14.09.2018 11:00

Infrastruktur-Investments: Wie Anleger mitverdienen können

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Die Anforderungen an Ausbau und Erhalt von Transportwegen, Energie- und Wasserversorgung sind riesig. Immer mehr Geld fließt in Straßen und Schienen.
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von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Genua steht unter Schock. Mitte August zerbarst ein Abschnitt der Morandi-Brücke, die den Westen und den Osten der italienischen Hafenstadt miteinander verbindet. Bei dem Unglück starben 43 Menschen, die mit ihren Fahrzeugen in die Tiefe stürzten. Weitere wurden verletzt, auch solche, die in den Häusern unter der Brücke leben. Weil die Gefahr besteht, dass erneut Teile einbrechen, dürfen rund 600 Personen zurzeit nicht in ihre Wohnungen.


Quälend wird nun nach einer Antwort auf die Frage gesucht, wer die Schuld an der Katastrophe trägt. Im Kreuzfeuer der Kritik steht der Betreiber der Autobahnbrücke, das italienische Unternehmen Autostrade, Teil des Atlantia-Konzerns. Ihm wird vorgeworfen, notwendige Reparaturen nur spärlich durchgeführt zu haben. Der Konzern wies die Anschuldigungen zwar zurück und betonte, die Brücke sei ordnungsgemäß gewartet worden. Doch der Aktie half das nicht. Sie verlor seit dem Unglück 31 Prozent ihres Werts.


Die Katastrophe von Genua lenkt den Blick einmal mehr auf den Infrastruktur­sektor. Betreiber von Mautstraßen gehören genauso dazu wie Flughäfen und Eisenbahngesellschaften, Energie- und Wasserversorger, Anbieter von Kabel- und Funknetzen. Das Betätigungsfeld der Gesellschaften ist extrem weit, doch ihnen ist gemein, dass sie die Grund­versorgung der Bevölkerung und ihre Mobilität sicherstellen.

Eine Mammutaufgabe

Die Anforderungen an die Infrastruktur sind riesig, der finanzielle Bedarf ebenfalls. In Schwellen- und Entwicklungsländern steht der Aufbau von In­frastruktur im Vordergrund. In vielen Staaten hemmt das Fehlen von Transportwegen für Menschen, Waren und Rohstoffe die wirtschaftliche und humanitäre Entwicklung. In den Industrie­nationen geht es dagegen zum einen darum, neue Technologien zu implementieren, etwa erneuerbare Energien oder Funknetze auszubauen. Zum anderen muss die vorhandene Infrastruktur instand gehalten werden. "Das Unglück von Genua zeigt, dass es essenziell für Regierungen ist, nicht nur neue Infrastruktur bauen zu lassen, sondern auch alte reparieren und ersetzen zu lassen", sagt Wilson Magee, Chef der Abteilung für Immobilien- und Infrastruktur­aktien bei Franklin Templeton.



Welche Prognosen man auch anschaut, alle belegen den zunehmenden Bedarf. Die Stromerzeugung etwa soll laut US-Energiebehörde EIA weltweit bis 2040 um 45 Prozent gegenüber 2015 zulegen. Auch die Urbanisierung schreitet voran. "Gerechnet auf das erwartete Bevölkerungswachstum werden bis 2050 etwa 2,5 Milliarden Menschen in die Städte ziehen", weiß Dirk Rogowski, Geschäftsführer bei Veritas Investment. Und der internationale Luftfahrtverband IATA prognostiziert, dass die Passagierzahlen weltweit von 4,1 Milliarden im vergangenen Jahr auf 7,8 Milliarden im Jahr 2036 steigen werden. Alle Zahlen sprechen eine ­eindeutige Sprache: Der Infrastruktur­sektor expandiert.

Mehr Geld für den Ausbau

Entsprechend hoch sind die Investi­tionen, die für einen Ausbau nötig sind. Der Global Infrastructure Hub, eine Organisation der G-20-Staaten, geht davon aus, dass bis 2040 global rund 94 Billionen Dollar investiert werden müssen. Schreibt man die aktuellen Aktivitäten fort, ergibt sich jedoch lediglich eine Summe von 79 Billionen Dollar. "Trotz gigantischer Investitionen klafft bis 2040 eine Investitionslücke von etwa 15 Billionen Dollar", sagt Rogowski. Es besteht also ein enormer Handlungs­bedarf, aus dem sich Chancen für Infrastrukturunternehmen ergeben.

Auch wenn der Sektor als Ganzes wächst, sind einige Entwicklungen zurzeit besonders auffällig. An erster Stelle steht der Umbau der Energieversorgung. "Es gibt einen anhaltenden Wandel bei der Energieproduktion hin zu erneuerbaren Energien und Erdgas", beschreibt Franklin-Manager Magee einen der wichtigsten Trends. In diesen Bereichen sei ein besonders starkes Wachstum zu verzeichnen.

