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23.11.2019 01:00
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Lieber Schließfach als Strafzinsen! Wann es sich lohnt

Bargeldaufbewahrung: Lieber Schließfach als Strafzinsen! Wann es sich lohnt | Nachricht | finanzen.net
Bargeldaufbewahrung
Immer mehr Bankkunden bringen ihre Ersparnisse vor drohenden Strafzinsen in Sicherheit. Ein Ausweg: Sie bewahren ihr Geld in einem Schließfach auf. Das kann sich trotz Gebühren lohnen.
€uro am Sonntag
von Ulrich Lohrer, Euro am Sonntag

Als die Europäische Zentralbank (EZB) am 12. September 2019 auf die alten Tage des seinerzeit noch amtierenden Präsidenten Mario Draghi den Zins für Einlagen, die Banken bei ihr haben, von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent senkte, kritisierten die Kreditinstitute das scharf. "Die EZB erinnert an einen ­Autofahrer, der in einer Sackgasse die Geschwindigkeit weiter erhöht", sagte Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken.

Immer mehr Banken wälzen ihre Zinskosten auf die Guthabenkonten ihrer Kunden ab, im Regelfall ab einer definierten Einlagenhöhe von zum Beispiel 100.000 Euro. Nach einer Erhebung des Finanzportals biallo.de am Tag des EZB-Zinsentscheids verlangten zu dem Zeitpunkt bereits 129 von 1.200 befragten Instituten Negativzinsen. Knapp 85 Prozent der erfassten Banken und Sparkassen reichen den negativen Einlagenzins eins zu eins weiter.

Wartelisten für Bankschließfächer


Für Anleger, die ihre Geldbeträge keinen Wertschwankungen - etwa in Gestalt einer Aktienanlage - aussetzen wollen, kommt dann eigentlich nur noch das eigene Aufbewahren von Bargeld infrage. Doch damit besteht das Risiko eines Verlusts durch Diebstahl. Wer deshalb die Scheine nicht ungesichert unter seiner Matratze verstauen will, muss die Kosten für eine sichere Verwahrung tragen. Es gilt daher abzuwägen: Was kostet mehr - der Strafzins auf die Kontoeinlagen oder das Verwahren von Bargeld in einem Bankschließfach?

€uro am Sonntag hat 49 Banken und externe Schließfachanbieter befragt, um sich einen Überblick über die Größen, Mietpreise und den Versicherungsschutz bei Schließfächern zu verschaffen. 30 Anbieter beantworteten die Fragen. Elf Institute reagierten dagegen überhaupt nicht. Andere begründeten ihre Entscheidung, nicht en détail zu antworten, damit, keine (Postbank, Targobank) oder kaum (Bankhaus Donner & Reuschel, Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, Sparda-Bank München) Bankschließfächer zu haben, oder damit, dass dies nicht zum "Kerngeschäft" gehöre (Joh. Berenberg Gossler).

Wesentliches Ergebnis der Umfrage: Erhebt eine Bank Strafzinsen von 0,5 Prozent und liegen die Schließfachgebühren bei weniger als 50 Euro im Jahr, kann sich bereits ab 10.000 Euro Bargeld ein Schließfach eher lohnen als ein Konto. In ein kleines Schließfach passt ein solcher Geldbetrag aus Bündeln mit großen Scheinen ohne Probleme. Einige Geldinstitute bieten kleine Schließfächer bereits für weniger als 50 Euro im Jahr an, etwa die Volksbank Köln Bonn (30,70 Euro), die Kreissparkasse Köln (33 Euro), die Frankfurter Volksbank und die Saalesparkasse (35 Euro) sowie die Ostsächsische Sparkasse Dresden und die Volksbank Mittelhessen (je 35,70 Euro).

Weil diese günstigen Anbieter nur in bestimmten Regionen vertreten sind, kommt deren Angebot für viele potenzielle Interessenten jedoch nicht infrage. Über die meisten Zweigstellen verfügen die Deutsche Bank und die Commerzbank, aber auch einige Sparkassen und Volksbanken haben ein großes Zweigstellennetz. "Die Hamburger Sparkasse (Haspa) ist mit rund 200.000 Kundenmietfächern an mehr als 100 Standorten einer der größten Anbieter von Schließfächern in ganz Deutschland", betont André Grunert von der Haspa.

