08.08.2022 23:47

Pleite für Maschmeyer: Das "Höhle der Löwen"-Startup Kuchentratsch meldet Insolvenz an

Finanzierung gescheitert: Pleite für Maschmeyer: Das "Höhle der Löwen"-Startup Kuchentratsch meldet Insolvenz an | Nachricht | finanzen.net
Finanzierung gescheitert
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Das Münchner Social-Startup Kuchentratsch steht vor dem Aus. Am 18. Juli 2022 musste das junge Unternehmen Insolvenz anmelden. Gründe dafür seien vor allem die angespannte wirtschaftliche Lage im Zuge der Corona-Pandemie und eine nicht ganz so erfolgreiche Finanzierungsrunde.
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Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl investierten in das Startup

Öffentliche Bekanntheit erlangte das Startup "Kuchentratsch" durch die Fernsehshow "Die Höhle der Löwen". Bei ihrem Auftritt konnten die zwei Gründerinnen Katharina Mayer und Anna Bründermann sowohl Carsten Maschmeyer als auch Dagmar Wöhrl für sich gewinnen. Beide investierten zusammen 100.000 Euro und erhielten im Gegenzug zehn Prozent der Anteile am Unternehmen. Ausschlaggebend für den Einstieg soll vor allem der soziale Aspekt des Startups gewesen sein. Kuchentratsch beschäftigt nämlich Seniorinnen und Senioren, die gemeinsam in einer Backstube Kuchen für die Kundschaft backen und über diese Tätigkeit soziale Kontakte knüpfen können. Darüber hinaus erhalten sie für die Arbeit natürlich noch eine Kompensation und Anerkennung. Maschmeyer zeigte sich begeistert, den älteren Menschen wieder eine Aufgabe zu geben: "Das Modell, älteren Leuten einen Sinn zu geben, dass sie Spaß haben, dass sie Freude haben - ich bin mir sicher, die leben glücklicher und länger", zitiert ihn die Bild-Zeitung. Die in München gebackenen Kuchen verkauft das Unternehmen vor Ort und über einen eigenen Online-Shop.

Kuchentratsch plante auch jüngst sich noch zu vergrößern. Wie Business Insider berichtet, sammelte das Startup in einer Crowdfunding-Kampagne von rund 130 Kleinanlegern insgesamt 234.000 Euro ein. Mit dem Geld sollte an der Münchner Theresienwiese eine "Erlebnisbackstube" mit Café und Eventfläche geschaffen werden. Für ihr Investment versprach Gründerin Mayer den Anlegern über die nächsten sieben Jahre eine jährliche Verzinsung in Höhe von sechs Prozent. Statt in Geld, sollte diese jedoch in Kuchen ausbezahlt werden, was bei einer Investition von 2.000 Euro vier Kuchen pro Jahr entspräche.

Kuchentratsch steht vor dem Aus

Zur Verwirklichung der Pläne ist es nun aber erstmal nicht gekommen. Wie das Unternehmen auf seiner Website mitteilt, musste es am 18. Juli 2022 Insolvenz anmelden. Bestellungen können deshalb aktuell keine mehr angenommen werden. Auf LinkedIn zeigt sich Katharina Mayer am Boden zerstört. "Mein Herz ist gebrochen", schreibt die Kuchentratsch-Gründerin in einem Beitrag. In diesem gibt sie außerdem die Gründe für die brenzlige Situation bekannt. "Die Pandemie hat uns getroffen, wenn besonderer Schutz, besondere Vorsicht geboten ist, hat das auch Konsequenzen", erklärt Mayer. Die insgesamt angespannte Lage in der Wirtschaft habe dem Startup geschadet. Mittels der Crowdfunding-Kampagne versuchte man anschließend die Finanzierungslücke für geplante Investitionen, vor allem aber für den Ausbau der Erlebnisbackstube zu schließen. Die Kampagne sei allerdings nicht so erfolgreich wie nötig gewesen. Wie es nun weitergehe, würden die nächsten Wochen zeigen. Alle 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien informiert und ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt.

Offenbar niemand dazu bereit, das Startup zu retten

Eine Rettung für das Startup ist offenbar nicht in Sicht. "Ein Schließen der Lücke durch Altgesellschafter - denen ich für die Zusammenarbeit sowie den vielen und substantiellen Zuspruch in den letzten Jahren herzlich danke - kam in der aktuellen Situation nicht infrage", sagt Mayer auf LinkedIn. Eine weiter Finanzspritze von Löwen-Investor Maschmeyer, der anders als Dagmar Wöhrl noch nicht aus dem Unternehmen ausgeschieden ist, gibt es demnach nicht. Auf Bild-Anfrage soll sich Maschmeyer bezüglich der Insolvenz wie folgt geäußert haben: "Kuchentratsch ist leider ein weiteres Opfer der zurückliegenden Pandemie-Jahre und der aktuellen Wirtschafts-Krise: Die Krisen der letzten Jahre haben es Social-Start-UPs erschwert, profitabel zu werden. Es gab einen Rettungsplan mit einem neuen Investor, der leider gescheitert ist - und dies, obwohl die Altgesellschafter bereit waren, ihre Anteile für einen symbolischen Euro zu verkaufen, um Kuchentratsch auf diese Weise doch noch retten zu können." Auf frisches Geld von außen kann das Startup also durch den Rückzieher des neuen Investoren auch nicht hoffen. Mayer will ihren Glauben an eine Rettung dennoch nicht aufgeben: "Vor allem aber wünsche ich mir, dass es gelingt Kuchentratsch oder einfach die Idee zu retten, denn es ist so viel mehr als Kuchen zu backen."

Nicolas Flohr / Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Joshua Sammer/Getty Images, Hans RW Goksoyr / Shutterstock.com
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