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29.07.2020 20:43

Wall Street-Veteran warnt vor "Kobra-Effekt" an den Märkten

Verschlimmerung des Problems: Wall Street-Veteran warnt vor "Kobra-Effekt" an den Märkten | Nachricht | finanzen.net
Verschlimmerung des Problems
Folgen
Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie abzufedern, haben Zentralbanken weltweit die Geldschleusen geöffnet und den Markt mit quasi unbegrenzter Liquidität geflutet - ein Fehler, meint Börsenkenner und Bestseller-Autor Larry McDonald und warnte jüngst vor dem "Kobra-Effekt".
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• Zentralbanken und Regierungen weltweit helfen Märkten auf die Beine
• Larry McDonald sieht größten "Kobra-Effekt" in der Geschichte entstehen
• Maßnahmen zur Problemlösung könnten ultimativ zur Verschlimmerung der Situation führen

Die Corona-Krise hat weltweit nicht wenige Unternehmen in eine kritische Lage gebracht. Strenge Ausgangsbeschränkungen und eine damit einhergehende eingebrochene Nachfrage haben das Geschäft vieler Firmen erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Um einen Zusammenbruch der globalen Wirtschaft sowie massenweise Insolvenzen zu verhindern, haben Regierungen und Notenbanken weltweit mithilfe umfangreicher Finanz- und Konjunkturpakete beschlossen, den Markt mit zusätzlicher Liquidität auf die Sprünge zu helfen. So verabschiedete jüngst die Europäische Union ein Finanzpaket, das insgesamt Hilfen im Umfang von 1,8 Billionen Euro enthält.

Dies wiederum ließ Wall Street-Veteran Larry McDonald aufhorchen und veranlasste ihn in seinem Blog "The Bear Traps Report" eine eindringliche Warnung auszusprechen. McDonald ist vor allem bekannt als Autor des US-amerikanischen Bestsellers "A Colossal Failure of Common Sense" (Deutscher Titel: "Dead Bank Walking") über den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, die den Auftakt zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 markierte.

Der "Kobra-Effekt"

So sah er sich jüngst dazu veranlasst, die aktuelle Situation an den Finanzmärkten mit dem sogenannten "Kobra-Effekt" zu vergleichen. Hierbei geht es um eine Geschichte, die häufig zitiert wird, wenn beschrieben werden soll, dass manche Maßnahmen, die eigentlich zur Lösung eines Problems gedacht waren, dieses letztlich noch verschlimmern können: So begab es sich im 19. Jahrhundert auf dem indischen Subkontinent, dass eine Kobra-Plage dazu führte, dass seitens der Regierung eine Belohnung auf tote Kobras ausgesetzt wurde. Dies wiederum hatte zunächst die Folge, dass sich die Anzahl der frei lebenden Kobras verringerte, gleichzeitig wurde die Kobrazucht jedoch - unabsichtlich - als lukrativer Geschäftszweig etabliert. Als dies ersichtlich wurde, sah sich die indische Regierung - damals noch unter britischer Führung - gezwungen, die Prämien für erlegte Kobras wieder aufzuheben, was gleichzeitig das Geschäftsmodell der Kobrazüchter zunichtemachte. Da diese nun keine Verwendung mehr für ihre Schlangen hatten, entließen sie sie in die Freiheit und sorgten damit wiederum für mehr Kobras in der freien Wildbahn als je zuvor.

Unbeabsichtigte Folgen

Das gleiche Szenario sieht Larry McDonald nun bei der Verabschiedung milliardenschwerer Finanzprogramme, die die Wirtschaft stabilisieren sollen. Konkret geht es dem Finanzexperten dabei um die Interventionen von Zentralbanken an den Anleihemärkten sowie die Erreichung ihrer Inflationsziele: "Wir glauben, dass wir uns gerade in einem frühen Stadium des größten Kobra-Effekts in der Geschichte der Wirtschaft befinden", so McDonald in seinem Blog. "Während die massiven Finanz- und Steuerstimuli (über 15 Billionen Dollar weltweit) sich vereinen, um die Wirtschaft vor einer deflationären Depression zu retten, werden sie stattdessen einen hyperinflationären Wirtschaftseinbruch verursachen". Denn sollten die Regierungen und Zentralbanken weltweit erkennen, dass ein solcher Zusammenbruch bevorsteht, würden sie ihre eigene Politik ändern und damit wiederum eine deflationäre Depression auslösen - die noch viel schlimmer ausfallen würde, als wenn die Banken und Regierungen gar nichts unternommen hätten.

Schon jetzt würden die Inflationserwartungen steigen und Anleiherenditen von Zentralbanken gleichzeitig künstlich klein gehalten. Was daraus resultieren würde, wäre ein "potenziell toxischer Cocktail". Dies könne langfristig zum einen dazu führen, dass eine steigende Zahl an "schlechten Marktteilnehmern" geschaffen wird sowie zum anderen immer mehr Geld nach "sicheren" Häfen und Rendite sucht. Sollte es jedoch tatsächlich zu einem großen Einbruch kommen, wäre so viel mehr Geld in Gefahr für immer verloren zu gehen, wie McDonald schreibt.

Wirtschaftliche Prinzipien werden ignoriert

Das Problem bestehe darin, dass viele der derzeit umgesetzten Maßnahmen seitens der Zentralbanken und Regierungen "einige wirtschaftliche Prinzipien" außer Acht lassen würden, die wiederum weitreichende Folgen für Investoren haben werden. "Grundlegende wirtschaftliche Annahmen, oder Strukturen, werden sich als sehr viel fließender erweisen, als es Entscheidungsträger vorhersehen", so der Autor. Und weiter: "Aus diesem Grund werden die Folgen verheerend und undenkbar sein". Dabei verweist McDonald insbesondere auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich bisher immer gegen das Aufnehmen gemeinsamer Schulden in der EU ausgesprochen habe, nun dem Corona-Wiederaufbaufonds, der 750 Milliarden Euro umfasst, doch zugestimmt hätte. Damit hätten nun auch "mathematisch gesehen unzuverlässige Schuldner" Zugriff auf Finanzhilfen.

Dennoch zeigt sich der Börsenkenner letztlich zuversichtlich: "Wir werden überleben und nach einem Anpassungsprozess wieder erfolgreich sein". Bleibt nur abzuwarten, ob McDonald mit seiner Warnung Recht behält.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: canbedone / Shutterstock.com, BEST-BACKGROUNDS / Shutterstock.com
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