Gehaltserhöhung

Der große Netto-Irrtum: Weshalb mehr Brutto nie weniger ist

15.01.26 23:24 Uhr

Der große Gehalts-Irrtum: So falsch denken viele über Brutto und Netto | finanzen.net

Viele Arbeitnehmende fürchten, dass eine Gehaltserhöhung am Ende zu weniger Netto führt. Doch diese Annahme ist ein Mythos, denn mehr Brutto bedeutet grundsätzlich auch mehr Netto. Nur in Sonderfällen kann es passieren, dass vom höheren Einkommen nicht mehr im Portemonnaie übrig bleibt.

Gehaltserhöhung führt nie zu weniger Netto

Aus mathematischer Sicht ist es ausgeschlossen, dass das Nettogehalt nach einer Gehaltserhöhung sinkt, wie n-tv.de betont. Der Irrglaube entsteht oft durch die Verwechslung von Grenz- und Durchschnittssteuersatz. Während der Durchschnittssteuersatz das gesamte Einkommen betrifft, gilt der höhere Grenzsteuersatz nur für den hinzuverdienten Teil. Das bisherige Einkommen wird also nicht nachträglich stärker belastet. Eine Gehaltserhöhung sorgt deshalb stets dafür, dass am Monatsende mehr Netto übrig bleibt.

Wer­bung

Das progressive Steuersystem

Deutschland hat ein progressives Steuersystem. Mit steigendem Einkommen steigt auch der Steuersatz, allerdings immer nur für die zusätzlichen Einkommensanteile. Wer also in eine höhere Steuerprogression rutscht, muss auf den Mehrverdienst zwar einen höheren Prozentsatz zahlen, profitiert aber weiterhin vom niedrigeren Steuersatz auf den Grundverdienst. Diese Freiheit führt häufig zu Missverständnissen und ist laut General-Anzeiger Bonn die Ursache für den verbreiteten Irrtum "mehr Brutto gleich weniger Netto".

Zusatzleistungen als Kostenfalle

Anders sieht es aus, wenn mit dem höheren Brutto auch geldwerte Vorteile verbunden sind. Wie echo24.de berichtet, kann ein Firmenwagen oder ein Zuschuss in Form von Sachleistungen das Nettoeinkommen verringern. Diese Zusatzleistungen gelten als Einkommen und erhöhen die Steuer- und Abgabelast. Das Nettogehalt wirkt dann niedriger, obwohl das Bruttogehalt formal gestiegen ist.

Sozialleistungen auf dem Prüfstand

Ein weiteres Szenario, in dem Arbeitnehmer trotz Gehaltserhöhung weniger Geld zur Verfügung haben, ergibt sich durch den Wegfall staatlicher Unterstützung. Überschreitet das Einkommen bestimmte Grenzen, können Leistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag entfallen. Schon wenige Euro mehr Brutto können dazu führen, dass die Anspruchsberechtigung entfällt und sich die finanzielle Gesamtsituation unterm Strich verschlechtert, so echo24.de.

Wer­bung

Steuerreform 2025

Die Steuerreform 2025 bringt vor allem durch die Anhebung des Grundfreibetrags vielen Beschäftigten Entlastung. Wer weniger verdient, profitiert stärker, da ein größerer Teil des Einkommens steuerfrei bleibt. Damit wird die sogenannte kalte Progression abgemildert, wie es weiter heißt. Allerdings profitieren nicht alle, denn Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen, dass vor allem Alleinerziehende und Singles durch steigende Sozialabgaben und höhere CO2-Kosten sogar schlechter gestellt werden können.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: lovelyday12 / shutterstock.com, Bartolomiej Pietrzyk / Shutterstock.com