10.06.2021 23:38

Singles in Deutschland zahlen die meisten Steuern weltweit

OECD-Studie: Singles in Deutschland zahlen die meisten Steuern weltweit | Nachricht | finanzen.net
OECD-Studie
Folgen
Auch in diesem Jahr gehört Deutschland wieder zu den Hochsteuerländern und verlangt große Abgabesummen von seinen Arbeitnehmern. Doch eine Haushaltsgruppe muss für das Steuerjahr 2020 besonders viel an den Fiskus abtreten: Von allen Ländern zahlen alleinstehende Singles ohne Kinder in Deutschland am meisten Abgaben.
Werbung

Singles zahlen so viel wie nirgendwo sonst

Deutschland lässt seine kinderlosen Singles so viele Abgaben und Steuern zahlen wie kein anderes Land auf der Welt. Das hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der aktuellen Ausgabe "Taxing Wages" herausgefunden, welche jedes Jahr die Belastung von Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben in den 37 OECD-Mitgliedsstaaten untersucht.

Das Ergebnis: Wie auch im letzten Jahr führt Deutschland das Ranking der höchsten Abgaben für kinderlose Ledige an; durchschnittlich 38,9 Prozent Steuern und Sozialabgaben müssen Singles in der Bundesrepublik jeden Monat an den Staat abdrücken. 18,8 Prozent der Abgaben sind dabei auf die Einkommensteuer zurückzuführen, die restlichen 20,1 Prozent fallen als Sozialabgaben an.

Damit liegt Deutschland auch dieses Mal auf Platz eins vor Belgien (38,4 Prozent) und Litauen (35,8 Prozent). Auf Platz vier, fünf und sechs der Länder mit der höchsten Abgabenbelastung für Singles folgen in diesem Jahr Dänemark (35,3 Prozent), Slowenien (33,7 Prozent) und Ungarn (33,5 Prozent).

Deutsche Doppelverdiener-Familien belegen den zweiten Platz im OECD-Ranking

Auch von Familien mit Doppelverdienern verlangt der Staat hohe Abgaben in Deutschland. So zahlt ein Doppelverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern in der Bundesrepublik fast 30 Prozent Abgaben (29,9 Prozent), die sich in 10 Prozent Einkommenssteuer und 19,9 Prozent Sozialabgaben aufteilen. Nur Dänemarks Doppelverdiener-Paare zahlen noch mehr: 30,5 Prozent des Bruttoeinkommens müssen die Familien im Nachbarland für Steuern und Sozialabgaben an den Staat abtreten.

Entlastung für Familien mit Alleinverdienern

Deutsche Familien mit Alleinverdienern dagegen sehen sich 2020 nicht den höchsten Belastungen auf der Welt ausgesetzt. So liegen die eingezogenen Einnahmen vom deutschen Fiskus nur auf dem neunten Platz in der Rangfolge. Michelle Harding, Steuerexpertin bei der OECD erklärt, woran das liegt: "Der Hauptgrund ist das Ehegatten-Splitting, das die Steuerbelastung senkt", sagte sie gegenüber der FAZ. Die Einkommensbelastung der Alleinverdiener-Familien liegt in diesem Jahr nur bei knapp 33 Prozent, jedoch immer noch weit über dem OECD-Durchschnitt von 24,4 Prozent. Wie die Expertin weiter ergänzt, wurde bei diesem Haushaltstypen die größte Entlastung im Vergleich zum letzten Jahr beobachtet - mit 1,1 Prozent konnte Deutschland seine Abgabenbelastung für die Familien sogar um mehr als den OECD-Durchschnitt senken.

Steuerkeil berechnet Belastung der Arbeitskosten

Abgesehen von der Einkommensbelastung der verschiedenen Haushaltsgruppierungen umfasst der Bericht außerdem die Berechnung des sogenannten "Steuerkeils". Dieser bestimmt die Differenz zwischen den Arbeitskosten des Arbeitgebers (Bruttogehalt, Arbeitgeber-Sozialabgaben) und dem Nettoverdienst, der dem Arbeitnehmer nach Abzug der Steuern und Abgaben bleibt - und kann daher als Gesamtbelastung des Faktors Arbeit interpretiert werden.

In Deutschland beträgt der Steuerkeil bei alleinstehenden Arbeitnehmern 49 Prozent, was dem zweiten Platz der höchsten Belastung unter den OECD-Mitgliedsstaaten entspricht. Nur Belgien belastet die Arbeitskosten der alleinstehenden Singles noch mehr: Mehr als die Hälfte der Arbeitskosten (51,5 Prozent) zieht der Fiskus dort als Einnahmen ab.

Kritik an der OECD-Analyse

Auch wenn Deutschland in den meisten Rankings sehr weit vorne im Bezug auf die Belastung der verschiedenen Haushaltstypen steht, üben einige Experten Kritik an der OECD-Analyse. Stefan Bach, Steuerexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht den Berichten der WELT zufolge vor allem ein Problem in der Unterscheidung zwischen den Steuern und den Sozialabgaben. Denn wie der DIW-Experte erklärt, gelten Sozialbeiträge in einigen Ländern als Steuern, in anderen jedoch nur als Versicherungsbeiträge.

Außerdem würde die OECD nur begrenzt Entlastungen der Bundesrepublik (Arbeitnehmerpauschbetrag, Grundfreibetrag und Kinderfreibetrag) berücksichtigen, andere Zuspüche wie Entfernungspauschale und doppelte Haushaltsführung würden dagegen völlig unbeachtet bleiben, berichtet Bach der WELT. Vor allem in diesem Bereich würde Deutschland jedoch enorme Zugeständnisse machen, um die Arbeitnehmer in der Bundesrepublik zu entlasten.

Beziehe man die Steuerbelastung in den Ländern außerdem nicht nur auf Einkommenssteuer und Sozialabgaben, sondern auch auf die tatsächlichen Steuern und Sozialabgaben und auf die Wirtschaftsleistung (BIP) des jeweiligen Landes, würde man in anderen OECD-Ländern dem Experten zufolge deutlich mehr zahlen als in Deutschland. Denn unter Steuern würden nicht nur die von der Analyse berücksichtigte Einkommensteuer, sondern auch indirekte Steuern wie beispielsweise die Mehrwertsteuer fallen, erklärt Bach. So lag das Verhältnis von Dänemark Berichten von Business Insider zufolge in diesem Jahr bei 46,3 Prozent. Dieser Quelle zufolge hat auch Frankreich mit einer Steuerbelastung von 45,4 Prozent am BIP einen deutlich höheren Anteil als Deutschland, das mit 38,8 Prozent Steuern am BIP nur auf dem elften Rang liegt.

Pauline Breitner/Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Gunnar Pippel / Shutterstock.com
Werbung

Heute im Fokus

Asiens Börsen in Grün -- Vonovia startet öffentliches Übernahmeangebot für Deutsche Wohnen -- Pierer will Anteil an LEONI erhöhen -- Siemens Healthineers schließt Partnerschaft in den USA

TUI-Vorstand: Flottengröße passt jetzt - Kein Druck bei Staatshilfen. Bike24 fährt mit angezogener Bremse aufs Parkett - Ausgabepreis 15 Euro. RTL will in den Niederlanden mit de Mols Medienkonzern fusionieren. Börsengang in Sicht: Donut-Kette Krispy Kreme steuert Milliarden-Bewertung an.
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Umfrage

Lassen Sie sich bei der Planung ihres Sommerurlaubs noch von der Corona-Pandemie beeinflussen?

finanzen.net Brokerage
finanzen.net Zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln