Verteidigung

Nahostkrieg: USA und Israel geben Gründe für Krieg gegen den Iran

03.03.26 16:30 Uhr

Nahostkonflikt eskaliert: USA & Israel vs. Iran | finanzen.net

Führende US-Republikaner rücken zur Begründung für den Angriff auf den Iran zunehmend Israels Agieren in den Fokus.

"Israel war entschlossen, hier zu seiner eigenen Verteidigung zu handeln, mit oder ohne amerikanische Unterstützung", sagte der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson. US-Außenminister Marco Rubio sagte Journalisten: "Die unmittelbare Gefahr bestand darin, dass wir wussten, dass der Iran, wenn er angegriffen würde - und wir gingen davon aus, dass er angegriffen werden würde -, sofort gegen uns vorgehen würde."

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"Wir wussten, dass es zu einem israelischen Eingreifen kommen würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf die amerikanischen Streitkräfte auslösen würde", führte Rubio weiter aus. Die USA seien zu der Einschätzung gekommen, dass sie mehr Verletzte und Tote zu verzeichnen hätten, wenn sie unter diesen Umständen nicht "präventiv" gegen den Iran vorgegangen wären. "Wir haben proaktiv auf defensive Weise gehandelt, um zu verhindern, dass sie größeren Schaden anrichten." Bisher kamen sechs US-Soldaten ums Leben.

Irans Außenminister wies die US-amerikanischen Vorwürfe zurück. Es habe nie eine sogenannte iranische Bedrohung gegeben, schrieb Abbas Araghtschi auf X. "Die USA sind im Namen Israels in einen Krieg ihrer Wahl eingetreten", schrieb der Minister. Dass amerikanisches und iranisches Blut vergossen werde, gehe auf das Konto derjenigen, die Israel an erste Stelle setzen.

Netanjahu: Angriff auf den Iran war unumgänglich

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte dem US-Fernsehsender Fox News: "Der Grund, warum wir jetzt handeln mussten", sei, dass der Iran nach den Bombardierungen seiner Atomanlagen und seiner Raketenarsenale im vergangenen Jahr mit dem Bau "neuer Anlagen, unterirdischer Bunker" begonnen habe. Das Raketen- und "Atombombenprogramm" wäre sonst "innerhalb von Monaten" unangreifbar gewesen, behauptete Netanjahu. Wenn man jetzt nicht gehandelt hätte, "hätte man in Zukunft nichts mehr tun können".

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Auf die Frage von Fox News, ob er US-Präsident Donald Trump in den Krieg "hineingezogen" habe, lachte der israelische Regierungschef und sagte, das sei "lächerlich". "Donald Trump ist der stärkste Anführer der Welt. Er tut das, was er für richtig für Amerika hält", sagte Netanjahu.

Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Johnson, sagte nach einem Iran-Briefing, die US-Regierung habe wegen Israels Entschlossenheit zum Angriff eine schwierige Entscheidung treffen müssen.

Er sei überzeugt, dass die US-Regierung das Richtige getan habe, sagte Johnson. "Das Ziel war nicht ein Regimewechsel." Vielmehr stünden die Zerstörung des Raketenprogramms sowie der Marine des Irans im Fokus.

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Vance: Machtwechsel im Iran ist nebensächlich

US-Vizepräsident JD Vance sagte dem Sender Fox News, in einer "perfekten Welt" würden die USA es begrüßen, wenn jemand im Iran an die Macht käme, der bereit sei, mit den USA zu kooperieren. Das vorrangige Ziel Trumps sei aber, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelange. Dafür sei es letztlich nebensächlich, was mit der Führung in Teheran passiere, sagte er.

Israel hatte den Iran bereits im Juni vergangenen Jahres angegriffen. Das US-Militär hatte sich knapp eine Woche später dem Verbündeten angeschlossen und die iranischen Atomanlagen bombardiert. "Man könnte meinen, sie hätten ihre Lektion gelernt, aber das haben sie nicht, denn sie sind unverbesserlich. Sie sind völlig fanatisch, was ihr Ziel angeht, Amerika zu zerstören", behauptete der israelische Ministerpräsident Netanjahu beim US-Fernsehsender Fox News.

Israel greift im Iran und im Libanon weiter an

Die israelische Armee hatte zuvor nach eigenen Angaben bei einer weiteren Angriffswelle die staatliche iranische Rundfunkanstalt IRIB in der Hauptstadt Teheran bombardiert. Der Chef des Senders bestätigte den Angriff zwar, betonte aber zugleich, der Sendebetrieb gehe weiter. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts mitgeteilt. Die iranischen Behörden haben das Internet nach Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe am Samstag gesperrt.

Die israelische Armee griff zudem in der Nacht erneut im Libanon an. Ziele seien Kommandozentralen und Waffenlager der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz in der Hauptstadt Beirut, teilte die Armee mit. Als Reaktion auf die Tötung des obersten Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte die Hisbollah in der vorherigen Nacht Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär greift seitdem Ziele in dem nördlichen Nachbarland an, darunter in Beirut.

Auch USA und Iran kündigen Ausweitung der Angriffe an

Die USA wollen ihre Attacken im Iran nach den Worten von US-Präsident Trump deutlich verstärken. "Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen", sagte er dem Sender CNN. "Die große Welle kommt bald." Er gehe von etwa vier bis fünf Wochen Krieg aus. Notfalls könne es aber auch länger dauern. Der Iran wäre nach seinen Worten schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen auch US-Territorium zu treffen.

Auch der Iran kündigte eine Ausweitung der Angriffe an. Die Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht der Islamischen Republik, feuerten nach eigenen Angaben seit Beginn des Kriegs Hunderte ballistische Raketen und mehr als 700 Drohnen auf Ziele in Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion ab.

