15.10.2021 17:50

Verkauf der Hongkong-Zentrale von Evergrande wohl gescheitert - China erleichtert offenbar Kreditvergabe

Ansteckungsgefahr eindämmen: Verkauf der Hongkong-Zentrale von Evergrande wohl gescheitert - China erleichtert offenbar Kreditvergabe | Nachricht | finanzen.net
Ansteckungsgefahr eindämmen
Folgen
Der geplante milliardenschwere Verkauf der Hongkong-Zentrale des klammen chinesischen Immobilienriesen Evergrande ist vorerst geplatzt.
Werbung

Der dem Staat gehörende Immobilienentwickler Yuexiu Property hat sich aus den Gesprächen angesichts der schwierigen Finanzlage des Unternehmens zurückgezogen, wie zwei mit der Anlegenheit vertraute Personen berichteten. Verhandelt worden sei ein Kauf des Gebäudekomplexes für umgerechnet 1,7 Milliarden Dollar. Evergrande und Yuexiu ließen Anfragen nach einer Stellungnahme unbeantwortet. Chinas Zentralbank versuchte am Freitag, Befürchtungen vor größeren Auswirkungen der Evergrande-Krise zu zerstreuen.

Das Scheitern der Verhandlungen ist ein weiterer Rückschlag für Evergrande. Der Konzern sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Dollar und hat bereits mehrere Fristen für fällige Zinszahlungen an seine Anleihegläubiger verstreichen lassen. Angesichts des Umfangs der Verbindlichkeiten grassiert die Sorge, dass ein Kollaps von Evergrande einen Flächenbrand im chinesischen Immobiliensektor auslösen könnte.

Den Insidern zufolge stand Yuexiu bereits im August kurz davor, das Geschäft abzuschließen. Doch die Führung des in der Millionenmetropole Guangzhou ansässigen Immobilienentwicklers habe sich gegen eine Vereinbarung gestellt. Grund seien Befürchtungen gewesen, die ungelöste Verschuldungssituation bei Evergrande werde womöglich einem reibungslosen Abschluss der Transaktion im Wege stehen. Evergrande hatte das 26-stöckige Evergrande Centre im Wan-Chai-Distrikt in Hongkong vor sechs Jahren für umgerechnet 1,61 Milliarden Dollar erworben.

CHINAS ZENTRALBANK VERSUCHT ZU BERUHIGEN

Chinas Zentralbank versuchte unterdessen Befürchtungen zu entkräften, die Krise bei Evergrande könne womöglich die Bankenbranche in Mitleidenschaft ziehen. "Individuelle Finanzinstitute seien keinem großen Risiko ausgesetzt und der Ausstrahlungseffekt auf den Finanzsektor ist kontrollierbar", sagte der Leiter der Finanzmarkt-Abteilung der Notenbank, Zou Lan, bei einem Briefing. Der Konzern habe seine Geschäfte blind diversifiziert und expandiert, kritisierte er. Evergrande solle den Verkauf von Vermögenswerten und die Wiederaufnahme von Bauprojekten beschleunigen. Behörden würden bei Projekten finanziell unterstützend eingreifen.

Die Evergrande-Krise hat inzwischen auch die Bilanzaufsicht in Hongkong auf den Plan gerufen. Das Financial Reporting Council (FRC) nimmt den Jahresabschluss 2020 und den Halbjahresausweis 2021 des Immobilienriesen unter die Lupe, wie es am Freitag mitteilte. Auch die Bilanzprüfung des Jahresabschlusses 2020 durch PwC werde untersucht. Die Aufseher treibt um, ob die Bilanzierung des Konzerns und der Prüfbericht von PwC angemessen gewesen seien.

China erleichtert wegen Evergrande offenbar Vergabe von Immobilienkrediten Die chinesische Regierung hat Kreisen zufolge in die Vergabe für Immobilienkredite eingegriffen, um die Ansteckungsgefahr durch die Schieflage des schwer angeschlagenen chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande klein zu halten. Die Finanzaufsicht trug einigen Großbanken im vergangenen Monat auf, die Kreditvergabe für Immobilienkredite für das dritte Quartal zu beschleunigen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf Insider berichtete. Zudem wurde den Banken der Verkauf bestimmter Anleihen erlaubt, die auf Immobilienkrediten basieren, um so die Kreditvergabe zu unterstützen. Dies war noch im Frühjahr weitgehend untersagt worden.

Die Krise rund um Evergrande lastet unverändert auf dem chinesischen Finanz- und Immobilienmarkt, je nach Nachrichtenlage mit unterschiedlicher Intensität und Folgen. Der Handel mit Aktien des hoch verschuldeten chinesischen Immobilienriesen Evergrande und seiner Hausverwaltung an der Börse in Hongkong ist seit 4. Oktober ausgesetzt. Unterdessen halten sich Spekulationen über Rettungsmaßnahmen wie einen Einstieg eines anderen großen chinesischen Konzerns in die Immobilienverwaltung Evergrande Property Services. Bei den Zinszahlungen für Anleihen von Evergrande kam es zuletzt immer wieder zu Verzögerungen.

