Technischer Fortschritt und Übernahmen im Biotechsektor

Seit vielen Jahren wächst die Biotechszene schneller als die traditionellen Pharmaunternehmen. Ein Trend, der auch im neuen Jahr und darüber hinaus anhaltend dürfte. Der technologische Fortschritt und Übernahmen werden dabei wichtige Themen ein.
"Raus aus dem Labor, rein die Wirtschaft" - das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hat jüngst ein neues Förderungsprogramm für die Biotechnologie in Deutschland aufgelegt. Unterstützt werden sollen dabei Forscher und Jung-Unternehmer, die mit biotechnologischem Know-how Krankheiten ins Visier genommen haben. Präzisionsantikörper, Gentherapeutika, Krebstherapie - in einer ersten Auswahlrunde finden sich die großen Themen wieder, die die Biotechnologie derzeit weltweit bewegen und vorantreiben, und somit auch Fantasie in ausgewählte Biotech-Aktien bringen.
Verdreifachung beim Umsatz mit Biotech-Medikamenten binnen zehn Jahren
Dabei gehört die Biotechnologie schon seit längerer Zeit zu den eindrucksvollsten Wachstumsmärkten. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms in den 1990er-Jahre und das tiefere Verständnis der Entstehung und Funktion von Krankheiten in Kombination mit den Fortschritten in der Computertechnologie haben den Experten völlig neue Ansätze zur Erforschung und Entwicklung von Medikamenten an die Hand gegeben. Seit Jahren steigt deshalb die Zahl der Präparate, die von Biotechnologieunternehmen entwickelt und von den Gesundheitsbehörden zugelassen werden.
Diese Erfolge machen sich auch in der Umsatzentwicklung der Unternehmen bemerkbar. Experten schätzen diesen im laufenden Jahr weltweit auf rund 650 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es nur knapp 200 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit Medikamenten aus den Biotechlabors hat sich somit binnen zehn Jahren verdreifacht und ist damit deutlich stärker gewachsen als der Umsatz mit "konventionellen" Präparaten aus der klassischen Pharmabranche. Hier lag der Umsatz 2016 bei rund einer Billion Dollar, für 2026 rechnet Beobachter mit knapp 1,9 Billionen Dollar, was also ungefähr "nur" einer Verdopplung entsprechen würde.
Technologischer Fortschritt treibt Wachstum an
Dabei hat sich in den zurückliegenden Jahren der Schwerpunkt der Forschungsaktivitäten in der Biotechszene verschoben. Geschuldet ist das dem Fortschritt in der Medizin und Computer-/Informationstechnologie, vor allem auch der KI und Big Data, einerseits, andererseits den Aussichten auf Gewinn. Denn es ist klar: Wenn Unternehmen an biotechnologischen Medikamenten forschen und dafür hohe Beträge investieren, müssen sie auch einen Businessplan im Hinterkopf haben. Durchschnittlich ein bis 1,6 Milliarden US-Dollar kostet die Entwicklung eines neuen Präparats.
Derzeit werden von Experten vor allem drei Forschungsschwerpunkte eruiert, die als besonders zukunftsträchtig gelten. Es ist die Krebsimmuntherapie, die Präzisionsonkologie und die Gentherapie. Die Krebsimmuntherapie zum Beispiel beinhaltet die Nutzung der Kraft des eigenen Immunsystems eines Patienten zur Identifizierung und Zerstörung von Krebszellen. Die Immuntherapie gilt als sehr vielversprechend bei der langfristigen Behandlung von bestimmten Tumorarten. Es gibt bei der Immuntherapie verschiedene Ansätze. Eine besonders vielversprechende könnte die adoptive T-Zelltherapie sein. Bei diesem Therapieansatz werden eigene Immunzellen des Patienten genetisch so verändert, dass sie Tumorzellen gezielt erkennen können.
Das sollten Anleger bei Biotech-Aktien beachten
Und noch ein Faktor treibt die Branche an und macht Aktien aus dem Biotechsektor interessant. Weil das Wachstum der Biotechunternehmen stärker ist als das der Pharmaindustrie, stehen Biotech-Aktien fast schon traditionell im Fokus von Übernahmen. Letztendlich ist die Biotechnologiebranche eine Art Durchlauferhitzer für den Pharmasektor. Weil biotechnologische Produkte relativ neu und risikoreich in der Entwicklung sind, halten sich Pharmafirmen in deren Erforschung oft zurück. Stattdessen kaufen sie, wenn sich ein potenziell gutes Biotechmedikament abzeichnet, gleich das ganze Unternehmen. Spektakuläre Beispiele dafür sind dafür beispielsweise die Übernahmen von Seagan durch Pfizer für 43 Milliarden Dollar im Jahr 2023 und der Kauf von Celgene durch Bristol-Myers Squibb im Jahr 2019 für 74 Milliarden Dollar. Auch wenn diese Rekordsummen so schnell nicht zu toppen sein werden, einige Beobachter setzen auch in diesem Jahr auf größere Deals.
von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln, www.zschaber.de
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