Vermögensverwalter-Kolumne

DAX-Rekord - halten oder verkaufen

14.06.24 11:02 Uhr

DAX-Rekord - halten oder verkaufen | finanzen.net

Das ist schon erstaunlich. Trotz vieler Probleme, trotz eines schwachen Wirtschaftswachstums und trotz hoher Zinsen - der DAX notierte auf Allzeithoch. Erst vor einigen Tagen erreichte er mit fast 18.900 Punkten einen absoluten und bisher nie da gewesen Rekordstand. Geht es so weiter? Lohnt sich jetzt noch trotz DAX-Rekord ein Einstieg?

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Das sind Fragen, die natürlich schwer zu beantworten sind. Einerseits bleibt der deutsche Leitindex interessant. Denn ein Grund für die Rekordfahrt ist die Tatsache, dass viele DAX-Unternehmen einen großen Teil ihres Geschäfts im Ausland abwickeln und somit von der Schwäche der heimischen Wirtschaft nicht so stark betroffen sind. Und im Ausland läuft es vergleichsweise gut. Immerhin rechnet man im laufenden Jahr mit einem Wachstum beim globalen Bruttoinlandsprodukt von über drei Prozent. Das ist nun nicht extrem viel, aber auch nicht wenig - und auf jeden Fall mehr als hierzulande zu erwarten ist.

DAX-Rekord - die Gründe dafür liegen im Ausland

Schätzungen zufolge liegt der Anteil der im Ausland erzielten Erlöse am Gesamtumsatz bei den 40 DAX-Unternehmen bei knapp 80 Prozent. Bricht die Nachfrage in Deutschland ein, wirkt sich dies auf ein international agierendes deutsches Großunternehmen nicht mehr so stark aus wie noch vor etwa 30 Jahren, als der Anteil der Auslandsgeschäfte am Gesamtumsatz der DAX-Konzerne noch halb so groß war. Hinzu kommt: Viele Konzerne produzieren inzwischen einen Großteil ihrer Güter im Ausland und profitieren dort von den vergleichsweisen niedrigen Kosten für Löhne und Energie.

Andere Märkte sind für einige DAX-Konzerne inzwischen also wichtiger geworden als der Heimatmarkt. Der US-Markt ist zum Beispiel für viele DAX-Unternehmen ein sehr bedeutender Markt. Und die US-Wirtschaft läuft aktuell deutlich besser als die deutsche. Immer wichtiger für hiesige Unternehmen wird auch China. Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich abgeschwächt, doch betrug es 2023 noch immer beeindruckende 5,2 Prozent. Einige DAX-Konzerne erzielen mehr als die Hälfte ihrer Umsätze in den USA und China. Es gibt also gute Gründe für den aktuellen DAX-Rekord. Und: Solange diese beiden Märkte so stark wachsen wie zuletzt, dürften auch einige DAX-Konzerne davon profitieren.

DAX-Rekord als Wendepunkt

Doch Vorsicht: Angesichts der jüngsten DAX-Rekordfahrt sollte man als Anleger ganz genau hinschauen. Ein Grund: Trotz des hohen Engagements im Ausland, die Schwäche der heimischen Wirtschaft geht sicherlich nicht spurlos an den DAX-Unternehmen vorbei. Zudem könnte die Zinswende in den USA noch ein wenig auf sich warten lassen. In den Vereinigten Staaten ging man längere Zeit von einer Zinssenkung im Frühling aus. Doch weil die Wirtschaft gut läuft, könnte das die US-Notenbank dazu verleiten, mit einer Zinssenkung noch zu warten. Ähnlich in Europa. Zwar läuft die europäische Wirtschaft schlechter als die amerikanische, doch in der Vergangenheit hat sich die Europäische Zentralbank (EZB) oft an den Entscheidungen der US-Notenbank Fed orientiert. Wartet diese noch mit einer Zinssenkung ab, könnte auch die EZB so verfahren.

Stock-Picker sind nun klar im Vorteil Erschwerend kommt hinzu, dass einige DAX-Werte nach den teils kräftigen Kursanstiegen inzwischen eine recht ambitionierte Bewertung aufweisen - und damit einhergehend die Luft nach oben langsam, aber sicher ein wenig dünner werden könnte. Kurzum: Aktuell spricht nicht allzu viel dafür, etwa über einen ETF den gesamten DAX zu kaufen. Denn so würde man auch in zu teure und zu zinsempfindliche Aktien investieren. Als eine kleine Beimischung im Depot gerne, um die Chancen des Gesamtmarktes langfristig zu nutzen, mehr aber auch nicht!

Vielmehr kommt es nun darauf an, die Unternehmen zu identifizieren, die zum einen eine geringe Zinssensitivität aufweisen und mit dem aktuellen Zinsniveau gut zurechtkommen. Und zum anderen: Die Aktien aufzuspüren, die darüber hinaus auch noch eine attraktive Bewertung haben. Kurzum: Stockpicking ist also erst einmal an der Börse angesagt. Doch das ist einfacher gesagt, als erfolgreich umgesetzt.

von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln, www.zschaber.de

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