30.03.2022 23:07

Clean Tech: Diese Chancen und Risiken sehen professionelle Investoren bei Wasserstoff & Co.

Energiewende im Fokus: Clean Tech: Diese Chancen und Risiken sehen professionelle Investoren bei Wasserstoff & Co. | Nachricht | finanzen.net
Energiewende im Fokus
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Der Bereich der sauberen Energien hat in den letzten Wochen im Zuge des Ukraine-Kriegs nochmal deutlich Rückenwind erfahren. Dabei birgt die Clean Tech-Branche sowohl Chancen als auch Risiken. Das sagen verschiedene Investmentprofis.
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• Saubere Energien gewinnen vermehrt an Bedeutung
• Ukraine-Krieg sorgt für Rückenwind bei Energiewende
• Investmentprofis machen Chancen und Risiken aus

Das Thema Saubere Energien hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. In den letzten Wochen wurde der Wunsch nach einer stärkeren Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen jedoch im Zuge des Ukraine-Kriegs noch einmal akuter. Das ist nicht zuletzt auch in Deutschland zu spüren, wo die Abhängigkeit von russischem Gas Politik, Wirtschaft und Verbraucher vor große Herausforderungen stellt.

Als Reaktion auf die Invasion Russlands in die Ukraine stellt sich hierzulande die Frage, wie das Land künftig seinen Energiebedarf decken kann. Hierbei fällt die Wahl bevorzugt auf Erneuerbare Energien: "Ich gehe davon aus, dass wir bis 2026 etwa 200 Milliarden Euro für Klimaschutz, Ladeinfrastruktur, Wasserstoff-Technologie, die Modernisierung der Industrie, auch die Abschaffung der EEG-Umlage, um die Menschen zu entlasten, vorsehen werden", so Finanzminister Christian Lindner jüngst im Interview mit der TV-Sendung "Bericht aus Berlin". Auch Wirtschaftsminister Robert Habeck will in puncto Erneuerbare Energien schnell vorankommen. So gab Habeck laut der dpa bekannt, der Stromsektor solle bis 2035 klimaneutral werden, während zuvor dieses Ziel noch für 2050 veranschlagt war.

Vermehrte Investments in Saubere Energien

Angesichts dieses Wandels ist es wenig verwunderlich, dass verschiedene Investmentexperten im Bereich Clean Tech große Chancen wähnen. Wie Daten des Finanzdaten- und Softwareunternehmens PitchBook zeigen, sei das globale Venture Capital-Vermögen, das in den Bereich der Sauberen Energien geflossen ist, 2021 auf 43 Milliarden US-Dollar angewachsen, während es in 2020 lediglich 20 Milliarden US-Dollar betragen habe, wie CNBC schreibt.

Experten äußern sich auf Konferenz zum Thema Clean Tech

Zu diesem Trend äußerten sich erst kürzlich verschiedene Investmentprofis im Rahmen der CERAWeek, einer Konferenzserie organisiert durch IHS Markit, über die CNBC berichtete. Darin tauschten sie sich während einer Gesprächsrunde mit dem Thema "Die wachsende Rolle von Finanzinnovationen im Bereich Klima und Clean Tech" über die Chancen und Risiken dieser Branche für Anleger aus.

Noch zahlreiche Möglichkeiten für Investments

Wie Eli Aheto von BeyondNetZero feststellte, sei der Bereich seiner Meinung nach noch relativ jung und biete noch "viel Platz, um mehr und mehr Kapital diesem Trend hinzuzufügen". Dabei sei dieser "Trend" sehr breit gefasst und umfasse ganz unterschiedliche Technologien aus verschiedenen Industrien. Auch Brad Fierstein von Apollo Global Management sieht das bereits in den Bereich investierte Geld "als einen Tropfen auf den heißen Stein in Hinblick auf das Ausmaß der Möglichkeiten" für den Ausbau von Sauberen Energien auf der einen Seite sowie Investmentchancen auf der anderen Seite, wie ihn das Nachrichtenportal widergibt.

Dass der Bereich rund um Erneuerbare Energien sowie ESG mittlerweile mehr Beachtung findet als je zuvor dürfte auch daran liegen, dass die Auswirkungen des Klimawandels mittlerweile deutlich spürbar sind. Das würde laut NGP Energy Technology Partners-Experte Philip Deutch dazu führen, dass sich immer mehr unterschiedliche Investoren für den Bereich interessieren. Dazu gehören nun neben Venture Capitalists und großen Unternehmen mittlerweile auch Privatanleger und Universitäten, die versuchen aus dem Trendthema Kapital zu schlagen.

Allerdings gibt Farnam Bidgoli, Verantwortliche für den ESG-Bereich bei der HSBC, zu bedenken, dass die unterschiedlichen Investmenttypen dabei auch verschiedene Ziele verfolgen würden. So würden sich größere Anleger, wie Institutionen, auf die alteingesessenen Bereiche wie E-Mobilität, Wind- und Solarenergie fokussieren, was wiederum zum Nachteil von noch jungen Bereichen der Clean Tech-Branche gereichen würde. So gäbe es zahlreiche Unternehmen, deren Bezug zum Bereich Saubere Energien eventuell nicht so offensichtlich sei, die allerdings dennoch einen wichtigen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen könnten, wie beispielsweise Unternehmen, die Software für eine bessere Energieeffizienz von Gebäuden entwickeln: "Die Technologien ermächtigen oder unterstützen, deren Story vielleicht etwas komplizierter ist - hier sehen wie weniger Appetit bei den Investoren", so Bidgoli.

Im Folgenden gaben die Experten einen konkreten Einblick, inwiefern sich ihre eigenen Unternehmen im Bereich Clean Tech engagieren würden. Fierstein beispielsweise konzentriere sich insbesondere auf den Bereich von US-Offshore Windparks. In Europa sei hier bereits viel passiert, in den USA sei dies jedoch noch "ein riesiges Unterfangen".

Aheto hingegen erklärte, er würde Unternehmen herauspicken, die sich nicht auf neue, sondern altbewährte Technologien stützen würden. Seiner Meinung nach müssten die Unternehmen "ein richtiges Geschäftsmodell" mit "Umsatz- und Bruttomarge" aufweisen können.

Schwammige Kriterien für ESG-Investments

Ein Problem mit dem der ESG-Bereich immer wieder konfrontiert wird, ist die Tatsache, dass die Kriterien dafür recht schwammig sind. So steht die Abkürzung für Environment, Social, Governance, was im Deutschen so viel bedeutet wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Was genau dies für ein Unternehmen jedoch bedeutet und wie es umgesetzt wird, ist nicht immer transparent. Allerdings gibt Deutch zu bedenken, dass es am Ende des Tages vielleicht auch gar nicht entscheidend sei "den tugendhaftesten Pfad" zu wählen, da im Endeffekt "wir alle im selben Boot sitzen". So kommt im Bereich ESG auch immer wieder die Frage auf, ob traditionelle Energieunternehmen, also auch solche, sie sich auf Öl oder Gas konzentrieren dazugehören oder doch aus einem ESG-Portfolio gestrichen werden sollten. Laut Bidgoli ist ein solcher Ausschluss letztlich jedoch nicht zielführend, da auch diese Unternehmen ihren Beitrag zur Entkarbonisierung würden leisten müssen.

Hohe Bewertungen, zukünftige Regulierung und Lieferkettenprobleme sorgen für Stirnrunzeln

Neben diesem Aspekt läge ein weiteres Risiko des aufstrebenden Clean Tech-Bereichs in den hohen Bewertungen, die einige der dazu zählenden Unternehmen bereits aufwiesen. Daneben sei auch die künftige Regulierung von Erneuerbaren Energien ein Fragezeichen für viele Investoren: "Was Anleger brauchen ist Stabilität und eine vorhersehbare Politik. Wenn man möchte, dass Privatkapital in einen Bereich eintritt und diesen unterstützt, dann sollte man die Regeln nicht ändern", rät deshalb Fierstein. Ein weiteres Problem mit dem sich der Energiebereich aktuell konfrontiert sehe, seien zudem Lieferkettenschwierigkeiten. Diese würden junge Unternehmen noch schwerer treffen als alteingesessene Firmen, da diese nur über begrenztes Einkommen und Barmittelreserven verfügen würden.

Ob der Clean Tech-Bereich für ein Investment lohnt, muss also jeder Anleger letztlich selbst entscheiden. Apollo-Experte Fierstein ist sich jedenfalls sicher, dass es mittlerweile "mehr Möglichkeiten zum Investieren in die Energiewende und den Klimaschutz" gibt.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Sepp photography / Shutterstock.com, petrmalinak / Shutterstock.com
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