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07.04.2015 03:00
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Fisch-Investments: Fette Renditen fischen

Aquafarming boomt: Fisch-Investments: Fette Renditen fischen | Nachricht | finanzen.net
Aquafarming boomt
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Weil das proteinhaltige Lebensmittel immer beliebter wird, das Angebot aus den Meeren aber stagniert, gewinnt die Fisch-Zucht immer mehr an Bedeutung. Von dieser Entwicklung können Anleger profitieren.
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von Astrid Zehbe, Euro am Sonntag

Allen Grund zu feiern hatten Wissenschaftler im vergangenen Sommer in der norwegischen Stadt Trondheim: Erstmals war es weltweit gelungen, bei Zuchtversuchen des Blauflossenthunfischs den Großteil der Fischlarven über die frühe Entwicklungsphase hinaus am Leben zu erhalten. Bis dahin waren die komplizierten Geschöpfe stets innerhalb der ersten drei Wochen verendet. Für die kommerzielle Zucht des vom Aussterben bedrohten Meerestieres könnte dies der entscheidende Schritt gewesen sein. Gelingt es tatsächlich, den atlantischen Blauflossenthunfisch - einen der begehrtesten Fische der Welt - im großen Stil zu züchten, würden sich nicht nur Tier- und Umweltschützer, sondern auch Investoren freuen.

Denn es geht um viel Geld. Die erhöhte Fischnachfrage hat in den vergangenen Jahren auch die Preise stark steigen lassen. Das gleichzeitig knappe Angebot vieler Fischarten macht die Branche zu einem der interessantesten Zukunftsmärkte, nicht zuletzt dank des boomenden Aquafarming, das den Hunger der Welt nach Fisch stillen soll. Der hat in den vergangenen Jahren vor allem in den Schwellenländern zugenommen. Dort wachsen Bevölkerung und Einkommen rasant, immer mehr Menschen können es sich leisten, Fisch und Fleisch zu essen.

Fisch ist nicht nur wegen seines Geschmacks beliebt, sondern auch weil er deutlich gesünder ist als Fleisch: Er hat weniger Kalorien, ist reich an Proteinen, und seine Omega-3-Fettsäuren schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Eigenschaften, die ihn auch in der westlichen Welt begehrt machen. Verzehrten die Menschen in den 60er-Jahren weltweit noch 9,9 Kilogramm Fisch im Jahr, sind es heute nach Angaben der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Schnitt 19 Kilo pro Person. Für das Jahr 2020 rechnen Experten mit einem durchschnittlichen Fischkonsum von mehr als 20 Kilo.

Das mag gesund sein, hat aber auch eine Schattenseite. Der Heißhunger auf Fisch wurde schon vielen Arten zum Verhängnis. Jahrelange Überfischung hat dafür gesorgt, dass weltweit rund drei Viertel der Bestände als bis an ihre Grenzen ausgebeutet gelten und zahlreiche Arten vom Aussterben bedroht sind. Der klassische Wildfang reicht darum längst nicht mehr, um die steigende Nachfrage zu befriedigen.

"Seit den 90er-Jahren liegt die Wildfangproduktion dank rigoroser Kontrollen bei den Fangquoten relativ stabil bei etwa 90 Millionen Tonnen im Jahr", sagt Christoph Baldegger. Der Schweizer arbeitet für den Bonafide Global Fish Fund (siehe Investor-Info). "Das Angebotswachstum kann nur über den Aufbau nachhaltiger Aquakulturen erhöht werden", betont er die steigende Bedeutung der Fischzucht.

Mit Aquakultur gegen Engpässe

Aquakulturen und Aquafarming nehmen dabei die wichtigste Rolle ein. Hinter den Begriffen verbirgt sich die industrielle Massenzucht von Tieren und Organismen in Gewässern - zum Beispiel von Fisch, Muscheln und Krebsen, aber auch Algen. Bei Fischen ist es in der Regel so, dass die Tiere zunächst in Binnengewässern heranwachsen. Haben sie eine bestimmte Größe erreicht, werden sie in riesigen, mit Netzen abgesteckten Freigehegen ausgesetzt. Dort sollen sie bis zur Schlachtreife leben und wachsen.

Aquafarmen gibt es mittlerweile überall auf der Welt. Und es werden immer mehr: Weil ihre Küstengewässer teilweise überfischt sind, entscheidet sich eine zunehmende Zahl an Ländern, auf Aquafarming umzusteigen. Vor allem in Asien boomt der Markt, aber auch in anderen Regionen ist das Potenzial erkannt: Erst kürzlich kündigten beispielsweise die Vereinigten Arabischen Emirate an, den Anteil von Aquakulturen an ihrer gesamten Fischproduktion von bisher ein auf 25 Prozent zu erhöhen. Weltweit liegt der Anteil bereits deutlich darüber: Rund die Hälfte des global produzierten Fischs stammt mittlerweile von Aquafarmen. Schon in acht Jahren soll es noch deutlich mehr sein.

Eine Branche im Aufbruch

Es ist ein Geschäft, das sich lohnt: Die Preise steigen seit Jahren. Der von der FAO berechnete Fischpreisindex hat sich in den vergangenen zehn Jahren um rund 60 Prozent erhöht. Das Handelsvolumen für gezüchteten Fisch liegt Schätzungen zufolge bei mehr als 130 Milliarden US-Dollar. Seit den 60er-Jahren ist die Fischproduktion pro Jahr im Schnitt um fast neun Prozent gestiegen - und damit zweimal dynamischer als in der Fleischbranche. Rund 600 Fischarten werden mittlerweile in Aquakulturen produziert. Weltweit betrachtet wird der Karpfen am häufigsten gezüchtet, gefolgt von Welsen, Tilapien - eine Gattung afrikanischer Buntbarsche - sowie Lachsen.

