14.08.2022 16:57

Welche Notenbanken sind eigentlich börsennotiert?

Zentralbanken an der Börse: Welche Notenbanken sind eigentlich börsennotiert? | Nachricht | finanzen.net
Zentralbanken an der Börse
Folgen
Notenbanken bestimmen die Geldpolitik von Staaten und Staatengemeinschaften auf der ganzen Welt. Doch nicht alle Zentralbanken sind in staatlicher Hand - an einigen können sich sogar Privatanleger beteiligen.
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• Zentralbanken als Währungshüter unabhängig
• Einige Zentralbanken sind börsennotiert
• Wenig rentable Investments


Notenbanken sind formal unabhängig. Das war nicht immer so, in der Vergangenheit nahmen Staaten bewusst Einfluss auf die Währungspolitik. "Umfangreiche empirische Daten und theoretische Analysen haben gezeigt, dass unabhängige Zentralbanken besser in der Lage sind, die Inflationsrate niedrig zu halten", heißt es diesbezüglich etwa auf der Website der Europäischen Zentralbank EZB.

Doch auch wenn Notenbanken heute nicht mehr zwangsläufig staatliche Ziele verfolgen, ist ein großer Teil der internationalen Währungshüter dennoch in staatlicher Hand. Dazu gehört etwa die Reserve Bank of India, die 1949 verstaatlicht wurde. Auch die Bank of England, die bis 1946 ein privates Institut war, gehört zu 100 Prozent dem Staat - auch wenn sie weitgehend politisch unabhängig agiert. Die Ausschussmitglieder, die in der Bank of England monatlich Leitzinsentscheidungen treffen, sind vom britischen Schatzkanzler ernannt.

Einige Zentralbanken haben Privataktionäre

Einige Zentralbanken sind allerdings auch als Aktiengesellschaften organisiert, an denen Privatanleger Anteile erwerben können und deren Aktien öffentlich an der Börse gehandelt werden. Das hat in der Regel historische Gründe, heißt aber nicht, dass Anteilseigner einer Zentralbank auch Mitspracherecht bei der Geldpolitik haben.

Die Schweizerische Nationalbank SNB

Das prominenteste Beispiel ist die Schweizerische Nationalbank SNB, die als spezialgesetzliche Aktiengesellschaft des Bundesrechts agiert.

Seit der Gründung der Nationalbank im Jahr 1907 sind die Aktien bereits an Schweizer Börsen kotiert, heute werden die Anteile an der SIX Swiss Exchange gehandelt.
Die Verwaltung der Bank erfolgt unter Mitwirkung und Aufsicht des Bundes nach den Vorschriften des Nationalbankgesetzes. Konkret sind SNB-Aktien als Namensaktien konzipiert: Rund 55 Prozent des gesamten Aktienkapitals befindet sich in öffentlicher Hand. Dabei sind insbesondere Schweizer Kantone und Kantonalbanken Anteilseigner des Instituts. Die übrigen 45 Prozent der SNB-Aktien befinden sich den Angaben der Nationalbank zufolge "grösstenteils im Besitz von Privatpersonen". Als börsennotiertes Unternehmen unterliegt die Nationalbank den für Emittenten verbindlichen Vorschriften der Schweizer Börse und veröffentlicht daher regelmäßig Zwischenberichte, um über die Geschäftsentwicklung zu berichten.

Die Schweizerische Nationalbank ist funktionell, finanziell und personell unabhängig. Der Bund selbst besitzt keine Aktien.

Die Gewinnermittlung ist im Nationalbankgesetz geregelt: Die Nationalbank bildet Rückstellungen um die Währungsreserven auf der geld- und währungspolitisch erforderlichen Höhe halten zu können, dafür nehmen die Währungshüter die Entwicklung der schweizerischen Volkswirtschaft als Orientierungspunkt.
Grundsätzlich steht jedem Anleger aus der Schweiz oder dem Ausland offen, Anteilsscheine an der SNB am öffentlichen Markt zu erwerben oder wieder zu verkaufen. Aktionäre profitieren von der Gewinnentwicklung in Form einer Dividende, die höchstens sechs Prozent des Aktienkapitals beträgt. Der übrige Gewinn geht zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Dritteln an die Kantone.
Das Mitbestimmungsrecht der Anteilseigner ist verglichen mit dem anderer privatrechtlicher Aktiengesellschaften aber limitiert. So ist das Stimmrecht von Privataktionären auf 100 Stimmen limitiert, mehr als 15 Franken pro Aktie sind an Dividende zudem nicht möglich.

Die Bank of Greece

Mit der Bank of Greece ist noch eine weitere europäische Nationalbank börsennotiert. 100 Prozent des Aktienkapitals liegt in den Händen von Privataktionären, sie befindet sich damit vollständig in privatem Besitz.

Die Bank wurde im Jahr 1827 gegründet, bereits drei Jahre später erfolgte die Notierung der Bank of Greece-Aktien an der Börse in Athen. Der Anteil des Staates an der Bank darf per Gesetz nicht über 35 Prozent liegen, Privatanleger halten also zu jeder Zeit die Aktienmehrheit und können ihre Anteile am freien Markt kaufen und verkaufen.

