30.10.2010 06:00

Performaxx-Analysten mit fragwürdigen Empfehlungen

Folgen
Das Researchhaus Performaxx hat zahlreiche Kaufstudien zu Aktien veröffentlicht, deren Kurse manipuliert worden sein sollen. Geschäftsführer weist Vorwürfe zurück.
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€uro am Sonntag
von Thomas Schmidtutz, €uro am Sonntag

  München. Im Skandal um mögliche Kursmanipulationen durch ein Netz aus Vermögensverwaltern, Anlegerschützern und Börsenjournalisten hat das Münchner Unternehmen Performaxx Research GmbH auffällig viele der von der Staatsanwaltschaft untersuchten Aktien empfohlen. Das geht aus einer Auswertung dieser Zeitung hervor. Danach hat das Researchhaus mindestens acht der insgesamt 22 wegen auffälliger Kursverläufe untersuchten Werte in Reports oder im wöchentlich erscheinenden „Anlegerbrief“ als Kaufgelegenheiten (Kaufen, Spekulativ kaufen) eingestuft.

Zu den von Performaxx teils euphorisch beurteilten Werten gehören unter anderem Splendid Medien, Dolphin Capital sowie Petrohunter bzw. dessen Vorgängerunternehmen Digital Ecosystems. Die Staatsanwaltschaft München I verdächtigt Performaxx zu den ingesamt rund 30 Börsenbriefen und Internetseiten zu gehören, über die eine Clique aus rund 30 Personen die Kurse zahlreicher Aktien manipuliert haben soll. Alle Empfehlungen fallen exakt in jene Zeiträume, während derer es laut Staatsanwaltschaft zu Kursmanipulationen gekommen sein soll.

So schrieb Performaxx etwa in seiner Ersteinschätzung zum kanadischen Erdöl-Explorationsunternehmen Petrohunter vom 15. März 2006, das Unternehmen biete „Investoren die Chance, schon in einer frühen Unternehmensphase an den sehr großen Potenzialen der Gesellschaft zu partizipieren.“ Zwar gebe es bei „kleinen und jungen Rohstoffunternehmen“ (wie Petrohunter, d. Red.) „erhebliche Risiken“. Aber das Portfolio sei „extrem werthaltig“, die Aktie habe bei erfolgreicher Entwicklung einzelner Projekte „großes Potenzial“. Angesichts „der zu erwartenden Geschäftsentwicklung“ sei ein Unternehmenswert von „9,00 bis 11,00 Euro möglich“, schrieb Performaxx-Analyst Rupert Stöger. Zum Zeitpunkt der Empfehlung notierte der Wert bei 2,45 Euro. Inzwischen kostet die Aktie noch einen Cent.

Auch anderen Werten attestierte das Researchhaus teils krasse Unterbewertungen. So errechnete Performaxx-Analyst Holger Steffen für die Beteiligungsgesellschaft Dolphin Capital ein Kursziel von 13,52 Euro. Zum Zeitpunkt der Empfehlung am 5.12.2007 notierte die Aktie bei 4,44 Euro, am Freitag stand die Aktie bei 0,63 Euro. Beim Biotechunternehmen Nascacell kam Steffen auf ein Kursziel von 14,54 Euro und damit gut vier Mal über dem damaligen Kurs von 3,87 Euro. Nascacell ist inzwischen pleite, der Liquidiationsüberschuss von 4 Cent je Aktie an die verbliebenen Aktionäre ausgeschüttet. Bei vielen der untersuchten Aktien war Performaxx entweder selbst beteiligt oder hat die Berichte im Auftrag der Firmen selbst erstellt und den Unternehmen vor Veröffentlichung vorgelegt. Dies geht aus den umfangreichen Haftungsauschlusshinweisen (Disclaimer) am Ende der Reports hervor.

Aus Finanzkreisen heißt es, „objektive und unabhängige Studien seien bei diesen Voraussetzungen kaum zu erwarten“. Performaxx weist alle Vorwürfe zurück. Man habe „stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und alle möglichen Interessenkonflikte offengelegt“, sagte Co-Geschäftsführer Stöger. Dass unter den nun untersuchten Aktien auch Werte seien, „über die wir geschrieben haben, steht in keinem Zusammenhang. Schließlich veröffentlichen wir 130 bis 150 Analysen pro Jahr“.  

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