Wahrnehmungsfehler

Psychologie und Börse: Wie Kognitive Verzerrungen Entscheidungen beeinflussen und wie Investoren sie vermeiden können

01.04.24 15:58 Uhr

Kognitive Verzerrungen besiegen: Dieser Weg führt Trader zum Erfolg | finanzen.net

Ob man eine Investition tätigt oder nicht, sollte stets wohlüberlegt sein. Schwierig wird es jedoch, wenn die eigene Entscheidung durch Wahrnehmungsfehler beeinflusst wird. Der folgende Beitrag erklärt, was Kognitive Verzerrungen sind und wie Trader diese überwinden können.

• Kognitive Verzerrungen sind Denk- und Wahrnehmungsfehler, die Entscheidungen beeinflussen
• Investoren müssen sich ihre Wahrnehmungsfehler bewusst machen
• Der richtige Umgang mit Informationen ist essenziell, um Wahrnehmungsfehler zu vermeiden

Was sind Kognitive Verzerrungen

Kognitive Verzerrungen bezeichnen systematisch auftretende Denk- und Wahrnehmungsfehler, die menschliche Entscheidungen beeinflussen, wie IONOS erklärt. Jedes Mal, wenn man etwas wahrnimmt, denkt, über etwas urteilt oder sich erinnert, wird man von Vorannahmen des Gehirns beeinflusst. Außerdem sind vor allem Erinnerungen besonders anfällig für Kognitive Verzerrungen, da Speicherung und Abruf von ihnen immer dynamisch erfolgen. Das bedeutet, dass jeder Abruf die "Eintragung" im Gedächtnis verändert. Kognitive Verzerrungen häufen sich vor allem dann, wenn man sich schnell entscheiden muss, die vorliegende Informationsmenge zu groß ist oder sich zu wenig Bedeutung erschließen lässt. Die Folge daraus ist, dass unbequeme oder unpassende Informationen oftmals ausgeblendet werden, so dass passende und bequeme Informationen zu den allseits bekannten "Bauchentscheidungen" führen, erklärt die Insider Week.

So beeinflusst Kognitive Verzerrung menschliche Entscheidungen

Investoren werden dabei von einigen Arten der Kognitiven Verzerrung, die die Verhaltenspsychologie auflistet, häufiger "befallen" als von anderen.

Confirmation Bias: Dabei handelt es sich um eine weitverbreitete Verzerrung der eigenen Sichtweise auf die Wirklichkeit. Denn Menschen suchen immer nach Bestätigung - vor allem dann, wenn eine hohe und zum Teil widersprüchliche Informationsfülle auf sie einprasselt. In solchen Fällen ist der Mensch häufig dazu geneigt, sich die Informationen herauszupicken, die die eigenen, bereits bestehenden Hypothesen, Meinungen und Vorurteile bestätigen. Dies führt dazu, dass man im Extremfall durch eine selektive Wahrnehmung nach genau den Informationen sucht, die das eigene vorgefertigte Bild bestätigen und verfestigen.

Texas Sharpshooter Effekt: Man stelle sich einen Schützen vor, der wie wild auf ein Scheunentor schießt und dann die Einschüsse betrachtet. Um diejenigen Einschusslöcher, die sehr nah beieinanderliegen, malt er die Kreise einer Zielscheibe und sägt diese schließlich aus. Ein Beweis für einen Meisterschützen. Genauso verhält es sich mit dem Texas Sharpshooter Effekt. Hierbei werden Ergebnisse im Nachhinein interpretiert oder sogar manipuliert, um sie einem erwarteten Schema anzupassen. Ergebnisse, die nicht zum Schema passen, werden schlichtweg ausgeblendet oder gelöscht. Ist dies jedoch nicht möglich, werden sie mit zusammenfantasierten Argumenten erklärt und relativiert. Manchmal lasse sich dieser Effekt bei erfolgreichen Tradern im Netz verfolgen, die exorbitant hohe Gewinne in nur kürzester Zeit erwirtschaften. "Diese Leute zeigen dir die ausgesägte Scheibe, das Scheunentor verstecken sie", so Insider Week.