Evergrande gilt als das weltweit am höchsten verschuldete Immobilienunternehmen mit mehr als 300 Milliarden Dollar an Verbindlichkeiten. Der Konzern muss dringend Geld auftreiben, um Banken, Zulieferer und Anleihegläubiger fristgerecht bezahlen zu können. Zusätzlich schuldet Evergrande auch Kleinanlegern, darunter vielen Mitarbeitern, mehrere Milliarden Dollar.

Der Konzern ist so groß, dass einige Experten eine "Ansteckungsgefahr" für Chinas Wirtschaft und darüber hinaus befürchten. Die chinesische Regierung zögert aber, dem Immobilienriesen zu Hilfe zu kommen. Eigentlich will sie für Ordnung auf dem hoch spekulativen und boomenden Immobilienmarkt in China sorgen und könnte mit Evergrande ein Exempel statuieren wollen.

Die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, versuchte derweil unlängst die Ängste zu mildern. "Im Moment sehen wir das auf China konzentriert", hatte sie im September in einem Interview mit dem US-TV-Sender CNBC gesagt. Und auch die japanische Zentralbank bewertete die Finanzprobleme von Evergrande zuletzt nicht als systemisches Risiko für die Weltwirtschaft.

Chinas Notenbank sieht durch Evergrande keine Gefahr für Finanzmärkte

Die chinesische Notenbank hat in der Krise um den Immobilienkonzern Evergrande ihr Schweigen gebrochen. Die von der finanziellen Schieflage des Konzerns ausgehenden Risiken für das Finanzsystem seien kontrollierbar, sagte ein Sprecher der Notenbank am Freitag auf einer Pressekonferenz. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Krise von Evergrande auf andere Bereiche ausdehne. Die Zentralbank rief allerdings die Banken des Landes dazu auf, für eine stabile Kreditversorgung der Immobilienunternehmen des Landes zu sorgen.

Am Morgen hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Regierung in Peking die Vergabe von Immobilienkredite erleichtert habe, um die Gefahr eines Übergreifens der Evergande-Krise auf die Finanzmärkte klein zu halten. Demnach habe die Finanzaufsicht einigen Großbanken im vergangenen Monat aufgetragen, die Kreditvergabe für Immobilienkredite zu beschleunigen.

Die Krise rund um Evergrande lastet auf dem chinesischen Finanz- und Immobilienmarkt. Der Handel mit Aktien des hoch verschuldeten chinesischen Immobilienriesen und seiner Hausverwaltung an der Börse in Hongkong ist seit dem 4. Oktober ausgesetzt. Unterdessen halten sich Spekulationen über Rettungsmaßnahmen wie einen Einstieg eines anderen großen chinesischen Konzerns. Bei den Zinszahlungen für Anleihen von Evergrande kam es zuletzt mehrfach zu Verzögerungen.

HONGKONG / PEKING (Reuters / dpa-AFX)

Ausgewählte Hebelprodukte auf China Evergrande Group
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf China Evergrande Group
Long
Short
Hebel wählen:
5x
10x
Name
Hebel
KO
Emittent
Bildquellen: Casimiro PT / Shutterstock.com, hxdbzxy / Shutterstock.com

Nachrichten zu China Evergrande Group

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu China Evergrande Group

Keine Analysen gefunden.

mehr Analysen

Um 18 Uhr geht's los!

Heute Abend schaut sich Trading-Experte Ingmar Königshofen wieder mit Ihnen zusammen die Aktienmärkte an. Erhalten Sie exklusive Börsen-Tipps und Marktausblicke vom Profi direkt aus erster Hand!

Werbung
Werbung
Werbung
Neue Funktionen als Erstes nutzen
Sie nutzen finanzen.net regelmäßig? Dann nutzen Sie jetzt neue Funktionen als Erstes!
Hier informieren!
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

China Evergrande Group Peer Group News

Keine Nachrichten gefunden.

Heute im Fokus

DAX schließt über 12.600 Punkten -- Shell-CEO rechnet mit zusätzlichen Steuern -- Porsche, VW und BMW auf dem US-Automarkt mit höherem Absatz -- ProSiebenSat.1, BASF im Fokus

Brüssel genehmigt deutsche Milliarden-Subvention für CO2-armen Salzgitter-Stahl. GRENKE geht von mehr Neugeschäft aus. Hapag-Lloyd tätigt Milliardenübernahme in Chile. Sixt plant Kauf von 100.000 E-Autos von Tesla-Rivale BYD. Amazon-Beteiligung Rivian überzeugt mit Produktionszahlen und bestätigt Jahresziele. EU-Kommission bereitet sich auf mögliche Stromausfälle vor.

Umfrage

Glauben Sie, dass es in den kommenden sechs Monaten schwieriger wird, die eigenen Renditeerwartungen zu erzielen?

finanzen.net zero
finanzen.net zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln