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12.02.2017 15:00

Allianz-Chef Bäte: Nicht sparen - sondern digitalisieren!

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Oliver Bäte will den Wandel durch digitale Technologien durchsetzen. Doch dafür muss der Chef die Firmenkultur ändern. Ein Konzern im Aufbruch.
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von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Meistens wirkt Allianz-Chef Oliver Bäte locker und wählt klare Worte: ,,Das Problem unserer Branche ist: Sie wächst nicht‘‘, warnte Bäte kürzlich vor Analysten. Wenn er am 17. Februar die Jahresbilanz von Europas größtem Versicherungskonzern präsentiert, wird er voraussichtlich Ähnliches sagen. Denn sowohl der Umsatz, also Einnahmen aus Versicherungsprämien, als auch der Ertrag dürften bei der Allianz laut Analystenprognosen 2016 kaum zugelegt haben.


Auch wenn das vergangene ein gutes Jahr war, dürfte der für Ausschüttungen an die Anteilseigner wichtige operative Gewinn (Ebit) bestenfalls den Rekordwert von 2015 von 10,7 Milliarden Euro erreicht haben. Allerdings verfügt der Versicherungskonzern über hohe finanzielle Reserven und ist weltweit gut aufgestellt. Die Münchner können sich eine anlegerfreundliche Politik leisten.


Mit der Bilanz erwarten Experten deshalb erstmals auch ein Programm zum Rückkauf eigener Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Euro. Die Allianz hat ihre Ausschüttungspolitik aktionärsfreundlicher gestaltet und überprüft alle drei Jahre das Budget für Zukäufe. Gibt es keine konkreten Ziele, wird das Geld ausgeschüttet.

Jüngst gab es jedoch Gerüchte über den Kauf von Teilen des italienischen Versicherers Generali in Verbund mit der Turiner Bank Intesa. Interessant für die Allianz ist das Sachversicherungsgeschäft der Italiener in Frankreich, Spanien, der Schweiz und in Osteuropa. Sicher ist der Aktienrückkauf also nicht.

Ausweg aus der Wachstumsfalle

Sollte es hingegen mit der Übernahme klappen, wäre damit die Rückkehr zu nachhaltigen Gewinnzuwächsen allerdings noch lange nicht gewiss. Zwei Faktoren sprechen dagegen: Im Versicherungsgeschäft bleibt es wegen der niedrigen Schadenquote einstweilen schwierig, höhere Prämien durchzusetzen. Und an den Kapitalmärkten sind die Margen wegen der historisch niedrigen Zinsen unter Druck. Jahrzehntelang war dies eine Quelle hoher Gewinne, weil Versicherer die Beiträge für Policen zu guten Konditionen anlegen konnten.

Bäte sieht weitere Risiken. Ähnlich wie in anderen Branchen werde die Digitalisierung auch den klassischen Verkauf von Policen nachhaltig verändern, warnt der Manager, der 2008 als ehemaliger Direktor des Beraterkonzerns McKinsey zur Allianz kam. Bisher hätten das Verhalten der Kunden sowie Regularien die Branche davor bewahrt. Das ändere sich jetzt.

Digitaler Wandel

Um diesen notwendigen Wandel anzustoßen, will Bäte die Stärken des DAX-Konzerns nutzen: die finanziellen Ressourcen und die globale Präsenz. Ein Sparprogramm zur Finanzierung der Digitalisierung ist nicht geplant. Um den Versicherungsriesen gegen Angriffe neuer, potenzieller Konkurrenten aus dem Internet zu wappnen, soll darüber hinaus auch das Potenzial des großen Datenbestands der Allianz mit spe­zieller Analysesoftware besser genutzt werden.

Das größte Risiko der Allianz ist wohl ihre 126-jährige Geschichte. Um im Zeitalter der Digitalisierung zu gewinnen, müssen Entscheidungen schneller fallen. Doch dazu muss sich die Firmenkultur ändern. Kunden müssen die digitalen Produkte leicht verstehen und bedienen können - wie Apps auf ihren Handys. Als Wettbewerber HUK Coburg 2001 den Onlineversicherer HUK 24 startete, schaute die Allianz lange zu und reagierte viel zu spät. Die Franken überholten die Münchner in der privaten Kfz-Haftpflichtversicherung. Unter Bäte, seit 2015 an der Spitze, soll sich das nicht wiederholen.

Der Erfolg junger Firmen aus dem Web, die den Konzernen den Kontakt zu Versicherungskunden streitig machen, hat die Branche wachgerüttelt. Die Ideen der sogenannten Insuretechs will Bäte über Beteiligungen nutzen. Die neue Konzerntochter Allianz X soll sich darum kümmern; sie wurde mit einem Budget von 430 Millionen Euro ausgestattet. Das Geld soll in Anteile und die Förderung junger Firmen fließen. In anderen Branchen ist das üblich, für die Assekuranz jedoch Neuland. Auch die Allianz hat Chancen, der neue Markt ist noch nicht verteilt.

Investor-Info

Allianz
Starker Endspurt

Das vierte Quartal hat sich besser entwickelt als erwartet, schätzt etwa das Bankhaus Lampe. Im deutschen Sachversicherungsgeschäft hat der Primus zuletzt Federn gelassen. Hier sei die Trendwende gelungen. Auch in der Lebensversicherung laufe es besser. Dem US-Vermögensverwalter Pimco fließen nach langer Zeit erstmals wieder Kundengelder zu. Sollte die US-Regierung Steuerkürzungen beschließen, würde die Allianz profitieren. Solide Dividendenrendite. Kaufen.
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