Benjamin Feingold-Kolumne

Die Psychologie Ihres Geldes 2026

16.01.26 11:46 Uhr

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Die Psychologie Ihres Geldes 2026 | finanzen.net

Für 2026 treffen bei deutschen Aktien hohe Erwartungen auf hohe Bewertungen. Auf fallende Kurse setzen - sprich short gehen - bleibt aber kompliziert in Sachen Timing.

Wer in den vergangenen 15 Jahren an der Börse permanent die Hand an der Reißleine hatte, wird heute vermutlich eher frustriert auf seinen Kontoauszug blicken. Die Geschichte des DAX lehrt uns eine brutale Lektion über die Psychologie des Geldes: Absicherungen werden zumindest längerfristig fast nie gebraucht. Sie beruhigen die Nerven, kosten aber Rendite. Echtes Spekulieren auf fallende Kurse ist eine der Königsdisziplinen am Finanzmarkt. Die bittere Ironie ist, dass Anleger meist mehr Geld mit dem panischen Schutz vor potenziellen Rückschlägen verbrannt haben, als sie in der Korrektur selbst verloren hätten - sofern die Kurse überhaupt nachgaben.

20 Prozent - und noch mehr?

Timing spielt somit bei Absicherungen eine zentrale Rolle. Eine negative Jahresbilanz zeigt die Datenbank der Börse München für den deutschen Leitindex seit 2010 gerade einmal drei Mal: 2011, 2018 und 2022. Hingegen ging es in den vergangenen beiden Jahren um überdurchschnittliche 20 Prozent aufwärts. Das ist deutlich mehr, als die heimische Unternehmenslandschaft an realem Wachstum zu bieten hat. Und genau an diesem Punkt, wo die Kurse den Fakten davonlaufen, wäre es fast wünschenswert, wenn die Jahresauftaktrally ausfällt und der DAX etwas deutlicher in Richtung 20.000 Punkte korrigiert. Ein kleiner Aderlass hat noch keinem Patienten geschadet, der zu viel Zucker im Blut hat.

Höhenrausch mit dünner Luft

Denn machen wir uns nichts vor: Aus Sicht der Bewertung ist die Luft auf dem aktuellen Niveau eher dünn. Das lässt nur wenig Fantasie für 2026 aufkommen, denn harte Fakten untermauern die dünne Luft. Diese fundamentale Erschöpfung zeigt sich bereits deutlich in der Lethargie, die den DAX seit Mai im Griff hält. Während die US-Indizes frische Rekorde markierten und den deutschen Markt zumindest auf der Unterseite stützten, geht nach oben nichts mehr. Die Decke ist erreicht. Die Gründe für diese Zurückhaltung liegen auf der Hand. Der DAX notiert auf einem Bewertungsniveau, das historisch betrachtet hoch ist. Zieht man das bei Value-Investoren beliebte Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) heran - eine Kennzahl, die deutlich weniger anfällig für bilanzkosmetische Tricksereien ist als Gewinnschätzungen -, leuchten die Warnlampen schon länger auf und bremsen den Markt aus. Seit Monaten liegt dieser Faktor bei 1,8. Ein Niveau, das in den vergangenen 25 Jahren nur äußerst selten und wenn, dann nur für kurze Zeit überboten wurde.

Vor zehn Jahren…

… war der DAX kurzzeitig sogar teuer. Was 2015 folgte, war ein kurzer Sprint zum Gipfel und ein schneller, schmerzhafter Abstieg. Eine Bewertung wie die aktuelle lässt sich nur rechtfertigen, wenn wir in einer Welt leben, in der Milch und Honig fließen und die Weltwirtschaft kräftig wächst. Doch das Schlaraffenland ist unrealistisch, im Gegenteil. Die Historie lehrt uns Demut: Ähnliche Werte wie derzeit wurden zuletzt 2018 und 2021 aufgerufen. In beiden Fällen verlor der Index spürbar an Fahrt und rauschte zurück auf ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,4 und weniger. "Würde man dieses gesunde Maß auf die aktuelle Ausgangslage übertragen, müsste der DAX auf knapp 19.000 Punkte fallen", rechnet Franz-Georg Wenner von Index-Radar vor. Ein Rücksetzer, den kaum jemand auf dem Zettel haben dürfte.

150 Jahre Börsenerfahrung kombiniert technische Analyse, Trading, Börsenpsychologie und konkrete Investments. Benjamin Feingold ist Mit-Gründer von Feingold Research. Unseren Börsendienst finden Sie unter feingoldresearch.de!

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