Vermögensverwalter-Kolumne

It’s the economy, stupid!

09.02.26 09:01 Uhr

It’s the economy, stupid! | finanzen.net

Die Konjunkturprognosen für 2026 sehen wieder nicht gut aus.

Nur die USA haben sich gegenüber Mitte letzten Jahres leicht verbessert. Bildlich gesprochen kann man die vereinigten Staaten als das beste Haus in einer schlechten Nachbarschaft sehen. Ökonomen bezeichnen das aktuelle konjunkturelle Umfeld als "Stagflation light", was inhaltlich bedeutet: etwas zu viel Inflation bei etwas zu wenig Wachstum.

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Grundsätzlich gilt: Was in der Ökonomie auf "-flation" endet, bedeutet nichts Gutes. Inflation ist eine Umverteilung von Kaufkraft. Diejenigen, die mehr bezahlen müssen und wenig besitzen, gehören in der Regel zu den Verlierern; diejenigen, die etwas besitzen und von dem Preisanstieg profitieren, können zu den Gewinnern gehören. Bei Stagflation gilt dasselbe, nur dass gleichzeitig die Wirtschaft nicht oder nur zu wenig wächst. Die Anzahl der Verlierer in der Stagflation ist deutlich höher als bei Inflation, weil ein zu geringes Wachstum alle trifft.

Wenn Sie sich jetzt die amtierenden Politiker weltweit anschauen: Wer macht einen konsequenten Eindruck in Bezug auf zukünftiges Wachstum? Egal, wie kurz oder lang die Liste der Wachstumsgenerierer ist, ganz oben werden Donald J. Trump und Xi Jinping stehen. Und auch wenn deren Herangehensweisen unterschiedlich aussehen, beide verfolgen konsequent bzw. ausschließlich eine nationalistische Wohlstandsstrategie: America First versus Chinesischer Traum.

So lassen sich in aller Kürze auch die geopolitischen Krisenherde erklären. Um Grönland entsteht eine Seeroute, die mit rund 20 Tagen nur halb so lange dauert wie über den Suezkanal. Wer den Seeweg kontrolliert, kontrolliert auch den Handel. Venezuela soll neue Geschäftspartner bekommen; allen voran wollen die Amerikaner sicherstellen, dass China nicht darunter ist. Taiwan ist bis auf Weiteres die Achillesferse der westlichen Halbleitertechnologie und darf auf keinen Fall dem Leitbild "One China" unterliegen.

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Aber auch Europa ist gefordert, eigene Ziele konsequent zu verfolgen. Bei den Verhandlungen um einen Frieden in der Ukraine hat Europa zuletzt Stärke gezeigt. Ein Frieden in der Ukraine könnte zu einem Friedens-Konjunktur-Effekt in der Größenordnung von bis zwei Prozent jährlich für die nächsten drei Jahre führen. Das ist eine mächtige Größenordnung, die jeden europäischen Politiker weit nach oben auf die Liste der Wachstumsmacher setzen würde.

Die Konjunktur wird sich nur für diejenigen verbessern, die ihre Wachstumsstrategie erfolgreich umsetzen. Neue Bündnisse entstehen, manche etablierten Mächte werden verschwinden. Ganz sicher ist: Die Unsicherheit - insbesondere an den Finanzmärkten - wird uns nicht verlassen. Dafür sind die Chancen umso größer.

Konjunkturprognosen für 2026 im Januar

01/2026 06/2025

Welt 2,4% 2,5%

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USA 2,2% 1,7%

Europa 0,8% 1,1%

Asien 4,0% 4,4%

Von Riklef von Schüssler, Vorstandsvorsitzender der Allington Investors AG in Bad Homburg.

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