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07.08.2019 19:04
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Handelskonflikt zwingt Fed zu Maßnahmen: Eine weitere Zinssenkung gilt als sicher

Globale Spannungen: Handelskonflikt zwingt Fed zu Maßnahmen: Eine weitere Zinssenkung gilt als sicher | Nachricht | finanzen.net
Globale Spannungen
Nachdem die US-Notenbank die Leitzinsen erst vergangene Woche gesenkt hatte, wird am Markt nun bereits über die nächste Zinssitzung im September spekuliert. Während ein Großteil der Experten eine erneute Senkung für sehr wahrscheinlich hält, warnen einige vor den Folgen eines weiteren Zinsschrittes.
• Fed hat Leitzinsen kürzlich erstmals seit Finanzkrise wieder gesenkt
• Eskalation im US-chinesischen Handelsstreit zwinge Fed zu weiteren Maßnahmen
• Erneute Zinssenkung im September gilt als nahezu sicher

Erste Zinssenkung seit Finanzkrise

Vergangene Woche hat die US-Notenbank Fed die Leitzinsen zum ersten Mal seit über zehn Jahren, seit der Finanzkrise 2008, wieder reduziert. Die Leitzinsspanne wurde um 0,25 Prozentpunkte auf 2,0 bis 2,25 gesenkt. Gründe für die geldpolitische Lockerung, laut Fed: Unterstützung der "globalen Entwicklungen", Versicherung gegen wirtschaftliche Risiken, Anhebung der verhaltenen Inflation. "Wir denken, der Schritt wird diesen Zielen dienen", erklärte Notenbankchef Jerome Powell. Er nannte die Senkung eine "Anpassung an die Politik in der Mitte des Zyklus". Es sei zwar durchaus möglich, dass weitere Zinssenkungen folgen würden. Powell dämpfte zugleich jedoch die allgemeine Euphorie etwas: Die jüngste Zinssenkung sei eine Absicherung gegen wirtschaftliche Risiken, sollte aber nicht als Beginn einer langen Serie von Zinssenkungen verstanden werden. "Lassen Sie mich klarstellen: Ich habe gesagt, es ist nicht der Beginn einer langen Reihe von Zinssenkungen. Ich habe nicht gesagt, dass es sich nur um eine Zinssenkung handelt", hatte der Fed-Chef erklärt. Die nächste Zinssitzung der Fed findet im September statt.

Goldman Sachs: Weitere Zinssenkung zu 90 Prozent sicher

Die US-Großbank Goldman Sachs geht davon aus, dass die US-Notenbank die Zinsen im September ein weiteres Mal senken wird, danach dürfte sie den Lockerungszyklus aber beenden. "Wir sehen [Powells] Ausdrucksweise im Einklang mit unserer Erwartung, dass die Lockerung mit einer zweiten Senkung um 25 Basispunkte endet", hatte Goldman-Chefökonom Jan Hatzius vergangene Woche in einer Notiz an Kunden geschrieben. Er sah zu diesem Zeitpunkt eine 55-prozentige Chance auf eine Senkung um 25 Basispunkte, eine 50 Basispunkte-Senkung war ihm zufolge zu 5 Prozent wahrscheinlich und es bestand eine 40-prozentige Chance darauf, dass die Fed die Zinsen nicht senken wird, heißt es bei CNBC. Hatzius sah in dieser Situation allerdings "wenig Bedarf" für diese Zinskürzungen. "Die Unsicherheit ist eigentlich nicht besonders hoch und die Investitionserwartungen sind nicht besonders gedrückt", gab der Chefökonom seine Einschätzung wider.

Nachdem US-Präsident Donald Trump dann aber Ende letzter Woche mit neuen Strafzöllen in Höhe von 10 Prozent auf chinesische Güter im Volumen von 300 Milliarden US-Dollar gedroht hatte, passte Goldman Sachs seine Einschätzung an. "Wir sehen jetzt eine 70%ige Chance auf einen 25 Basispunkte-Schnitt, eine 10%ige Chance auf einen 50 Basispunkte-Schnitt und eine 20%ige Chance auf keine Politikänderung im September", schrieben die Ökonomen unter der Leitung von Hatzius. Trumps überraschende neue Drohung dürfte Abwärtsdruck auf die Weltwirtschaft ausüben und die Notenbanken zwingen, zu reagieren, heißt es bei Bloomberg. "Wir sehen jetzt eine 90%ige Chance auf mindestens einen zusätzlichen Schnitt […] zu einem bestimmten Zeitpunkt in diesem Jahr (gegenüber 80% zuvor). Wir haben unsere Basisprognose, dass die Fed insgesamt um 50 Basispunkte kürzen wird, nicht geändert, aber die Ankündigung neigt die Risiken in Richtung tiefere Einschnitte", so die Goldman Sachs-Ökonomen.