Das Grundkapital der Bank of Greece beträgt derzeit 111.243.361,60 Euro, verteilt auf 19.864.886 Aktien. In den vergangenen Jahren hat die Bank of Greece regelmäßig eine Dividende gezahlt.

Auch die Bank of Greece ist - ebenso wie die SNB - unabhängig und nimmt keine Weisungen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben als Währungshüterin entgegen. Die Zentralbank von Griechenland ist Mitglied des Europäischen Systems der Zentralbanken.

Banque Nationale de Belgique

Auch die dritte börsennotierte Zentralbank liegt in Europa, genauer gesagt in Belgien. 50 Prozent des Aktienanteils der Banque Nationale de Belgique sind in Staatsbesitz, die übrigen 50 Prozent verteilen sich auf Privataktionäre. 400.000 Anteilsscheine der belgischen Nationalbank sind im Umlauf, die 200.000 Aktien im Privatbesitz sind als Namensaktien oder stückelose Aktien konzipiert und können an der Euronext in Brüssel frei gehandelt werden. Der Bank zufolge hält - abgesehen vom belgischen Staat - kein Anteilseigner eine Beteiligung von über fünf Prozent.

Auch die belgische Nationalbank schüttet eine Dividende an ihre Anteilseigner aus, die aus zwei Komponenten besteht. Die erste Dividende beträgt sechs Prozent des Aktienkapitals, hinzu kommt eine vom Regentenrat festgelegte zweite Dividende, die auf "50 % des Nettoerlöses der als Gegenposten zu den Rücklagen gehaltenen Aktiva (die "satzungsmäßigen Rücklagen") festgelegt" wurde.

Die Rechte der NBB-Aktionäre sind unterdessen verglichen mit denen von Anteilseignern anderer börsennotierter Unternehmen eingeschränkt. Die NBB versteht sich auch selbst als "untypische Aktiengesellschaft", da die Börsennotierung der Nationalbank vorrangig historische Gründe hat, weil sie bei der Gründung 1859 vom Gesetzgeber als Aktiengesellschaft aus der Taufe gehoben wurde.

Für Anleger bedeutet dies: Sie dürften weder die Höhe des zu verteilenden Gewinns mitbestimmen, noch den Jahresabschluss genehmigen oder bei Entlassungen von Amtsinhabern mitsprechen. All diese Rechte, die üblicherweise bei der Aktionärshauptversammlung liegen, werden bei der NBB vom Regentenrat ausgeübt, der sich aus Vertretern der sozialen und wirtschaftlichen Kreise Belgiens zusammensetzt.

Japanische Notenbank

Auch die japanische Notenbank Bank of Japan gehört zu den börsennotierten Zentralbanken. An diesem Institut hält der Staat die Mehrheit: 55 Prozent. Die restlichen 45 Prozent sind in den Händen privater Aktionäre. Anders als bei der SNB, der Bank of Greece und der Belgischen Nationalbank sind Aktien der BoJ nicht in Deutschland handelbar.

Aktionäre der Bank of Japan erhalten weder Dividenden, noch sind die Anteilsscheine mit Stimmrecht ausgestattet. Die Bankgewinne, also alle Nettoeinnahmen, gehen nach Abzug von Steuern und Ausgaben direkt an den Staat und gelten als nationales Eigentum. Eigenen Angaben zufolge ist die BoJ keine Aktiengesellschaft und hält auch keine Aktionärsversammlungen ab.

Sie gilt als währungspolitisch unabhängig und ist in Hinblick auf Währung und Geldkontrolle daher autonom, heißt es in auf der Webpräsenz der Währungshüterin. Die Kontrolle der Regierung über die Zentralbank wurde im Jahr 1998 massiv eingeschränkt, insbesondere im Hinblick auf die Überwachungsfunktion des Staates.

Lohnt ein Notenbank-Investment?

Vor dem Hintergrund, dass die Gewinnausschüttungen der börsennotierten Nationalbanken nicht vorhanden oder äußerst überschaubar sind und Anteilseigner zudem kaum Mitbestimmungsrechte im Hinblick auf die Unternehmenspolitik haben, stellt sich die Frage, wieso Anleger ihr Geld in Zentralbank-Aktien anlegen sollten.

Die Anlagen sind wenig bis nicht rentabel und allein mit Blick auf die Aktienkursentwicklung gibt es deutlich vielversprechendere Anlageoptionen am Markt. Denn Zentralbanken sind nicht per se profitorientierte Unternehmen, übliche Maßstäbe für börsennotierte Konzerne greifen hier also nicht.

Eine Börsennotierung der Zentralbanken ist in der Regel ein historisch gewachsenes Konstrukt und hat wohl eher Symbolcharakter. Hinzu kommt, dass Aktien von SNB & Co. selten gehandelt werden, was die Anteilsscheine zu wenig liquiden aber potenziell volatilen Investments macht.

Redaktion finanzen.net

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