Ein zweites bedeutsames Thema ist die Entwicklung intelligenter Stromnetze. "Hier geht es um Netze, die die Spitzenlast bei der Stromproduktion durch erneuerbare Energien wie Solar­energie besser auffangen und verteilen können", sagt er. Weitere aktuelle Trends sieht Magee im Ausbau von Mautstraßen, vor allem in Europa, und in der Privatisierung und Modernisierung von Wassertransportsystemen.

Anleger erhalten Zugang zur Infrastrukturbranche über spezialisierte Fonds, die in Aktien der entsprechenden Unternehmen investieren (siehe Investor-Info). Rund 20 Produkte sind auf dem heimischen Markt erhältlich. Sie decken alle Facetten der Branche ab - und unterscheiden sich doch in der Definition, was Infrastruktur ist. Einige Portfolios setzen ausschließlich auf Kern-Infrastruktur. Darunter sind die Betreiber von Infrastrukturnetzwerken wie Pipelines, Funkmasten, Schienen- oder Stromnetzen zu verstehen. Andere Fonds fassen den Begriff dagegen so weit, dass auch Versorger oder Dienstleister darunterfallen, die Infrastrukturunternehmen zuarbeiten oder deren Objekte nutzen.

Geschützte Marktposition

Gerade Firmen aus dem Bereich Kern-Infrastruktur weisen einige Merkmale auf, die sie aus Anlegersicht attraktiv machen. Sie verfügen im Regelfall über eine Monopolstellung, bedingt durch extrem hohe Markteintrittsbarrieren für etwaige Konkurrenten. "Neben ein vorhandenes Stromnetz wird kein zweites gebaut", veranschaulicht Rogowski. Außerdem sind die Einnahmen sehr konstant, weil die Verträge in diesem Segment sehr langfristig, oft für Jahrzehnte, geschlossen werden.

Hinzu kommt ein natürlicher Schutz vor Inflation, da in die Vereinbarung meist eine entsprechende Klausel eingebaut wird, die die Vergütung von der Teuerungsrate abhängig macht. Und auch konjunkturelle Schwankungen belasten Infrastrukturunternehmen wenig, weil die Verträge lang laufen und der Bedarf an Gütern des täglichen Bedarfs sich oft kaum verändert.

Als spezifisches Risiko der Branche gilt, dass der Staat einen großen Einfluss auf die Konzerne ausübt. Meist sind Infrastrukturunternehmen streng reguliert, um die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Vor allem in weniger entwickelten Ländern kann die politische Einflussnahme bis hin zu einer Verstaatlichung reichen. Selbst in Italien wird ein solcher Schritt nun diskutiert. Verkehrsminister Danilo Toninelli hatte vor knapp zwei Wochen gesagt, eine Verstaatlichung sei die einzige Lösung für Autostrade. Das Verfahren zum Entzug der Betriebserlaubnis des Straßenunternehmens hat die Regierung in Rom bereits eingeleitet.

Investor-Info

Franklin Global Listed Infra.
Aktive Suche

Ein breites Portfolio verschiedener Infrastrukturunternehmen weltweit (inklusive Schwellenländer) finden Anleger im Franklin Global Listed Infrastructure. Der Aktienfonds hält momentan Papiere von 55 Unternehmen. Ende Juli war die Autostrade-Mutter Atlantia mit sechs Prozent die größte Position im Portfolio, sodass der von Wilson Magee gemanagte Fonds unter dem Unglück in Genua gelitten hat. An der langfristig guten Leistung ändert das aber nichts.

Ve-RI Listed Infrastructure
Systematische Auswahl

Einer engen Definition von Infrastruktur folgt der Ve-RI Listed Infrastructure. Nur Unternehmen, die Infrastrukturnetzwerke bereitstellen oder betreiben, gelangen ins Portfolio (Kern-Infrastruktur). Die Aktien werden rein quantitativ anhand bestimmter Kennzahlen ausgewählt. Dazu zählen die Profitabilität der Firma, die Bewertung, die Trendstabilität und die Volatilität. Aus 2100 Titeln werden nach dieser Systematik die 30 besten Firmen ausschließlich aus Industrieländern bestimmt.

Xtrackers S & P Global Infra.
Passive Abbildung

Besonders kostengünstig steigen Anleger mit dem Xtrackers S & P Global Infrastructure in die Branche ein. Der ETF folgt einem Index, der 75 Infrastrukturaktien aus Industrie- und Schwellenländern enthält, wobei Letztere nur eine untergeordnete Rolle spielen. Aufgenommen werden die 30 größten Versorger, die 30 größten Transportunternehmen und die 15 größten Energiekonzerne.



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Bildquellen: Stephen Mcsweeny / Shutterstock.com, Rafael Ben-Ari/Chameleons Eye/Fotolia

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