08.03.2010 17:00

Casino-Aktien: Nicht nur für Zocker

Folgen
Angesichts der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ging auch an den Spieltischen in Las Vegas nichts mehr. Doch nun scheint das Schlimmste überstanden, die Kugel rollt wieder. Wo Anleger setzen können
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von Tim Schäfer, Euro am Sonntag (aus Las Vegas)

Milliardär Stephen Wynn überließ in seinem neuen Luxushotel Encore nichts dem Zufall. Die Fahrstühle im Erdgeschoss sind hinter einarmigen Banditen, Roulettetischen, Restaurants und Geschäften versteckt. Das Kalkül: Wer in sein Zimmer in einer der 63 Etagen will, muss sich mühselig seinen Weg zwischen den Hindernissen bahnen und lässt dabei unterwegs möglichst viel Geld. Gelegenheiten gibt’s dazu genug – auch für notorische Nichtspieler. Immerhin ist das Encore das glamouröseste Hotel auf dem Strip mit Boutiquen von Rolex über Hermès bis hin zu Chanel. Ein Wellnessbad, ein Ferrari-Maserati-Händler und eine 18-Loch-Golf­anlage, die direkt an das Hotel grenzen, runden das 2,3 Milliarden teure Projekt ab.

Eröffnet hat Wynn den Luxus­tempel zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Mitten in der schlimmsten Rezession seit mehr als 50 Jahren knallten kurz vor Weihnachten 2008 die Champagnerkorken. „Let the games begin!“, rief der Unternehmer am 22. Dezember zur Einweihung freudestrahlend in die Kameras. Dabei stürzte der Aktienkurs seines Unternehmens Wynn Resort damals täglich immer weiter ab. Vor einem Jahr markierte der Kurs bei rund 15 Dollar schließlich ein Tief.


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Doch Wynn hat schon viele Krisen durchgestanden. Er wird auch die­se schaffen. Inzwischen notiert die Aktie wieder bei 67 Dollar. Die Bilanz gilt im Gegensatz zu der der beiden großen Gegenspieler in Las ­Vegas, Sands und MGM, als robust. Vor allem MGM leidet unter einer ­erdrückenden Schuldenlast von 12,5 Milliarden Dollar. Doch machte MGM-Finanzchef Dan D’Arrigo vor einer Woche seinen Aktionären Hoffnung, als er mit seinen Gläubigern ein Kreditpaket verlängerte. Der ­Manager bezeichnete die Übereinkunft als „Meilenstein“: Ein 5,55-Milliarden-Dollar-Kredit wird nicht im Oktober 2011 fällig, sondern erst zwei Jahre später.

Mit der Bank of America, Royal Bank of Scotland und JP Morgan verhandelt D’Arrigo zudem über eine Umschuldung. Es geht darum, das Überleben des Kolosses sicherzustellen. „Es zeigt sich, dass der Umgang der Banken mit unserem Konzern stabiler geworden ist. Wir sind zwar noch nicht aus dem Gröbsten heraus, aber die Banken glauben wieder stark an uns. Und sie wissen, dass sich das Geschäft erholen wird“, resümierte D’Arrigo. Viel Hoffnung wird auf das MGM-Joint-Venture in Macau gesetzt. Ein Börsengang der asiatischen Tochter könnte zwischen 250 und 500 Millionen Dollar in die leer gefegte Kasse spülen. Überdies gibt es Überlegungen, das gerade ebenfalls im Rahmen eines Joint Ventures errichtete CityCenter in Las Vegas mitsamt Kasino, Hotel, Geschäften und Apartments abzuspalten.

Kasinoking Wynn hat keine Konkurssorgen. Der Mann, der von Forbes auf der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Rang 468 geführt wird, begann sein erstes großes Projekt 1989 mit dem Mirage. Damit löste er einen Bauboom in Las Vegas aus. Mit einem tropischen Regenwald im Inneren des Gebäudes und einem Vulkan­gelände im Außenbereich setzte er schon damals Akzente. Den 630 Millionen Dollar teuren Bau finanzierte Wynn über Junkbonds mithilfe des befreundeten Finanziers Michael Milken.

