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29.12.2012 03:00
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Myanmar: Ansturm der Goldgräber

Die Öffnung des buddhistischen Staates Myanmar hat einen Investoren-Hype ausgelöst. Der könnte verfrüht sein. Das Land hat noch mit vielen Problemen zu kämpfen.
€uro am Sonntag
von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Die Klinke in die Hand geben sich derzeit ausländische Investoren in Rangun, der Wirtschaftsmetro­pole Myanmars. Seit das frühere Burma sich politisch und ökonomisch öffnet, wird das „Golden Land“ seinem Namen gerecht. Goldgräberstimmung ist überall im Land ausgebrochen. Der jahrzehntelang von der Welt abgeschottete und rückständige Staat durchläuft einen politischen Frühling. Die Reformen kommen von oben. Staatspräsident Thein Sein wird schon mit Michail Gorbatschow verglichen. Er hat erkannt, dass er nur durch mehr Demokratie und ausländische Direkt­investitionen die britische Exkolonie voranbringen kann.

Anfang November wurde daher das Auslandsinvestmentgesetz verabschiedet. Die Neuregelung ermöglicht Auslandsbeteiligungen bis zu 100 Prozent. Die Pachtdauer von Grund und Boden wurde auf 50 Jahre verlängert. Weitere Kernpunkte sind eine fünfjährige Steuerbefreiung und mehr Schutz vor Enteignung. Die Sonderwirtschaftszonen sollen weiter ausgebaut werden.

Die neuen Möglichkeiten bleiben multinationalen Konzernen nicht verborgen. Die Direktinvestitionen stiegen im Fiskaljahr 2011/2012 auf 20 Milliarden US-Dollar. In den drei Jahren vorher beliefen sie sich zusammen auf nur 1,5 Milliarden Dollar. Das BIP-Wachstum betrug 2012 sechs Prozent, 2013 sollen es 6,3 Prozent sein. Angekurbelt wird das Wachstum durch Investitionen und Exporte. Letztere legten 2012 um zwölf Prozent zu, 2013 sollen sie sogar um 45 Prozent steigen.

Das sind zwar beeindruckende Zahlen, doch kommt Myanmar von einem niedrigen Niveau. Vieles liegt im Argen. Die Korruption grassiert, die Infrastruktur ist in einem maroden Zustand. Die Eisenbahn stammt noch aus der britischen Kolonialzeit. Nur 18 Autos gibt es pro 1.000 Bürger, in Thailand sind es 370 Fahrzeuge. Auf 1.000 Einwohner kommen nur zwei Straßenkilometer, der Schnitt in Südostasien beträgt elf. Auch die Analphabetenrate ist mit zehn Prozent viel höher als bei den Nachbarn. Ausgebildete Fachkräfte sind Mangelware. Zudem sind internationale Banktransfers oder die Bezahlung mit Kreditkarte schwer machbar.

Hype setzt Preisspirale in Gang
Hinzu kommt, dass der Ansturm potenzieller Investoren bereits zu Preisblasen führt. Die Immobilienpreise haben sich zum Teil verdoppelt, die Büromieten in Rangun sind oft höher als in Bangkok. Die Übernachtungspreise in Hotels steigen im Wochentakt. Manche Experten befürchten deshalb, dass der Euphorie in Myanmar bald ein Kater folgt.

Auch den Reformen trauen nicht alle über den Weg. „Der Riesenchance, in einem Emerging Market in bester geografischer Lage zwischen China und Indien von Anfang an dabei zu sein, stehen hohe politische Risiken gegenüber. Mir machen besonders die ethnischen Säuberungen bei der muslimischen Rohingya-Minderheit große Sorgen. Dies destabilisiert das Land und könnte für die Militärjunta den Anlass bieten, den Demokratisierungsprozess zu stoppen“, befürchtet Florian Schulz, Herausgeber des Börsenbriefs „Emerging Markets Trader“.

Wer risikobereit ist und die Chancen sieht, dem fehlen Anlagemöglichkeiten in Myanmar. Eine Börse wird gerade erst aufgebaut und startet frühestens 2015. Da bleibt nur der Umweg über Unternehmen der Haupthandelspartner China, Hongkong, Thailand und Singapur. Die Schweizer EFG legte ein Zertifikat (ISIN: CH 019 089 138 9) mit elf Firmen aus Thailand, Singapur und Hongkong auf, die in Ex-Burma präsent sind und dort einen Teil ihrer Umsätze erzielen. Singapur- und Thai-Unternehmen dominieren. Die Siam-Firmen kommen aus den Bereichen Bau/Projektentwicklung sowie Energie, werden doch in Myanmar viel Öl, Gas und sonstige Rohstoffe vermutet. Firmen aus Singapur stammen aus den Sektoren Finanzen und Konsumgüter.

Anleger kaufen sich damit nur indirekt in Myanmar ein. Zudem müssen sie neben den Gefahren eines Pionierlands noch auf die Börsen Singapur und Bangkok achten. Wer anlegen will, hat derzeit aber keine Alternative. Alisher Ali, Leiter der Beteiligungsfirma Silk Road Finance in Rangun, rät zum Einstieg in Myan­mar: „Obwohl die Risiken enorm sind, sind die Chancen zu groß, als dass man sie verpassen dürfte.“

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