Eskalation im Handelskonflikt macht weiteren Zinsschritt wahrscheinlicher

Auch die Abwertung des Yuan durch China im anhaltenden Handelskrieg könnte die Fed zu einem aggressiveren Vorgehen zwingen, heißt es bei Yahoo Finance. "Die [Zoll-]Aktion und der Ausverkauf auf den Weltmärkten und die Stärkung des US-Dollars werden die Fed zwingen, die Zinsen weiter zu senken", glaubt Alicia Levine, Chefstrategin bei BNY Mellon Investment Management.

"China senkte den Preis seiner Währung auf ein fast historisches Tief. Das nennt sich ‘Währungsmanipulation’. Hören Sie, Federal Reserve? Dies ist ein schwerer Verstoß, der China mit der Zeit stark schwächen wird", reagierte der US-Präsident daraufhin auf Twitter.

"Ein 25 Basispunkte-Schnitt [im September] ist in der Tasche. Wenn es eine Frage gab, ist diese Frage weg", sagte Levine gegenüber Yahoo Finance.

"Wenn es so weitergeht, sind die Chancen auf eine 50 Basispunkte-Senkung höher", meint auch Neil Dutta, Chefvolkswirt bei Renaissance Macro Research in New York. "Die Abwärtsrisiken für das Wachstum haben zugenommen. Die willkürliche Natur, mit der diese Politik verfolgt wird, schafft Unsicherheit, und die Unternehmen wissen nicht, was als nächstes passiert. Das wird die ‘Aktivität einfrieren’."

Auch Ed Al-Hussainy, Senior Zins- und Währungsanalyst bei Columbia Management, hat seine Einschätzung nach der Trump-Drohung angepasst: "Eine 50 Basispunkte-Bewegung im September ist jetzt viel näher am Basisfall. Wenn dies ein vorsorglicher Senkungszyklus ist, sollten wir diese Versicherung sofort abschließen. Eine Bewegung von 25 Basispunkten ist unverhältnismäßig zu den Risiken, die auf dem Tisch liegen".

"Wenn der Präsident die drohende Eskalation der Zölle weiterverfolgt, sind aggressivere Gegenmaßnahmen der Fed gerechtfertigt, möglicherweise eine zusätzliche Lockerung um bis zu 75 Basispunkte bis zum Jahresende", erklärten gar die Ökonomen von Bloomberg.

Schwierige Situation für die Fed

Diane Swonk, Chefökonomin bei Grant Thornton LLP, schätzt die Situation für die US-Notenbank als sehr schwierig ein. "Sie werden im September senken, aber es ist unklar, wie viel sie tatsächlich tun können, um das Vertrauen in eine Welt zu stärken, in der sich die Politik in der Geschwindigkeit eines Tweets ändern kann." "The Fed is between a rock and a hard place", nutzte Swonk eine US-amerikanische Redewendung, um die Lage der Fed zu beschreiben. Die US-Notenbank müsse sich zwischen gleichermaßen unangenehmen Vorgehensweisen entscheiden, meint Swonk.

"Während die Zollbedrohung nicht als Bluff abgetan werden sollte, versucht die Trump-Administration eindeutig, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen - ein Handelsabkommen mit China zu erreichen und die Fed zu zwingen, die Zinsen zu senken", zitiert MarketWatch Gregory Daco, US-Chefökonom für Oxford Economics.

Weitere Zinssenkung nicht nötig?

Der ehemalige Fed-Gouverneur Larry Lindsey warnte derweil zu Beginn der Woche, dass die Fed die Zinsen nicht noch einmal senken sollte, auch wenn China seine Währung als Handelswaffe einsetze. Seine Kommentare widersprechen damit den Erwartungen des Marktes, dass es im September mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu einer weiteren Reduzierung der Leitzinsen kommen wird. "Es steht außer Frage, dass die Wirkung von Zöllen dazu führen wird, dass die Währung des anderen Landes abwertet, und das ist es, was hier passiert ist, und dabei schrumpft man das Handelsdefizit nicht wirklich stark. Es wird alles in der Währung und nicht im eigentlichen Handel absorbiert", zitiert ihn CNBC. "Ich denke, dass die Fed datenabhängig sein sollte und im Moment denke ich nicht, dass wir die Art von Daten haben, die die Senkung [der Leitzinsen] rechtfertigen", sagte Lindsey. "Wir haben eine sehr niedrige Arbeitslosigkeit. Wir haben eine Wirtschaft, die im ersten Halbjahr durchschnittlich bei 2,6% lag. Es sieht so aus, als würde es auch in der zweiten Hälfte in dieser Größenordnung liegen. Das sind nicht die Bedingungen, unter denen die Zentralbank normalerweise senken würde", fügte der ehemalige Fed-Gouverneur hinzu.

Es bleibt also spannend: Wird die US-Notenbank die Zinsen schon im nächsten Monat erneut senken? Oder behält der ehemalige Fed-Gouverneur mit seiner Einschätzung, dass die aktuelle Lage eine weitere Senkung nicht hergebe, recht?

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: fstockfoto / Shutterstock.com, Lightspring / Shutterstock.com

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