdem noch nicht zwingend auch handelbar. Denn neben der ISIN benötigt jedes Unternehmen auch eine LEI-Nummer - ohne eine solche Nummer darf keine Aktie laut EU-Vorgaben für den Handel gelistet werden. Bei später Beantragung der Nummer verzögert sich der Prozess damit weiter.

Eine Abspaltung vom Mutterkonzern kann für Aktionäre also durchaus zur Geduldsprobe werden und sie gar verärgern.

Warten zahlt sich oft aus

Anleger, die darauf keine Lust haben, können die Mutter-Aktien bereits vor der Abspaltung veräußern. Nach dem Spin-off können sie diese dann zurückkaufen.

Hierbei ist allerdings fraglich, ob diese Taktik tatsächlich so sinnvoll ist, denn in der Regel laufen Spin-offs - vor allem langfristig - recht gut, wie diverse Studien zeigen. Wie Investopedia erklärt, erstarken Spin-off-Aktien nach vorübergehenden Kursrückschlägen und bieten anschließend über Jahre hinweg eine positive Performance. So komme es häufig sogar zu einer Outperformance der Anteile. Historisch gesehen seien Abspaltungen gut für Anleger gelaufen, denn im Durchschnitt hätten sowohl die Mutter- als auch die Tochtergesellschaft den Markt in den 24 Monaten nach einem Spin-off übertroffen. Häufig sei der Aktienkurs der Tochtergesellschaft dabei allerdings volatiler und unterliege eher den Launen des Marktes.

Während der S&P 500 innerhalb der vergangenen zwölf Monate um etwa 27 Prozent angestiegen ist, hat auch der S&P Spin-off Index im gleichen Zeitraum um fast 25 Prozent zugelegt.

Letztendlich muss jedoch jeder Anleger für sich entscheiden, wie er sich in solch einem Fall verhält und welche Strategie für ihn die richtige ist. Spin-offs können für Aktionäre sowohl Herausforderungen als auch Chancen darstellen.

Redaktion finanzen.net

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