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05.03.2019 10:00
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Näher und persönlicher: Vermögensverwaltung für Frauen

Vermögensverwalter-Kolumne: Näher und persönlicher: Vermögensverwaltung für Frauen | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne
Frauen neigen zu weniger Risiko in der Geldanlage und schätzen ein enges, vertrautes Verhältnis zu einer Beraterin mit ähnlichen Lebenserfahrungen. Verständnis für bestimmte Situationen und Planungen spielt eine entscheidende Rolle.
Die Vergangenheit sah Händler, die mit Papierschnipseln Aufträge vergaben und abwickelten, durch Zuruf und später auch durch Eingaben am Rechner. Wer etwas in den Handelssaal schrie, wollte in der Regel auch erhalten oder verkaufen, was er nachfragte oder anbot. Ob er zu dem ausgerufenen Preis auch einen Gegenpart fand war "Invest like a Woman" - "Investiere wie eine Frau!" So lautet der Slogan der US-amerikanischen Anlageberatung Ellevest. Das Unternehmen ist mit seinen speziell auf Frauen zugeschnittenen Vermögensverwaltungsleistungen sehr erfolgreich - doch warum eigentlich? Welchen Unterschied kann es schon in der Vermögensverwaltung "für Männer" und der Vermögensverwaltung "für Frauen" geben? Sind Wertpapiere nicht immer Wertpapiere und Renditen immer Renditen?

Daran gibt es keinen Zweifel, natürlich nicht. Aber dennoch gehen die Ansätze in Verwaltung und Beratung bei den Geschlechtern bisweilen auseinander. Das hat einen einfachen Grund: Frauen neigen in der Regel weniger stark zum Risiko als Männer. Das soll nicht heißen, dass es keine Männer gibt, die vorsichtige Anleger sind, und keine Frauen, die risikoaffin sind. Aber aufgrund der typischen Lebenssituationen sind Frauen eher geneigt, auf ihr Vermögen sehr stark aufzupassen und es keinen überdurchschnittlichen Risiken auszusetzen.

Das rührt insbesondere daher, dass Frauen oftmals durch die Kinder beruflich zurückstecken und weniger leicht eigenes Vermögen aufbauen können als der Mann, der auch als Familienvater durcharbeitet - und dann stellen sie sich die Frage, wie sie die Zukunft auch dann finanziell absichern können, wenn es beispielsweise zu einer Scheidung kommt. Dass bei diesen Gedanken der Vermögensschutz stärker im Fokus steht als die Renditemaximierung, versteht sich beinahe von selbst.

Ebenso häufig kann man in der Praxis erleben, dass Frauen mit der Geldanlage überfordert sind, vor allem Seniorinnen. Sie haben dann von ihrem Mann geerbt, der aber immer alle Geldgeschäfte selbst und allein erledigt hat. Mit der Folge, dass sich die Frauen dann nicht trauen, das Geld sinnvoll zu investieren, sondern es eher auf dem Sparbuch liegenlassen. Oder aber ihnen werden Bank- oder Versicherungsprodukte verkauft, die mit hohen Gebühren ausgestattet sind. Sie benötigen dann Beratung auf Augenhöhe, die Vertrauen aufbaut und die Kundinnen da abholt, wo sie wirklich stehen. Und es ist sehr wichtig, dieses Gefühl immer wieder zu vermitteln.

Die Erfahrung zeigt, dass sich Frauen gerne von Frauen beraten lassen, weil eben das Verständnis für die besonderen Bedürfnisse in der Regel eher gegeben ist. Anlegerinnen erhalten damit eine Ansprechpartnerin, die die Lebensumstände und Sorgen nachvollziehen kann und vielleicht sogar aus eigener Anschauung professionelle Hinweise zur persönlichen Vermögensplanung machen kann - abseits aller technischen Fakten und Details zur Kapitalanlage. Daher spielt die persönliche Komponente eine erhebliche Rolle: Die Vermögensberatung von Frauen für Frauen bezieht regelmäßig viele Lebensbereiche mit ein und berührt das Privatleben stark.

Das bedeutet aber nicht, dass sich das Vorgehen in der Kapitalanlage ändert. Es kommen abhängig vom Risikoprofil und der gewählten Anlagestrategie die gleichen Wertpapiere zum Einsatz wie in anderen Depots auch. Und genauso darf ein sehr persönliches Verhältnis zwischen Kundin und Beraterin auch nicht dazu führen, dass bestimmte Grundprinzipien in der Kapitalanlage ignoriert werden. Dazu zählt vor allem das Gebot des emotionslosen Investierens: Persönliche Verbundenheit und vielleicht sogar Betroffenheit aufgrund bestimmter Umstände dürfen keine emotionsgetriebenen Investmententscheidungen auslösen.

Das heißt: Emotionen sind der Vermögensverwaltung bei Frauen erlaubt - aber sie dürfen keine Investmentprozesse beeinflussen. Wichtig ist, mit großer persönlicher Nähe die Lebensumstände zu erfassen und daraus eine Depotstruktur abzuleiten, die die Kundin versteht. Und dann kommt es nicht auf das nackte Ergebnis an.

von Nicole Wittinghofer, Vermögensverwalterin bei I.C.M. Independent Capital Management in Neuss

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