Schon damals galt das Mirage wegen seiner hohen Kosten und der luxuriösen Bauweise als Stein gewordener Größenwahn. Doch schuf das Kasino die Grundlage für den heutigen Reichtum des 68-jährigen Unternehmers, der in den 60er-Jahren klein anfing, als er das Bingo­geschäft seines Vaters übernahm. 1993 eröffnete Wynn mit dem Trea­sure Island Hotel and Casino ein weiteres Megaprojekt. Auf der Anlage, die 450 Millionen Dollar verschlang, sorgen täglich mehrere Piratenshows für das Amüsement der Gäste. Und mit dem Bellagio setzte Wynn noch eins drauf: Mit 1,6 Milliarden Dollar war das Projekt mit den angeschlossenen Restaurants Paris, New York und San Francisco damals das teuerste Hotel der Welt.

Die Reaktion der Konkurrenz ließ nicht auf sich warten. So errichtete Harrah’s Entertainment das Hotel Paris Las Vegas mit einer Nachbildung des Eiffelturms als Blickfang. 1997 startete Las Vegas Sands den Venetian-Prunkbau, einen der größten Fünf-Sterne-Komplexe der Welt mit über 4000 Suiten. In der schillernden Anlage schippern Gondo-lieri die Gäste fröhlich über ein Canal-Grande-Imitat. Angelockt von dem Hype und den billigen Krediten investierte Donald Trump nahe des Strip weitere Milliarden in ein Apartmenthochhaus. Der Boom in der Stadt der Sünden oder „Sin City“, wie die Amerikaner sie nennen, nahm Züge eines Goldrauschs an. Selbst Goldman Sachs riss sich vor drei Jahren, kurz vor dem Platzen der Blase, Carl Icahns Firma American Real Estate Partners unter den Nagel. Der Deal beinhaltete das Stratosphere Las Vegas Hotel and Casino mitsamt unbebautem Land. Die Investmentbank blätterte 1,3 Milliarden Dollar hin. Die lang ungebremste Bauwut bescherte Las Vegas die größte Hotelkapazität des Landes. Während die Stadt inmitten der Wüste Mitte der 70er-Jahre noch über rund 35 000 Zimmer verfügte, sind es inzwischen 150 000. Zum Vergleich: New York hat lediglich eine Kapazität von 80 000. Im Boomjahr 2007 lag die Auslastung an Wochenenden in Las Vegas bei traumhaften 95 Prozent. Selbst Firmen legten ihre Veranstaltungen und Trainings dorthin. Auch bewahrheitete sich die Befürchtung nicht, dass die Eröffnung anderer Glücksspielparadiese wie etwa Atlan­tic City dem verführerischen Ganz und Glamour der Wüstenstadt schaden könnte. Waren früher Gäste gekommen, um für 20 Dollar die Nacht in einer einfachen Herberge abzusteigen und ein paar Hundert Dollar zu verspielen, so kamen auf einmal die Schönen und Reichen wie Paris Hilton und verprassten Zehntausende. In den guten Zeiten ließen die Touristen in den Kasinos am Strip 15 Milliarden Dollar im Jahr. Von dieser Summe gaben sie 60 Prozent außerhalb des Glücksspiels aus, für Unterkunft, Restaurantbesuche und Shopping. Im Schnitt wirft jeder Reisende noch immer 532 Dollar in die Slot­maschinen beziehungsweise auf die Spieltische. 3,5 Tage dauert der Aufenthalt des typischen Gastes, der etwa 50 Jahre alt ist. 24 Prozent der Besucher reisen aus dem nahe gelegenen Süden Kaliforniens an, nur 15 Prozent kommen aus dem Ausland.

Seit der Wirtschaftskrise haben sich die Zeiten jedoch geändert. Es wird für die Betreiber immer schwieriger, die Zimmer zu füllen. So fallen die Preise immer mehr. Mittlerweile gibt es das Zimmer im Encore schon für gut 120 Dollar die Nacht – in Verbindung mit der Buchung eines Flug­tickets. „Mit aggressiven Werbeprogrammen, Paketangeboten und Spezialtarifen haben wir die Nachfrage stimuliert“, verkündet der örtliche Hotel- und Touristikverband stolz.

