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26.10.2019 17:00
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Auf dem Weg: Warum Italien wieder bella ist

Rückenwind aus Rom: Auf dem Weg: Warum Italien wieder bella ist | Nachricht | finanzen.net
Rückenwind aus Rom
Die neue Regierung kommt bei Investoren gut an, sie vermissen aber noch strukturelle Reformen. Das reduzierte politische Risiko spricht jedoch dafür, europäische Aktien höher zu gewichten.
€uro am Sonntag
von Jörg Billina, Euro am Sonntag

Dass in Italien eine Regierung über die gesamte Legislaturperiode von fünf Jahren hinweg im Amt bleibt, ist unwahrscheinlich. Auch die aus Fünf Sterne und Lega gebildete Koalition - die 65. Regierung seit Ende des Zweiten Weltkriegs - scheiterte vorzeitig. Motiviert vom guten Abschneiden bei den Europawahlen, hatte Matteo Salvini im August die Zusammenarbeit aufgekündigt.

Die Rechnung des Lega-Chefs, seine Partei werde aus vorgezogenen Neuwahlen als stärkste Kraft hervorgehen und er zum Ministerpräsidenten ernannt, ging jedoch nicht auf. In Rom regieren nun die Fünf Sterne mit den Sozialdemokraten. Und der parteilose Giuseppe Conte fungiert weiterhin als Premier.

Auf das neue Bündnis reagieren die Investoren erleichtert. In den vergangenen zwei Monaten stieg die Börse in Mailand um rund sechs Prozent. Seit Jahresanfang haben italienische Aktien um 18 Prozent zugelegt. Gefragt sind bislang vor allem der Infrastrukturbetreiber Atlantia, das Logistikunternehmen Poste Italiane sowie der Vermögensverwalter Azimut Holding. Im vergangenen Jahr hatte der FTSE MIB Index noch 18 Prozent verloren. Auch die Risiko­aufschläge italienischer Staatenanleihen sind deutlich zurückgekommen.

"Der Ton zwischen Rom und Brüssel wird wieder konzilianter, die neue Regierung bekennt sich klar zum Euro", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Zuvor hatte Salvini laut über eine Parallelwährung zum Euro nachgedacht und die EU-Kommission immer wieder provoziert. Deren Kritik am expansiven Haushaltsentwurf der damaligen Regierung für 2019 - laut EU ein "beispielloser Verstoß gegen den EU-Fiskalpakt" - hatte er scharf zurückgewiesen: "Brüssel attackiert nicht eine Regierung, sondern ein Volk."

Hoch verschuldet, kein Wachstum


Doch Italien ist mit über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den Miesen. Die Maastricht-Kriterien jedoch erlauben eine Gesamtverschuldung von nur 60 Prozent. Zudem stagniert seit Jahren die Wirtschaft. 2020 wird ein Plus von nur 0,4 Prozent erwartet. Die schwache konjunkturelle Dynamik wiederum erschwert den Abbau der Verschuldung. Aufgrund der engen Verflechtungen des Landes mit anderen EU-Ländern und EU-Kreditinstituten und seiner auf faulen Krediten sitzenden Banken beurteilen etliche Investoren Europas drittgrößte Volkswirtschaft als Risiko für die Finanzstabilität der Eurozone.

Brüssel prüft Budget


Kommenden Montag wird Italiens ­Finanzminister Roberto Gualtieri den Haushaltsentwurf für das Jahr 2020 in Brüssel vorlegen. Laut Reuters sieht er einen Anstieg der Neuverschuldung von 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor. Das angepeilte Defizit liegt ­eigentlich über dem, was Brüssel zugestehen kann. Rom hofft dennoch auf grünes Licht. Ansonsten müsste die Regierung die Mehrwertsteuer erhöhen und könnte zudem nicht, wie beabsichtigt, die Einkommensteuer senken.

Geht der Budgetvorschlag jedoch durch, dürften Konsumentenvertrauen und Verbraucherausgaben steigen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Die Budgets der Eurostaaten werden ab 1. November von Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni geprüft. Der frühere italienische Ministerpräsident plädiert schon jetzt für mehr Flexibilität bei der Anwendung des Stabilitätspakts.

Winkt Brüssel die Pläne durch, dürften italienische Aktien noch mal zulegen. Ein Grund, kräftig einzusteigen, wäre dies aber noch nicht. Erst wenn die Regierung klar darlegt, wie sie die strukturellen Probleme angehen will, sind nachhaltige Kursgewinne möglich.

Sein wirtschaftliches Potenzial könne Italien erst dann ausschöpfen, wenn der starr regulierte Arbeitsmarkt flexibilisiert wird. Auch die Effizienz von Justiz und Verwaltung müsse steigen, folgert Italien-Experte Schmieding. Doch das reduzierte politische Risiko in Italien spreche dafür, europäische Aktien höher zu gewichten. "Die Entwicklungen in Rom machen nicht mehr nervös. Dagegen ist das, was gerade in den USA oder in Großbritannien passiert, wesentlich besorgniserregender", sagt Schmieding.

Investor-Info

Comgest Gr. Europe Sm. Comp.
Signal zum Einstieg


Fondsmanagerin Eva Fornadi investiert in europäische Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. Im Vergleich zum MSCI Europe Mid Cap hat sie italienische Aktien höher gewichtet. Unter den Top-5-Werten findet sich unter anderem Amplifon, ein Hersteller von Hörgeräten mit Sitz in Mailand. Auf deutsche Werte entfallen 15 Prozent, französische Unternehmen sind mit knapp 20 Prozent gewichtet. Auf Sicht von fünf Jahren legte der Fonds um rund 108 Prozent zu.







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Bildquellen: majeczka / Shutterstock.com, Carlos Criado / Shutterstock.com

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