Auch bei Banken, die über Schließ­fächer verfügen, können diese nicht immer angemietet werden. So haben oft nicht alle Zweigstellen Fächer, auch sind viele längst belegt. Einige Anbieter führen Wartelisten. Die Mehrheit der Banken vermietet Schließfächer nur an Interessenten, die bereits Kunde bei der Bank sind. Häufig wird dafür ein Girokonto vorausgesetzt, bei einigen sollte darüber auch das Gehalt überwiesen oder das Konto als Geschäftskonto genutzt werden. Einige Genossenschaftsbanken vermieten Schließfächer nur an Mitglieder, also Kunden, die Genossenschaftsanteile der Bank halten. Die Berliner Volksbank verlangt zudem, dass Kunden eine externe Versicherung für das Schließfach abschließen.

Schließfach nur mit Girokonto


Nur wenige Banken wie die Haspa, die Mittelbrandenburgische Sparkasse, die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die Saalesparkasse und die Sparkasse Nürnberg bieten Schließfächer ohne Aufschlag auch an Externe an (siehe Tabelle unten). Die einfache Rechnung, durch Bargeld im Schließfach Strafzinsen zu sparen, berücksichtigt nicht, dass die Strafzins-Banken ihren Kunden in der Regel Freibeträge einräumen. Mit Ausnahme des Onlinebrokers Flatex verlangen die Banken solche "Verwahrgebühren" laut biallo.de erst nach Freibeträgen von 100.000 bis drei Millionen Euro.

Viele Banken erheben Negativzinsen auch nur für Geschäftskunden. Vom Strafzins sind daher aktuell fast nur vermögende Privat- und Geschäftskunden betroffen. Anfang Oktober kündigte jedoch die Skatbank als erste an, nicht nur den Zins auf minus 0,5 Prozent zu senken, sondern auch den Freibetrag beim Girokonto. Sie nahm ihn von einer Million auf 100.000 Euro zurück.

Bei sehr großen Bargeldbeträgen reicht ein kleines Bankschließfach nicht aus. Hinsichtlich der Größe der Schließfächer gibt es keine Norm und nahezu alle Banken und Verwahrer verfügen über Schließfächer unterschiedlicher Größe. Die Banken vermieten in der Regel am häufigsten kleine Fächer. Diese weisen Größen von ungefähr 25 Zentimeter Breite, fünf Zentimeter Höhe und 40 Zentimeter Tiefe auf. Sie reichen je nach genauem Maß und bei Verfügbarkeit von Bündeln mit 500-Euro-Scheinen für bis zu zwei Millionen Euro. Bei Bündeln mit 200-Euro-Scheinen reicht der Platz für bis zu 800.000 Euro.

Mit höheren Summen gewinnt zudem die Frage an Bedeutung, wie sicher die Werte in einem Bankschließfach sind und ob sie sich gegen Risiken wie Einbruch oder Wasserschaden ausreichend versichern lassen. Auch wenn Mieter die Einbruchsicherheit von Bankschließfächern schlecht beurteilen können, so können sie zumindest den Versicherungsschutz überprüfen. Dabei gibt es große Unterschiede (siehe unten).

Die gestiegene Nachfrage nach Schließfächern und das hohe Sicherheitsbedürfnis der Kunden bemerken auch bank­externe Anbieter wie der Goldhändler Pro Aurum und EMS Wert­einlagerung. "Derzeit ist die Belegungsquote bereits relativ hoch, in einigen unserer Filialen gibt es Wartelisten", erklärt Benjamin Summa von Pro Aurum. "Viele Menschen mieten bei uns Schließfächer, weil die Banken Filialen schließen, nur einen geringen Versicherungsschutz anbieten und die Kunden die Meldung ihres Schließfachs durch ihre Bank an das Finanzamt befürchten", sagt Bernd Elsenhans, Geschäftsführer des EOS Sicherheitsdiensts für die EMS Wert­einlagerung in Heidenheim.

Die unterirdische Anlage mit einem 24-Stunden-Wachdienst sei besonders sicher. "Wir bieten den Kunden höchsten Sicherheitsstandard in unserem Hochsicherheitstresor, der nach dem Europäischen Standard für Einbruchschutz zertifiziert ist", erklärt Elsenhans. Daneben besteht auch die Möglichkeit, Wertsachen besonders geschützt in den eigenen vier Wänden aufzubewahren. "Einige Menschen, die beispielsweise ihrer Bank misstrauen, bewahren Wertgegenstände und Bargeld lieber zu Hause auf", sagt Kriminalhauptmeister Henning Gelse, zuständig für Technische Prävention im Landeskriminalamt Bayern. Er rät aber davon ab, Hochwertiges daheim zu verwahren. "Wertsachen werden seltener aus einem Bankschließfach als zu Hause geraubt", erläutert Christian Niez­pickel, Referent Schadensbearbeitung Sachversicherung der HUK Coburg. Er verweist auf die nur eingeschränkte Deckung von Wertgegenständen und Bargeld durch die Hausratversicherer.