Verlustaversion und Sunk-cost Fallacy: Diese beiden Arten der Kognitiven Verzerrung liegen sehr nah beieinander und lassen sich im Trading häufig beobachten. Etwas, das Menschen immer vermeiden wollen, sind Verluste. Deshalb werden Verluste häufig höher eingeschätzt als vergleichbare Gewinne. Ist ein Trader in einer Verlustposition investiert, wird er oft durch den Gedanken an das bereits investierte Kapital und die aufgewendete Zeit davon abgehalten, die Position zu schließen und weiterzumachen. Im Alltag kann man die "Sunk-Cost-Fallacy" zudem dann beobachten, wenn Unternehmen trotz der Aussichtslosigkeit an der Entwicklung eines Produkts festhalten, basierend auf den bereits getätigten Investitionen.

Wishful Thinking: Auch beim Wishful Thinking handelt es sich um eine Wirklichkeitsverzerrung. Eng mit der Verlustaversion und der Sunk-cost Fallacy geht das Wunschdenken einher. Menschen neigen häufig dazu, sich von angenehmen Vorstellungen leiten zu lassen, anstatt ihre Entscheidungen basierend auf Fakten und Rationalität zu treffen. Dadurch entsteht oft eine Mentalität des "Es wird schon gut gehen" oder "Alles wird gut", anstatt sich auf die tatsächlichen Gegebenheiten zu fokussieren.

Weitere Kognitive Verzerrungen, die Trader häufiger betreffen, sind laut Insider Week und Banxbroker zum Beispiel Optimism Bias, Endowment Effekt, Bandwagon Effekt, Hindsight Bias und der Dunning Kruger Effekt.

Wie kann man Kognitive Verzerrungen überwinden

Doch wie kann man sich als Investor davor schützen, den Kognitiven Verzerrungen zum Opfer zu fallen? Der Blog Finlog hat sich in einem Beitrag genau dieser Frage gewidmet. Um seine Wahrnehmungsfehler in erster Linie zu erkennen, sei es zum Beispiel hilfreich, eine schriftliche Reflexion beziehungsweise eine Auswertung vergangener Trades oder Investments durchzuführen. Diese sollte in klare Kriterien unterteilt sein. Dabei soll auch begutachtet werden, welchen Gefühlen und Einflüssen der Trader beim Treffen dieser Entscheidung womöglich ausgesetzt war. Zudem ist es ratsam, sowohl die Emotionen als auch die Handelsstrategie während des Ein- und Ausstiegs aus Trades in genau dem Moment festzuhalten, in dem dieser Prozess stattfindet. Nur so sind die Notizen ehrlich und unverfälscht.

Ebenfalls hilfreich ist es, eine Checkliste zu führen. Diese sollte im besten Falle Faktoren beinhalten, die man beachten muss, wenn man ein Investment eingeht und wie man mit einem Investment in bestimmten Situationen weiter verfährt. Hier legt man also zunächst bestimmte Kriterien fest, die erfüllt sein müssen, bevor eine Investition überhaupt getätigt wird. Beispielfragen, die in der Liste notiert werden könnten, sind zum Beispiel: "Wie bin ich auf diese Investmentidee gestoßen? Welche Emotionen habe ich, wenn ich über diese Investmentidee nachdenke? Wenn meine Idee schiefgeht, was mache ich konkret mit meinem Investment? Was mache ich bei 10/20/100 Prozent Gewinn? Welche Gefühle habe ich, nachdem der Trade abgeschlossen ist?"

Schließlich ist auch der richtige Umgang mit Informationen von großer Bedeutung. Dabei geht es schon bei der Reihenfolge los, in der die Informationen aufgenommen werden, weshalb auch die Reihenfolge der einzelnen Punkte auf der Checkliste gut überlegt sein sollten. Dies ist so wichtig, da Menschen eingehende Informationen in ihrer Bedeutung unbewusst nach der Reihenfolge, in der sie sie aufnehmen, sortieren. Hinzu kommt die enorme Menge an Informationen, die an der Börse auf Investoren einwirken. Deshalb ist es wichtig zu lernen, welche Informationen wichtig für das eigene Investment sind und welche nicht. Hierbei braucht es natürlich auch eine bestimmte Zeit sowie Erfahrung, um dies zu erkennen. "Letztendlich ist die Erfahrung der beste Lehrmeister. Aus dieser Erfahrung heraus kristallisiert sich irgendwann auch eine gewisse Intuition heraus, der man vertrauen sollte", heißt es in dem Blogbeitrag.

Redaktion finanzen.net

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