Aurubis: Warum die Rally trotz höherer Prognose ins Stocken gerät

05.02.26 16:33 Uhr

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Aurubis: Warum die Rally trotz höherer Prognose ins Stocken gerät | finanzen.net

Aurubis hat die Jahresprognose spürbar angehoben, dennoch geriet die Aktie nach einer wochenlangen Rally unter Druck. Sinkende Kupferpreise, steigende Lagerbestände und eine nachlassende Nachfrage aus China überlagern kurzfristig die solide operative Entwicklung.

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Nach einer starken Rally und dem Erreichen neuer Rekordstände ist die Aurubis-Aktie zuletzt ins Rutschen geraten. Das wirkt auf den ersten Blick paradox, denn operativ ist der Kupferkonzern ordentlich ins neue Geschäftsjahr gestartet und hat die Prognose für 2025/26 sogar deutlich angehoben. Der Rücksetzer hat daher weniger mit dem Unternehmen selbst zu tun als mit zwei Faktoren: Erstens waren die positiven Erwartungen bereits hoch und damit weitgehend eingepreist. Zweitens drehte der Kupfermarkt zuletzt nach unten – und genau das ist für die Aktie kurzfristig ein entscheidender Treiber.

Starker Jahresauftakt
Mit 105 Mio. Euro operativem EBT ist Aurubis solide ins neue Geschäftsjahr 2025/26 gestartet. Das liegt zwar unter dem Vorjahreswert von 130 Mio. Euro, überrascht aber nicht wirklich. Die Gründe sind bekannt: niedrigere Schmelz- und Raffinierlöhne, höhere planmäßige Abschreibungen für laufende Investitionsprojekte sowie ein vorgezogener Wartungsstillstand in Hamburg. Das operative EBITDA belief sich auf 164 Mio. Euro nach 184 Mio. Euro im Vorjahr. Interessanter ist daher der Vergleich mit dem Vorquartal, in dem das operative EBT bei mageren 68 Mio. Euro gelegen hatte. Das zeigt, dass die operative Stärke des Kupfer- und Recyclingkonzerns intakt ist. Vor allem das Metallergebnis überzeugte, getragen von gestiegenen Edelmetallpreisen. Auch die Erlöse aus Schwefelsäure blieben hoch, und das Geschäft mit Kupferprodukten entwickelte sich weiterhin stabil.

Hohe Investitionen
Auffällig war der negative Netto-Cashflow von 8 Mio. Euro, der jedoch nur auf den ersten Blick irritiert. Ursache waren höhere Lagerbestände bei gleichzeitig gestiegenen Metallpreisen – ein reiner Stichtagseffekt, der sich im Jahresverlauf wieder ausgleichen dürfte. Beim operativen ROCE von 7,8 Prozent zeigt sich zudem, dass Aurubis aktuell stark investiert. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 11,7 Prozent. Entsprechend hoffen Unternehmen und Markt, dass sich die Wachstumsprojekte künftig voll entfalten und die Kapitalrendite wieder erhöhen.

Höhere Prognose – aber bereits eingepreist
Ende Januar hatte Aurubis angekündigt, für das laufende Geschäftsjahr statt 300 bis 400 Mio. Euro nun ein operatives EBT von 375 bis 475 Mio. Euro zu erwarten. Am oberen Ende entspräche das einem Plus von fast 19 Prozent. Gestiegene Metallpreise und eine robuste Nachfrage nach Kupferprodukten sollen dies ermöglichen. Das Problem: Diese Anpassung war bereits bekannt und entsprechend eingepreist. Die Börse reagierte daher verhalten, neue Impulse blieben aus. Zudem äußerten Marktteilnehmer Kritik, da Ergebnis und Prognose stark von der Metallpreisentwicklung abhängen, was die Volatilität erhöht. Hinzu kommen höhere Abschreibungen aus dem Investitionsprogramm, während die Ertragsbeiträge aus den neuen Projekten erst mittelfristig sichtbar werden.

Kupfermarkt dreht – Aktie unter Druck
Am Donnerstag ging es dann deutlich abwärts, zeitweise verlor die Aktie bis zu 4 Prozent. Belastend wirkte dabei nicht nur, dass Zahlen und Prognose als Non-Event wahrgenommen wurden. Hinzu kam ein zumindest temporärer Rückgang des Kupferpreises, steigende Lagerbestände sowie Berichte über eine zurückhaltendere Nachfrage aus China.

Großprojekte nehmen Gestalt an
Strategisch ist Aurubis hingegen gut unterwegs. Rund 80 Prozent des 1,7 Mrd. Euro schweren Investitionsprogramms sind bereits umgesetzt. Das neue Werk in Richmond, die erste Multimetall-Sekundärhütte in den USA, wird hochgefahren und soll künftig 180.000 Tonnen komplexes Recyclingmaterial pro Jahr verarbeiten. In Hamburg steht zudem das Projekt „Complex Recycling“ kurz vor der Inbetriebnahme im ersten Halbjahr 2026, wodurch zusätzliche 30.000 Tonnen Recyclingmaterial verarbeitet werden können.

Fazit
Unter dem Strich hat Aurubis ordentliche Zahlen vorgelegt und die Prognose angehoben. Der Markt hatte dies jedoch bereits vorweggenommen. Die aktuelle Kursschwäche ist weniger unternehmensspezifisch als vielmehr durch den Kupferpreis und die Entwicklung in China getrieben. Mittelfristig sprechen die Kapazitätserweiterungen und die strategische Ausrichtung klar für Aurubis. Nach der starken Rally ist eine Korrektur zwar nicht überraschend, für langfristig orientierte Anleger könnte sie jedoch eine Einstiegschance darstellen.

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Autoren: Die SmartCaps-Redaktion. Erstellung am 05.02.26 um 13:39 Uhr. Über uns: Das Team von SmartCaps zählt seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem „Anlegerbrief“ zu den erfolgreichsten Nebenwerteinvestoren in Deutschland. Das Musterdepot des Anlegerbriefs hat seit 1999 eine Rendite von mehr als 3.322 Prozent oder 14,2 Prozent p.a. (Stand: 31.01.26) erzielt. Mehr dazu finden Sie hier.

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