Charttechnik: DAX - Wird das etwa ein Top?

Der DAX notiert weiterhin auf sehr hohem Niveau und eroberte gestern sogar die 12.000er-Barriere zurück. Doch das Ganze sieht nun eher müde aus.
Analyse-Datum: Mittwoch, 8. April 2015
Diagnose: "Bloß nichts verschenken!" heißt weiterhin das DAX -Motto. Der Index hat es gestern sogar mit der wirklich massiven 12.000-er-Hürde aufgenommen, die bis jetzt auch noch nicht wieder unterschritten wurde.
Wie im Chart gut zu erkennen ist, notiert der Index heute aber wieder leicht unter der oberen Parallelen des Oktober-Aufwärtstrends (rote Trendlinie). Neben dem steilen und bereits gebrochenen Januar-Aufwärtstrend (Magenta) ist dies ein weiterer Widerstand, der den DAX noch von seinem Allzeithoch bei 12.219 Punkten, markiert am 16. März 2015, trennt.
DAX: 12-Monats-Chart, Quelle: tradesignalonline.com
(Zum Vergrößern bitte Chart anklicken)
Prognose: Zweifelsfrei sind beim DAX, abgesehen vom Verlust des steilen Januar-Aufwärtstrends, alle anderen intakt, sodass mittelfristig höhere Notierungen in Richtung 12.500/12.600 Punkte vorstellbar sind. Die würden aktiviert, wenn das Aktienbarometer nachhaltig über die Höchststände ausbricht.
Nachdem der DAX nun schon seit Wochen seitwärts korrigiert, stellt sich die Frage, ob er schon bald zum befreienden Spurt über das Allzeithoch ansetzt oder es zu einer ausgedehnteren Korrektur, beispielsweise bis zur Original-Aufwärtstrendlinie vom Oktober 2014 kommt, die um 10.770 Zähler notiert.
Mittlerweile sieht das Kursgeplänkel um den 12.000er-Bereich müde und nach einer möglichen Top-Bildung aus, die dringend eine Konsolidierung nötig hätte. Für eine Korrektur spricht meines Erachtens aktuell der große Abstand zur 200er-Durchschnittslinie. Wie ich bereits in meinen letzten Analysen erwähnte, ist der Abstand zwischen DAX-Kurs und 200-Tage-Linie (aktuell bei 10.018 Punkte) trotz wochenlanger leichter Konsolidierung noch immer immens groß. Diese Diskrepanz kann eine Weile bestehen - wie man sieht! Irgendwann aber schmilzt auch die im Zuge einer saftigen Korrektur zusammen. Der Abstand beträgt nun bereits 20,7 Prozent - ein Extremwert, der eine Konsolidierung erwarten lässt.
Natürlich ist es sehr schwer, einen genauen Zeitpunkt für das Einsetzen dieser zu ermitteln, denn diverse Indikatoren notieren derzeit in ihren neutralen Zonen. Allerdings wird der frische Anstieg über den 12.000er-Widerstand nicht mit dem benötigten anziehenden Handelsvolumen untermauert. Möglich wäre natürlich auch ein kurzer Ausflug gen Norden mit neuem Allzeithoch, dem sich dann die Korrektur anschließt. Wie auch immer - lassen wir uns überraschen!
Doch damit Anleger gewappnet sind, gilt den vorhandenen Unterstützungsniveaus noch ein Blick: Zunächst kommt natürlich der 12.000er-Bereich in Betracht. Es folgen die Supports um 11.500 ist ein weiterer um 11.400 Punkte, die wohl nur mäßig tragenden Charakter haben werden, da die Kurse in diesen Zonen nicht lange verweilten. Die nachfolgende Unterstützung um 11.200 Punkte wurde Anfang März getestet und bestätigt. Weitere horizontale Haltezonen liegen um 11.000, 10.800 und 10.600 Zähler. Darunter klafft noch eine Kurslücke zwischen 10.454 und 10.502 Punkten, die zwischen dem 22. und 23. Januar gerissen und auch noch nicht wieder geschlossen wurde. Damit würde dem DAX reichlich Abwärtsspielraum zur Verfügung stehen, ohne das langfristig aussichtsreiche Bild zu gefährden. Auf dem Niveau des 200er-Durchschnitts bei 10.018 Zähler sichert der langfristige Aufwärtstrend aus dem November 2012.
Mit dem genannten Allzeithoch liegt die 38,2-prozentige Fibonacci-Korrektur (Rücklauf-Ziel der Aufwärtsbewegung zwischen dem Oktober-Tief und dem neuen Allzeithoch) um 10.750 Punkte. Diese Kursregion deckt sich dann auch ungefähr mit dem oben genannten Oktober-Aufwärtstrend, der das Ziel der erwarteten Korrektur sein könnte. Die 50,0-prozentige Korrektur befindet sich im Bereich um 10.280 Zähler. Dieser Kursbereich liegt immer noch über dem Dezember-Hoch!
Erst bei einem Rückfall unter die 10.000 Zähler müsste der gesamte Anstieg seit Januar als Fehlsignal interpretiert werden - aus heutiger Sicht schwer vorstellbar!
von Karen Szola, Technische Analystin "Euro am Sonntag" und "Börse Online"
Ziel der Technischen Analyse ist es, aus Kursverläufen künftige Trends vorherzusagen. Die Technische Analystin Karen Szola untersucht an dieser Stelle interessante Aktien und Indizes auf charttechnische Signale und stellt ihre Prognose.
Weitere News
Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum