Warum der Autopilot am Kapitalmarkt jetzt gefährlich wird

Hand aufs Herz: Die letzten Jahre waren für Anleger, die auf passive Indexlösungen (ETFs) gesetzt haben, ein bequemer Ritt. Die Märkte kannten - von kurzen Unterbrechungen abgesehen - nur eine Richtung: nach oben.
In einer Welt, in der die Flut alle Boote gleichermaßen hebt, braucht man keinen erfahrenen Kapitän; es reicht, sich treiben zu lassen. Doch wer die aktuelle Wetterlage an den globalen Kapitalmärkten aufmerksam beobachtet, merkt schnell: Der Wind hat gedreht. Die See wird rauer, und wer jetzt starr am Ruder des Marktdurchschnitts festhält, riskiert, wertvolle Substanz zu verlieren.
Das Missverständnis der "billigen" Sicherheit
Es ist an der Zeit, Tacheles zu reden. Das Hauptargument für ETFs ist stets die Kostenquote. Ja, passives Investieren ist günstig. Aber ist es auch preiswert im Sinne von "seinen Preis wert"? In einer Phase strukturellen Wandels - geprägt von geopolitischen Verwerfungen, einer instabilen Inflationsdynamik und der digitalen Transformation - wird der Index zur Falle. Warum? Weil ein ETF blind kauft. Er gewichtet nach Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Sie investieren am meisten in die Unternehmen, die bereits am teuersten sind und in der Vergangenheit am besten gelaufen sind. Ein ETF kennt keine Qualitätskontrolle. Er kauft die marode Reederei genauso wie den innovativen Technologieführer, solange beide im Index gelistet sind. In ruhigen Zeiten fällt das nicht auf. In Krisenzeiten ist dieser Mangel an Selektion jedoch brandgefährlich.
Risikomanagement ist kein passives Konzept
Aktives Management wird oft missverstanden als der Versuch, den Markt permanent "outzuperformen". Sicher, das ist das Ziel. Doch der eigentliche, oft unterschätzte Wert des aktiven Managements liegt im Risikomanagement.
Ein aktiver Manager hat die Freiheit - und die Pflicht -, auf Warnsignale zu reagieren. Wir können Quoten steuern, Klumpenrisiken vermeiden und uns bewusst gegen Sektoren entscheiden, die vor massiven Problemen stehen. Ein ETF hingegen ist dazu verdammt, mit wehenden Fahnen unterzugehen, wenn sein Vergleichsindex korrigiert. Er bietet keinen Schutz nach unten.
Für Anleger mit bedeutendem Vermögen geht es in der aktuellen Marktphase primär nicht mehr darum, das letzte Prozent Rendite aus einem überhitzten Hype zu quetschen. Es geht um den Erhalt der Kaufkraft und den Schutz des über Jahrzehnte aufgebauten Kapitals. Hier ist Expertise gefragt, nicht ein Algorithmus.
Die Spreu trennt sich vom Weizen
Wir treten in eine Dekade ein, in der die Differenzierung zwischen Gewinnern und Verlierern massiv zunehmen wird. Das billige Geld, das bisher auch schwache Geschäftsmodelle über Wasser gehalten hat, ist versiegt. Jetzt zeigt sich, welche Unternehmen wirklich resilient sind, wer über Preissetzungsmacht verfügt und wer seine Hausaufgaben bei der Bilanzierung gemacht hat. Aktives Management bedeutet für uns: Wir gehen in den Dialog. Wir analysieren Geschäftsberichte nicht nur oberflächlich, sondern bewerten die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen. Wir investieren in Köpfe und Strategien, nicht in statistische Gewichtungen. Diese Tiefe kann kein ETF der Welt abbilden. Fazit: Souveränität durch Selektion
Wer sein Vermögen heute passiv verwaltet, überlässt seine finanzielle Zukunft dem Zufall und der Herdenmentalität. Das mag bei kleinen Summen vertretbar sein. Bei anspruchsvollen Vermögensstrukturen ist es schlichtweg fahrlässig.
Souveränität am Kapitalmarkt entsteht durch die bewusste Entscheidung für Qualität und gegen das Mittelmaß. Ein erfahrenes aktives Management ist kein Luxusgut, sondern eine Notwendigkeit, um in volatilen Zeiten die Kontrolle zu behalten. Es ist der Unterschied zwischen Mitsegeln und Navigieren. Lassen Sie uns das Ruder wieder selbst in die Hand nehmen. Denn am Ende des Tages zählt nicht, wie günstig man investiert hat, sondern wie sicher und erfolgreich man durch den Sturm gekommen ist. "Butter bei die Fische" Heiko Löschen GSP asset management
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