Wie viel Trinkgeld gibt man in Deutschland?

Trinkgeld ist in Deutschland kein Muss, aber eine verbreitete Form der Wertschätzung für guten Service. Die Höhe variiert je nach Situation und Branche. Zwar gelten fünf bis zehn Prozent als grobe Orientierung, dennoch bleibt Trinkgeld grundsätzlich eine freiwillige Geste.
Im Restaurant
Im Restaurant wird in Deutschland Trinkgeld meist prozentual vom Rechnungsbetrag berechnet. Gerade bei kleineren Summen ist es üblich, einfach aufzurunden oder ein paar Münzen extra zu lassen. "In Deutschland werden fünf bis zehn Prozent des Rechnungsbetrags als Trinkgeld empfohlen", erklärt Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft, gegenüber der Augsburger Allgemeinen.
Bei hohen Beträgen im dreistelligen Bereich sind eher fünf Prozent angemessen, wie der Vorsitzende des Deutschen Knigge-Rats, Jonathan Lösel, im Gespräch mit ZDFheute erläutert. "Trinkgeld ist immer ein Ausdruck, dass ich die Atmosphäre mag, mich wertgeschätzt fühle und mit dem Service zufrieden war", betont Lösel. Daher sind bei besonderer Zufriedenheit auch mehr als zehn Prozent durchaus möglich.
Trinkgeld per Kartenzahlung
Die wachsende Beliebtheit von Kartenzahlung bringt neue Fragen mit sich. Viele Kartenlesegeräte zeigen voreingestellte Trinkgeldoptionen, beispielsweise fünf, zehn oder 15 Prozent. Dies kann von manchen Gästen als subtiler sozialer Druck empfunden werden, auch wenn Trinkgeld freiwillig bleibt. Diese Praxis, auch als "Guilt Tipping" (z.dt.: Trinkgeld aus schlechtem Gewissen) bekannt, kann insbesondere in Selbstbedienungslokalen irritieren, in denen Servicepersonal gar nicht direkt involviert ist. Laut Forscher Nathan Warren kann dieses Phänomen sogar dazu führen, dass Kunden den Besuch des Lokals mit negativen Gefühlen verbinden und sich die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Besuchs verringert, wie er gegenüber der FAZ erklärt. Daher die Empfehlung: Wer sich unwohl fühlt, darf auf das Trinkgeld verzichten und individuell entscheiden.
Trinkgeld in anderen Bereichen
Auch in anderen Branchen ist Trinkgeld gängig, wenn auch in unterschiedlicher Höhe. In Taxis oder beim Friseur werden etwa zehn Prozent als angemessen betrachtet, alternativ rundet man einfach auf. Im Hotel liegt der Richtwert etwa bei ein bis zwei Euro pro Übernachtung für das Reinigungspersonal, während Gepäckträger etwa einen Euro pro Gepäckstück erhalten sollten. Diese Beträge gelten jedoch lediglich als Orientierung. Letztlich entscheidet der persönliche Eindruck vom Service über die Höhe des Trinkgelds.
Redaktion finanzen.net
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