Ihre Aufzucht ist kein leichtes Unterfangen. Die Tiere reagieren mitunter sensibel auf Änderungen ihrer Umgebung. Strömung, Temperatur und Lichtverhältnisse - all das muss möglichst genau der Natur nachgebildet werden, um erfolg- und ertragreich zu züchten. "Die ganze Farmingindustrie ist noch sehr jung und fragmentiert. Neue Technologien sind auf dem Vormarsch", beschreibt Christoph Baldegger den für Anleger exotischen Markt, den er mittlerweile sehr gut kennt. Im vergangenen Jahr war er mehr als 50 Tage unterwegs, um sich vor Ort ein Bild über potenzielle Unternehmen für seinen Fonds zu machen. Vor allem in der Fischfutterindustrie tue sich viel: "Der Anteil an Fischmehl zur Fütterung der Tiere wird immer kleiner. Algen und Käfer könnten in absehbarer Zeit die neuen proteinhaltigen Fischfutterzusätze sein."

Das würde die Lage in den Weltmeeren weiter entspannen. Zwar sind die Futterkosten bei Fisch deutlich niedriger als bei Fleisch, doch kommt ein Teil des Futters ausgerechnet aus dem Meer: Rund 22 Millionen Tonnen des Wildfischfangs oder knapp ein Viertel der gesamten Fangmenge werden zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet. Eine Praxis, die Umweltschützer und die Vereinten Nationen seit Jahren kritisieren.

Die Lösung könnte wie beim Thunfischfarming aus Norwegen kommen. Das Land ist in Sachen Aquafarming Vorreiter und startete Anfang der 70er-Jahre mit der Entwicklung von Aquakulturen für Lachs. Bis heute geben die Unternehmen des Landes weltweit den Ton an. Der weltgrößte Zuchtlachskonzern, Marine Harvest, forscht aktuell beispielsweise daran, aus Koniferen günstiges und umweltverträgliches Fischfutter herzustellen. Sein Aktienkurs hat sich in den vergangenen drei Jahren fast verdreifacht.

Bieterwettstreit um Norweger Die dynamische Entwicklung auf dem Markt dürfte anhalten. Wie beliebt diese innovativen Unternehmen bei Investoren sind, zeigt auch das Beispiel Cermaq. Weil die norwegische Firma sowohl in der Fischzucht als auch in der Futtermittelherstellung tätig ist, galt sie seit Längerem als Übernahmekandidat. Nachdem ein Bieterwettstreit, bei dem sich unter anderem Marine Harvest beteiligt hatte, 2013 scheiterte, schlug im vergangenen September der japanische Mischkonzern Mitsubishi zu und übernahm die Firma für 1,4 Milliarden Dollar - 100 Millionen Dollar mehr, als noch im Vorjahr geboten waren.

In Sachen Blauflossenthunfisch haben derzeit übrigens japanische Wissenschaftler die Nase vorn: Gemeinsam mit dem Handelshaus Toyota Tsusho wollen sie die weltweit erste kommerzielle Thunfischfarm aufbauen. Kein Wunder, schließlich war es das japanische Sushi, das dem Blauflossenthunfisch beim Kampf um die Dominanz auf dem Teller zum weltweiten Siegeszug verholfen und zugleich seine Bestände drastisch reduziert hat.

Investor-Info

Fischpreisindex
Fisch wird immer teurer

Wegen der steigenden Nachfrage und des nur langsam wachsenden Angebots von Fisch haben sich die Preise in den vergangenen zehn Jahren um knapp 60 Prozent erhöht. Besonders Lachs und Shrimps sind deutlich teurer geworden. Dank neuer Technologien haben sich in den vergangenen Jahren zudem die Preise von gezüchtetem Fisch und Wildfisch angeglichen. Aufgrund des hohen Zuchtaufwands waren Fische aus Aquakulturen bis 2002 teurer als in den Weltmeeren gefangener Fisch.

Marine Harvest
Profiteur hoher Lachspreise

Als Marktführer in der Lachszucht profitieren die Norweger von der seit den 60er-Jahren verdoppelten Pro-Kopf-Nachfrage nach Fisch sowie vom steigenden Preisniveau für Speisefische. Die Zahlen von Marine Harvest enttäuschten im vierten Quartal zwar etwas, dennoch ist das norwegische Lachszuchtunternehmen ein lukrativer Beimischungskandidat - nicht zuletzt dank einer Dividendenrendite von 7,6 Prozent beim aktuellen Kursniveau. In den vergangenen Tagen hat der Aktienkurs nachgegeben. Für Anleger, die sich das Papier ins Depot packen wollen, könnte jetzt ein günstiger Zeitpunkt für einen lukrativen Fang sein.

Bonafide Global Fish Fund
Vom Fischmarkt profitieren

Der Bonafide Global Fish Fund investiert in Unternehmen wie Marine Harvest, China Fishery Group oder Austevoll Seafood, die ihr Geschäft mit Fischerei, Zucht, Verarbeitung oder Verkauf von Fisch machen. Das Fondsmanagement macht sich durch Firmenbesuche vor Ort selbst ein Bild und berücksichtigt bei der Firmenauswahl Produkte, Konkurrenz und Wachstumschancen sowie die Qualität des Managements. Auch auf die Nachhaltigkeit der Produktion wird geachtet. 2014 hat der Fonds 20 Prozent Plus gemacht, 2013 waren es etwas mehr als 17 Prozent. Wie bei vielen Nischenfonds sind die Gebühren aber relativ hoch.
Bildquellen: Fotolia, iStock, StockThings / Shutterstock.com, Sebastian Duda / Shutterstock.com

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