Die US-Botschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad wurde nach vorläufigen saudischen Angaben von zwei Drohnen angegriffen. Es sei ein "begrenztes Feuer" ausgebrochen, aber nur geringer Sachschaden entstanden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Acht weitere Drohnen seien nahe Riad und Al-Chardsch, rund 80 Kilometer südlich, abgefangen und zerstört worden. Das US-Außenministerium ruft wegen der Eskalation die eigenen Landsleute in mehr als einem Dutzend Ländern im Nahen Osten auf, diese sofort zu verlassen.

Schwere Bombardierung erschüttern Teheran und Vororte

Die iranische Hauptstadt Teheran ist erneut von schweren Bombardierungen erschüttert worden. Auch am Rand der östlichen Pendlerstadt Pardis schlugen rund ein Dutzend Raketen ein, wie iranische Medien berichteten. In den Hochhäusern der Neubaugebiete zitterten die Fenster, wie Bewohner der Deutschen Presse-Agentur berichteten. Auf Videos in sozialen Medien waren graue Rauchschwaden über den Hügeln am Rand des Albors-Gebirges zu sehen.

Bewohner der Millionenmetropole Teheran, Zuhause für rund 15 Millionen Menschen, berichteten von einer schlaflosen Nacht. "Die Fenster haben gezittert und das Geräusch von Kampfjets war am Himmel zu hören", sagte Mohammed, ein 34 Jahre alter Journalist. "Ich habe versucht, meine Frau zu beruhigen, obwohl ich selbst geschockt war." Es seien die bislang schwersten Bombardierungen gewesen. "Aber ich habe das Gefühl, dass noch schwierigere solcher Nächte kommen und ich mich irgendwie darauf vorbereiten muss."

Ehsan (32), Angestellter bei einer Behörde, hatte gerade einen Freund zu Besuch. Sie sprachen über Krieg, US-Präsident Donald Trump und dessen Worte, wonach noch größere Angriffe folgen sollen. Plötzlich knallte es im Stadtzentrum. "Wir sind beide voller Angst auf das Dach gegangen, um uns umzuschauen. Überall stiegen Rauchsäulen auf", sagte er. "Ich habe zu meinem Kollegen gesagt, vielleicht hat heute Nacht der Krieg erst richtig begonnen."

IAEA: Neue Schäden an Gebäuden iranischer Atomanlage

Inmitten der Angriffe Israels und der USA gegen den Iran hat die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natans bestätigt. Die Organisation geht nicht davon aus, dass Radioaktivität freigesetzt und die Anlage weiter beschädigt worden ist, wie sie mitteilte.

Israel und die Vereinigten Staaten hatten bereits im vergangenen Sommer Einrichtungen des iranischen Atomprogramms bombardiert und schwer beschädigt - darunter auch Natans, wo die Anlage zur Anreicherung von Uran steht. Die Technologie kann zur Herstellung von Reaktor-Brennstoff oder auch Atomwaffen genutzt werden - Teheran bestreitet aber, solche Waffen zu entwickeln.

Zunächst widersprüchliche Angaben

Am Montag hatte IAEA-Chef Rafael Grossi in einer Sondersitzung des IAEA- Gouverneursrates noch berichtet, dass es im Zuge der jüngsten israelischen und US-amerikanischen Angriffe keine Anzeichen auf Treffer oder Schäden an Atomanlagen des Iran gebe. Teherans Vertreter bei der IAEA, Resa Nadschafi, hatte dagegen von einem Angriff auf die Anlage in Natans gesprochen.

Irans Atomchef Mohamed Eslami verurteilte die Angriffe in einem Schreiben an IAEA-Chef Grossi scharf, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna berichtete. Er forderte die UN-Atomwächter auf, die Luftangriffe zu verurteilen. Seinen Worten nach erfolgte der Angriff in Natans bereits am Sonntag.

Atomverhandlungen erneut gescheitert

Vor den aktuellen israelisch-amerikanischen Angriffen hatten Regierungsvertreter aus Teheran und Washington über das umstrittene Atomprogramm verhandelt. Am vergangenen Donnerstag noch waren Delegationen beider Staaten zu einer dritten Gesprächsrunde dieses Jahr in Genf zusammengekommen. Einen Durchbruch gab es nicht. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump der iranischen Führung ein Ultimatum für eine Einigung gesetzt.

Die USA wollten mit den Verhandlungen erreichen, dass die Führung in Teheran daran gehindert wird, Atomwaffen zu entwickeln. Irans Regierung bestreitet entsprechende Absichten, zeigte sich jedoch bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen. Im Gegenzug forderte Teheran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen.

Noch während der Atomverhandlungen mit den USA hat sich der Iran nach Darstellung Washingtons gerühmt, genug hochangereichertes Uran für elf Atombomben zu besitzen. Dies sagte der US-Sondergesandte Steve Witkoff in einem Interview mit dem Sender Fox News.

Atomanlagen bereits im Sommer 2025 bombardiert

Im Sommer 2025 hatten die USA mit Tarnkappenbombern und Marschflugkörpern die drei wichtigsten iranischen Atomanlagen attackiert. Ziel waren die Urananreicherungsanlagen in Natans und Fordo sowie ein großes Nuklearzentrum bei Isfahan. US-Präsident Trump sprach damals von einer völligen Zerstörung der Anreicherungsanlagen. Eine erste Einschätzung des Militärgeheimdienstes DIA sah das iranische Atomprogramm dagegen nur um einige Monate zurückgeworfen. Die Angriffe erfolgten damals nur einen Tag vor einer geplanten sechsten Verhandlungsrunde zwischen Iran und den USA. /ln/DP/stk

WASHINGTON (dpa-AFX)

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