Dafür sank der durchschnittliche Übernachtungspreis um 22 Prozent auf 93 Dollar. Die Auslastung schrumpfte im vergangenen Jahr um 4,5 Prozentpunkte auf 81,5 Prozent. Für die erfolgsverwöhnte Stadt mag das natürlich ein Desaster sein, aber landesweit ist das der beste Wert im Vergleich mit allen anderen Metropolen. Während Manager wie Stephen Wynn noch sehr pessimistisch sind, blickt MGM-Finanzchef D’Arrigo bereits zuversichtlich nach vorn. Er prophezeit einen Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte, basierend auf seinen jüngsten Buchungszahlen. „Keiner weiß mehr über diese Stadt als wir. Ganz klar sehen wir positive Signale.“

Das Luxusparadies braucht dringend die Oberschicht. Leute wie Jack­lyn Lantaco und Matthew Manuel. Das Paar aus Florida heiratete am 20. Februar im Garten des Hotels Caesars Palace. Mehr als 50 Gäste verbrachten mit ihnen das Wochenende in dem römischen Palast. Das Paar wählte die Luxussuite, beschäftigte tagelang eine Hochzeitsplanerin und ließ sich in den Wellness­einrichtungen von Kopf bis Fuß verwöhnen. Wie zu Zeiten Cäsars. „Es ist fantastisch hier. Wir werden es nie vergessen.“

Investor-Info

Wynn Resorts: Gewinnzone in Reichweite
Der Konzern betreibt in Las Vegas die beiden Luxushotels Encore und Wynn. Zwar sank der Zimmerumsatz im vierten Quartal von 224 auf 178 Dollar. Doch ist der 21-prozentige Rückgang lediglich auf die Rezession zurückzuführen. Mit Nettoschulden in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar ist der Konzern weit besser als viele Wettbewerber wie etwa MGM aufgestellt. Im vierten Quartal dämmte das Management den Verlust von 159 auf nur noch fünf Millionen Dollar ein. Die Aktie ist ein spekulativer Kauf.

MGM Mirage: Alles oder nichts
Offiziell verbreitet die MGM-Führungsspitze Hoffnung auf eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Doch der ­Kasinoriese ist angesichts eines Schuldenbergs von zwölf Milliarden Dollar schwer angeschlagen. Die Wall Street ist entsprechend skeptisch. Bei einem Jahresumsatz von sechs Milliarden kommt MGM auf eine Marktkapitalisierung von 4,8 Milliarden Dollar. Zu den Groß­aktionären zählt Kirk Kerkorian. Bei rund zehn Dollar hat die Aktie eine starke Unterstützung. Abwarten, ob diese hält.

Las Vegas Sands: Ein Ass im Ärmel
In Las Vegas betreibt der Konzern die zwei Luxustempel The Venetian und das Palazzo. Angesichts eines zweiten starken Standbeins in Asien ist der Kasinobetreiber der stabilste unter den drei großen. Die jüngsten Zahlen lagen knapp unter den Erwartungen. Mit einem Kurs-Umsatz- und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,5 beziehungsweise 3,0 ist der US-Titel zwar kein Schnäppchen mehr, aber dafür überzeugt die gute Aufstellung in Fernost.

International Game Technology: Krisenjahr ist abgehakt
Der Glücksspielautomatenhersteller IGT litt heftig unter der Krise der Kasinobetreiber. Dennoch lag der Gewinn 2009 dank eines strikten Sparprogramms bei 149 Millionen Dollar. Da die Maschinen immer älter werden, müssen sie ersetzt werden, um die Touristen zum Spielen zu animieren. In den USA gibt es rund 900 000 Spielautomaten, über die Hälfte davon von IGT. Erholt sich der Sektor, steht der Kurs vor einer Aufholjagd.

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