Versicherung schützt nur begrenzt


Die Angebote der Versicherer unterscheiden sich, erklärt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Als Orientierungsgröße für die Höhe der Erstattungsgrenze bei Verlust von Bargeld, Urkunden, Sparbüchern und Wertpapieren nennt sie 3.000 Euro. Bei Schmuck, Briefmarken und Gold sind es etwa 25.000 Euro. Viele Versicherer erstatten Wertsachen ohnehin nur, wenn diese in einem Tresor aufbewahrt wurden. "Es sollte ein mehrwandiger Stahlschrank mit einem Mindestgewicht von 200 Kilogramm oder ein eingemauerter Stahlwandschrank mit mehrwandiger Tür sein", erklärt Niezpickel.

"Empfehlenswert sind neutral geprüfte und zertifizierte Wertbehältnisse, die an den Zertifizierungsmarken, wie beispielsweise von VdS oder ECB-S, zu erkennen sind", rät Gelse. Die Kosten sind jedoch nicht unerheblich. Es gibt zwar Tresore mit dem Volumen eines größeren Schließfachs bereits für rund 400 Euro, doch ist deren Inhalt aufgrund des geringen Gewichts von rund 30 Kilo über die Hausratversicherung in der Regel nicht versicherbar. Gewichtigere Tresore mit der VdS-Klasse 1 (privat versicherbar bis 65.000 Euro) kosten über 1.000 Euro. Da dauert es, bis sich eine solche Investition lohnt, nur um Strafzinsen zu vermeiden.

Schliessfächer bei Anbietern in Deutschland (pdf)

Versicherungsschutz für Bankschließfächer:


Wer ein Schließfach anmietet, kann nicht automatisch davon ausgehen, dass dort seine Werte gegen alle Risiken geschützt sind. Nur wenn dem Verwahrer Fehler nachgewiesen werden, besteht die Möglichkeit, ihn für Schäden haftbar zu machen. Auch kann nicht davon ausgegangen werden, dass mit der Miete der Inhalt des Fachs versichert ist. Während einige Banken Schließfächer ohne Versicherungsschutz vermieten, bieten andere einen Basisschutz an, der in der Regel zwischen 2.000 und 10.000 Euro liegt. Manche bieten auch Schließ­fächer mit Vollwertversicherung an.

Bei Kundenschließfächern, die über keine oder aber nur über eine Basisdeckung verfügen, wird die Möglichkeit der (Höher-)Versicherung über die Bank selbst oder aber über einen ­eigenen Versicherungsvertrag geboten. Versicherte Gefahren sind Feuer, Einbruchdiebstahl/Raub und Leitungswasser. Optional kann auch die Elementarschadenversicherung (Sturm, Überschwemmung, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch, Schneedruck und Lawinen) eingeschlossen werden.

Zu beachten ist, ob die Versicherungssumme den Inhaltswert des Schließfachs abdeckt. Die mit Abstand höchste Versicherungssumme, die im Mietpreis enthalten ist, bieten mit 128.000 Euro die Sparda-Banken West und Hamburg (siehe Tabelle unten). Oft vermitteln die Schließfachanbieter auch einen Versicherungsschutz, dessen Beitrag die Kunden selbst zahlen müssen.

Der Versicherungsbeitrag liegt je nach Geld­institut und dessen Versicherungsanbieter zwischen 0,75 Euro (Mittelbrandenburgische Sparkasse) und knapp drei Euro (EMS) pro 1.000 Euro Versicherungssumme. Bei einem (zusätzlichen) Absicherungsbedarf von 100.000 Euro übersteigen die Versicherungskosten also oft deutlich die Schließfachmiete. Doch nicht alle Banken bieten überhaupt einen zusätzlichen Versicherungsschutz an. Auch gibt es in der Regel Grenzen für die abschließbaren Versicherungssummen.







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Bildquellen: Maksym Yemelyanov/stock.adobe.com, fotomek/stock.adobe.com

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