31.01.2019 17:56

Aktie knickt ein: Software AG verdient deutlich mehr als erwartet - Teure Neuausrichtung

Umsatz schwächer: Aktie knickt ein: Software AG verdient deutlich mehr als erwartet - Teure Neuausrichtung | Nachricht | finanzen.net
Umsatz schwächer
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Die Software AG hat 2018 belastet von negativen Währungseffekten weniger umgesetzt als im Vorjahr.
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Die Profitabilität konnte der im https://www.finanzen.net/index/MDAX und TecDAX notierte Konzern jedoch steigern und verdiente unter dem Strich deutlich mehr als erwartet. Das Software-Unternehmen stellte zudem seine neue Unternehmensstrategie für nachhaltiges Wachstum vor. Für das laufende Jahr erwartet Software AG weiteres Wachstum.

Auf Basis vorläufiger Zahlen ging der Umsatz um 2 Prozent auf 865,7 Millionen Euro zurück. Die negativen Währungseffekte bezifferte das Unternehmen auf 26,7 Millionen Euro. Währungsbereinigt legten die Erlöse um 2 Prozent zu. Vor Zinsen und Steuern (EBIT) verdiente die Software AG mit 231,6 Millionen Euro 4 Prozent mehr. Die Marge verbesserte sich damit auf 26,9 Prozent von 25,3 Prozent. Der Gewinn nach Steuern stieg um 17 Prozent auf 165,2 Millionen Euro.

Umsatz und EBIT lagen im Rahmen der Markterwartungen. Beim Nachsteuergewinn hatten Analysten im Konsens mit einem geringeren Anstieg auf 63 Millionen Euro gerechnet.

Neuer Chef verordnet Software AG teuren Wachstumskurs

"Im fünfzigsten Jahr unseres Bestehens werden wir einen neuen, mutigen Weg einschlagen", sagte der seit August amtierende neue Vorstandschef Sanjay Brahmawar am Donnerstag in Darmstadt. Er will die schnell wachsende, aber noch junge Sparte für Maschinensoftware besser mit der größten Sparte für Integrationssoftware kombinieren und setzt dazu auch verstärkt auf Partnerschaften.

Durch einen Umbau von Strukturen und eine stärkere Verlagerung auf Mietsoftware will der Manager den Konzern wieder auf die Wachstumsschiene führen. Mittelfristig soll das Unternehmen bis 2023 im Digitalgeschäft um jährlich im Schnitt mehr als 10 Prozent wachsen, der Anteil wiederkehrender Erlöse soll hier auf 85 bis 90 Prozent des Umsatzes steigen.

"Wir haben außergewöhnlich starke Produkte, finanzielle Stärke und enormes Talent im Unternehmen", sagte Brahmawar der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. "Aber wir haben zu wenig in unsere Marke investiert und in die Kundenansprache. Zudem müssen wir unser Produktangebot straffen und stärker auf ein Ökosystem mit Partnerschaften setzen."

Bei der Integrationssoftware zur Vernetzung von IT-Systemen geht der Konzern von einem Wachstum von währungsbereinigt zwischen 3 und 7 Prozent aus, wenn die Geschäfte mit der Maschinensoftware und aus der Cloud ausgeklammert werden. Dieser noch kleine Bereich soll mit 75 bis 125 Prozent aber deutlich schneller zulegen als von Experten erwartet. Im angestammten Datenbankgeschäft rechnet die Software AG mit einem Rückgang von bis zu 5 Prozent

50 Millionen Euro für Umbau plus Übernahmen

Zunächst werden die Weichenstellungen aber auch Geld kosten. "Wir werden in unserer strategischen Neuausrichtung sowohl zusätzliche Investitionen tätigen als auch Ausgaben für Forschung und Entwicklung stärker in Zukunftsbereiche lenken", sagte der Manager. Im laufenden Jahr steckt das Unternehmen rund 50 Millionen Euro in den Umbau, rund die Hälfte davon sind zusätzliche Investitionen.

Bei der Marge des operativen Ergebnisses (bereinigtes Ebita) geht Finanzchef Arnd Zinnhardt 2019 daher auch von einem Rückgang auf 28 bis 30 Prozent aus nach 31,5 Prozent im Vorjahr. Analysten hatten sich deutlich mehr erhofft. Ab 2020 soll das Lizenzerlösmodell des Unternehmens auf ein Abonnentensystem umgestellt werden - Umsätze fließen dann nach und nach als Miete, nicht als Einmalbeitrag. Das soll noch einmal bis zu 2 Prozentpunkte bei der Marge kosten.

"Auch wenn angesichts unseres Schwenks hin zu Mietsoftware die Zahlen bei Umsatz und Ergebnis ab 2020 beeinträchtigt werden, sehen wir schon in diesem Jahr einen deutlich besseren Trend im Geschäft", sagte Brahmawar. Bereits 2021 soll sich das auch wieder in den Erlösen und bei der Marge widerspiegeln. Ergänzt werden könnte das Wachstumsprogramm durch Übernahmen. "Für Zukäufe könnten wir sicherlich 1 bis 1,5 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um uns etwa bei der Datenanalyse oder im IoT-Geschäft zu stärken. Unsere strategische Neuausrichtung ist aber vorwiegend auf organisches Wachstum ausgerichtet", so Brahmawar.

Anleger wenig erfreut

Die Kehrseite des neuen Wachstumskurses hat die Aktien der Software AG am Donnerstag zeitweise das komplette Kursplus des bisherigen Jahres gekostet. Die Papiere der Darmstädter sackten im Xetra-Geschäft um bis zu 9,5 Prozent auf 30,46 Euro ab, bevor das Minus auf zuletzt 5,82 Prozent und damit einen Stand von 31,70 Euro zusammenschmolz.

Im Fokus stünden die schwächeren Signale für die Profitabilität, erklärte Analyst Gautam Pillai von Goldman Sachs. Denn das Unternehmen stellt die Weichen neu, was zunächst Geld kosten wird. Pillai geht davon aus, dass die Gewinnerwartungen am Markt um einen einstelligen Prozentbetrag gekappt werden.

Auch seine Kollegin Stacy Pollard von JPMorgan sprach von einem sehr durchwachsenen Ausblick: Dabei liege die für 2019 avisierte Marge des operativen Ergebnisses (bereinigtes Ebita) mit 28 bis 30 Prozent klar unter den Markterwartungen, die mit 31,6 Prozent bislang knapp über dem Vorjahresniveau gelegen habe.

Besser klinge da das mittelfristige Ziel, den operativen Barmittelzufluss um 5 bis 10 Prozent zu steigern, so die JPMorgan-Expertin. Allerdings sei das genaue Timing hierfür unklar.

FRANKFURT (Dow Jones)

DARMSTADT (dpa-AFX)

Bildquellen: Nigel Treblin/Getty Images, Software AG

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