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12.03.2020 06:38

Shortselling und Leerverkäufe - so geht "shorten"

Wenn die Kurse schwächeln: Shortselling und Leerverkäufe - so geht "shorten" | Nachricht | finanzen.net
Wenn die Kurse schwächeln
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Wer auch an fallenden Kursen verdienen kann, steht auf dem Börsenparkett sicherer: Shortselling sichert auch im Bärenmarkt Gewinne. Dabei ist "Shorten" nicht nur was für Profis.
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Gewinne einstreichen, auch wenn die Kurse fallen - wer in jeder Marktsituation auf der Gewinnerseite steht, den kann der Markt kaum schocken. Shortselling wird häufig mit Hedgefonds in Verbindung gebracht. Das "Hedge" in Hedgefonds ist zwar tatsächlich dem Traden mit Shortsellings entlehnt, hat jedoch nichts, wie häufig angenommen, mit Zocken zu tun. Tatsächlich bedeutet der englische Begriff wörtlich nichts anderes als "absichern" und auch das "Shorten" kann zur Absicherung des Portfolios dienen. Doch was ist Shortselling eigentlich genau und wie "shortet" man richtig?

"Shorten" - an fallenden Kursen verdienen

Wer "short" geht, der spekuliert darauf, dass am Markt die Kurse fallen werden. Ob es sich dabei um fallende Aktien- oder Devisenkurse oder ganze Indizes handelt - mit dem richtigen Trading-Vehikel können Anleger aus jedem Kurssturz Gewinne schlagen. Je nach Marktsituation wären dann Optionsscheine, CFDs, Hebelzertifikate, Knock-Outs oder Futures das Mittel der Wahl. Dabei gilt jedoch höchste Sicherheitsstufe: Denn der erwartete Kurssturz muss nicht in jedem Fall auch tatsächlich kommen. Im schlimmsten Fall drohen sogar herbe Verluste. Daher ist eine gute Marktkenntnis für diese Manöver unabdingbar - oder wenn das nicht der Fall ist, zumindest eine gesunde Lust am Zocken.

Was ist Shortselling?

Eine weitere Möglichkeit, um an fallenden Kursen zu partizipieren, ist das Shortselling. Diese Trading-Variante kommt traditionell aus den USA und dem asiatischen Raum und bezeichnet den Leerverkauf von Wertpapieren. Das bedeutet, es werden Papiere verkauft, die sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht im tatsächlichen Besitz des Verkäufers befinden - sie sind lediglich ausgeliehen und müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt auch wieder an den Verleiher zurückgegeben werden. Wer Aktien, ETFs und Co. leer verkauft, spekuliert darauf, dass die Kurse in der Zeit bis zur Rückgabe fallen werden. Denn in diesem Fall kann der Leerverkäufer die Papiere zum günstigeren Kurs zurückkaufen. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem Rückkaufkurs streicht der Shortseller als Gewinn ein.

Wie tätige ich Leerverkäufe?

Aktien verkaufen, die einem nicht gehören - klingt paradox, ist aber möglich. Denn die gewünschten Papiere können sich Anleger relativ unkompliziert einfach leihen, von einem Kreditinstitut, einem Broker, Fonds oder auch von einem Großaktionär. Dabei fällt eine Zinsgebühr an, die im Vorhinein mit einkalkuliert werden sollte. Daneben wird vorab ein fixer Termin vereinbart, zu dem die jeweiligen Papiere wieder zurückgegeben werden müssen. Im Anschluss kann der Leerverkäufer diese an der Börse zum aktuellen Kurs verkaufen - den Ertrag behält er in der Hinterhand. Nun wird es spannend: Fallen die Kurse tatsächlich? Falls ja, muss der Leerverkäufer den möglichst niedrigsten Kurs abwarten und die Anlagewerte, die er zum verabredeten Zeitpunkt zurückgeben muss, dann zu diesem günstigeren Preis kaufen. Ist die Frist verstrichen, erhält der Verleiher die Wertpapiere zu dem Preis zurück, zu dem sie geliehen wurden. Der Leerverkäufer behält seinen Gewinn, denn er hat seine Wertpapiere teuer veräußert und günstig zurückgekauft.

Was, wenn die Kurse nicht fallen?

Manchmal sind die Märkte launisch und reagieren ganz anders, als erwartet. Mit diesem Risiko müssen Shortseller leben, denn es ist natürlich möglich, dass die Kurse nach dem Leerverkauf der Wertpapiere nicht wie angenommen fallen, sondern vielleicht sogar steigen. In diesem Fall tickt die Uhr bis zur Rückgabe der Papiere trotzdem weiter. Im ungünstigsten Fall muss der Shortseller sie zu einem teureren Kurs zurückkaufen und realisiert damit einen Verlust, der nahezu unbegrenzt hoch ausfallen kann.

Wozu Shortselling?

Shortselling muss nicht immer gleichzeitig wilde Zockerei bedeuten. Manchmal zeichnet sich ein übergeordneter Abwärtstrend am Markt ab, wie etwa im Zeitraum des Bärenmarkts von 2000 bis 2002. An einer solch langfristigen Abwärtsbewegung können Anleger durch "Shorten" mitunter sehr gewinnbringend partizipieren. Auch das Zeitfenster bis zur Rückgabe der Papiere und damit die Chance auf einen günstigen Rückkaufkurs ist in diesem Szenario größer.
Auch wenn Märkte heiß laufen und die nächste Korrektur ansteht, lässt sich aus dieser Situation mit Shortselling Gewinn schlagen. Und selbst wenn die Gesamtmarkttendenz aufwärts zeigt, können Shortseller an einzelnen Basiswerten verdienen, die gegen den übergeordneten Trend Schwäche zeigen.
Daneben können Anleger ihre Depots mit Leerverkäufen sogar absichern. Beginnen die Kurse zu sinken, federn leerverkaufte Aktien den Sturz etwas ab oder gleichen ihn sogar aus.

Short Sales und ihr zweifelhafter Ruf

In der Finanzwelt werden Leerverkäufe kritisch gesehen. Sie stehen in dem Ruf Kursstürze zu verursachen, wenn namhafte Investoren short gehen, obwohl gar nicht absehbar ist, warum die Kurse in den Keller gehen sollten. Vorsichtige Anleger veräußern in diesem Fall mitunter gerne vorsichtshalber ihre Papiere, bevor sie den Kurseinbruch verschlafen. Aber Shortsellings können dem Markt ebenso auch nützen. Short Sales helfen beispielsweise, spekulative Übertreibungen auszubremsen. Wenn die Kurse boomen und eine Blasenbildung droht, helfen Investorenwetten auf fallende Kurse dabei, etwas Luft aus der sich bildenden Spekulationsblase entweichen zu lassen.

Christina Fischer, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: arka38 / Shutterstock.com
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