24.05.2014 08:00

Ökonomen-Barometer: Moderaterer Aufschwung

Folgen
Der Schwung lässt im Mai etwas nach, die Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs. Die EZB hat nach Meinung führender Volkswirte an der Zinsfront ihr Pulver verschossen.
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€uro am Sonntag
von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Die Konjunktur in Deutschland zeigt sich im Mai weiter robust und stabil auf hohem Niveau, auch wenn die Wachstumsdynamik allmählich etwas nachlässt. Zu dieser Einschätzung gelangen die führenden deutschen Volkswirte im Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv für den Monat Mai.

Danach sinkt der Barometerwert gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent auf 63,9 Punkte. Die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate reduzieren sich um fünf Prozent auf 68,7 Punkte. Damit liegt die Prognose allerdings noch immer über der aktuellen Lage, was eine weitere Verbesserung der wirtschaftlichen Lage anzeigt. Die Zahlen decken sich mit dem am Freitag veröffentlichten Ifo-Geschäftsklimaindex, der im Mai um 0,8 Punkte auf 110,4 Punkte gesunken ist.

Votum für Anleihekäufe
Weitere Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) sieht die überwiegende Mehrheit der Ökonomen kritisch. Eine Senkung des Leitzinses von derzeit 0,25 Prozent lehnten 90 Prozent der Befragten ab, sieben Prozent votierten dafür. Die EZB erwägt derzeit eine ­weitere Lockerung ihrer Geldpolitik. Damit sollen die Stärke des Euro und mögliche Deflationstendenzen bekämpft werden, um die wirtschaftliche Erholung im Euroraum nicht zu gefährden.

Als Instrumente kommen neben Zinssenkungen auch Anleihekaufprogramme infrage ("Quantitative Lockerung"), um die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Entscheidungen dazu könnten auf der nächsten EZB-Sitzung am 5. Juni fallen. Am Donnerstag hatte auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sein Einverständnis zu erkennen gegeben, wenn nötig den Leitzins zu verringern und zugleich den Zinssatz für Einlagen der Banken bei der EZB ­unter null zu senken. Der Negativzins könnte die schwache Kreditvergabe anregen.

Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise schätzt die konjunkturelle Erholung in Europa inzwischen aber als so stabil ein, dass zumindest weitere Zinssenkungen unnötig erschienen. Bruno Schönfelder von der TU Freiberg verweist darauf, dass der Leitzins inzwischen kaum noch ein Instrument der Geldpolitik sei, sondern der Finanzierung von Zahlungsbilanz- und staatlichen Haushaltsdefiziten diene. "Von ihm hängt ab, wie stark die Euronordstaaten die Südstaaten subventionieren."

Stephan Klasen (Uni Göttingen) glaubt ebenfalls, dass die EZB ihr Pulver auf der Zinsseite verschossen hat. "Die EZB sollte Staats- und Unternehmensanleihen kaufen, wenn die Deflationsgefahr schlimmer wird", empfiehlt Klasen. Martin Kocher von der Ludwig-Maximilians-Universität München hält ein derartiges Anleihekaufprogramm "angesichts der Lage im Euroraum für sinnvoll und weit flexibler als eine Leitzinssenkung", so Kocher, der in Kürze mit derartigen Maßnahmen rechnet.

Den hohen Eurokurs sehen Ökonomen wie Oliver Landmann (Uni Freiburg) zumindest für die deutsche Wirtschaft nicht als Problem. Für die Eurozone insgesamt sei die Geldpolitik aber zu restriktiv und der Eurokurs zu hoch. Auch Landmann plädiert deshalb für Anleihekäufe. Thomas Gitzel (VP-Bank-Gruppe) empfiehlt statt geldpolitischer Maßnahmen Strukturreformen in den betroffenen Ländern, die wesentlich wirksamer wären, um die Wirtschaft in Gang zu bringen.

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