ROUNDUP: IG Metall lehnt Nullrunde strikt ab
FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz eines erneuten Rückgangs ihrer Mitgliederzahl gibt sich die IG Metall für die anstehenden Tarifverhandlungen kampfbereit. Eine Nullrunde oder pauschale Eingriffe in die Entgelte lehnt Tarifvorständin Nadine Boguslawski für die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie im Herbst mit rund 3,8 Millionen Beschäftigten ab. Die Unternehmen müssten sich mit dem Tarifvertrag zu Innovationen, Investitionen und Qualifizierung bekennen.
"Wir sind konfliktbereit bei Unternehmensstrategien, die erst Gewinne machen und dann auf Tarifflucht und Verlagerungen ins Ausland setzen", sagt Boguslawski. Die Beschäftigten seien frustriert, wenn ihnen in der politischen Debatte vorgeworfen werde, sie seien zu faul und zu krank, ergänzt die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner mit Blick auf Diskussionen um Teilzeit oder Krankenstand. In den Betrieben herrsche eine "echt schwierige Stimmung" und eine hohe Konfliktbereitschaft.
Gemeinsam gegen die De-Industrialisierung
Die IG-Metall-Chefin fordert die Arbeitgeber auf, gemeinsam mit den Beschäftigten die De-Industrialisierung des Landes zu stoppen. Dazu stellte sie eine Initiative mit dem Titel "Arbeit und Aufschwung" vor. Es brauche ein klares Bekenntnis gegen Verlagerungen, Standortschließungen und Kündigungen. "Die IG Metall, ihre Betriebsräte und die Beschäftigten haben geliefert", sagte Benner. Auch die Politik bewege sich. Nun seien die Arbeitgeber am Zug, an den richtigen Stellen zu investieren und die Wertschöpfung in Europa zu halten.
Mit großer Sorge sehe sie Entwicklungen etwa in der Autoindustrie, Forschung und Entwicklung nach Asien zu verlagern, sagte Benner. Auf der anderen Seite gebe es stabile Industrien im Wandel und vielversprechende Zukunftsfelder. Dazu gehörten Produkte für die Mobilitäts- und Energiewende, Luft- und Raumfahrt, KI und Quantencomputing, Verteidigung und Sicherheit, Medizintechnik sowie Robotik.
Erneuter Mitgliederverlust
Die IG Metall agiert in der wirtschaftlichen Krise aus einer geschwächten Position. 2025 hat Deutschlands größte Gewerkschaft das siebte Jahr in Folge Mitglieder verloren. Zum Jahreswechsel zählte die Organisation noch 2.015.495 Mitglieder. Das waren 3,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Neben den rund 140.000 Stellenstreichungen in der Industrie machen sich auch die fehlenden Verhandlungen zum zentralen Tarifvertrag Metall und Elektro bemerkbar, bei denen die IG Metall üblicherweise verstärkt neue Mitglieder gewinnt. Im Jahr 2025 wurden gut 93.000 Menschen neu aufgenommen, so wenig wie seit dem Corona-Jahr 2021 nicht mehr.
Stabile Einnahmen
Auf die Mitgliedseinnahmen hat das geringere Auswirkungen, weil die Beiträge an die gestiegenen Verdienste der Beschäftigten gekoppelt sind. Schatzmeisterin Boguslawski kann trotz des Mitgliederschwunds eine neue Rekordeinnahme von 648 Millionen Euro verbuchen. Die Streikkasse bleibt damit ordentlich gefüllt. "Wenn wir uns mit den Arbeitgebern nicht einigen können, gehen wir in den Streik", warnt die Vorständin./ceb/DP/stw